Mario Röllig in der Gedenkstätte des ehemaligen Stasi-Gefängnisses Berlin-Hohenschönhausen © rbb/Galeria-Alaska
Mario Röllig in der Gedenkstätte des ehemaligen Stasi-Gefängnisses Berlin-Hohenschönhausen | Bild: rbb/Galeria-Alaska

Die Geschichte des Mario Röllig - Der Ost-Komplex

Mario Röllig, Jahrgang 1967, aus SED-treuem Elternhaus und offen schwul, ist ein viel gefragter "DDR-Zeitzeuge". Er macht Führungen in der Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen, hier war er 1987 inhaftiert.

Mario Röllig in der Gedenkstätte des ehemaligen Stasi-Gefängnisses Berlin-Hohenschönhausen © rbb/Galeria-Alaska
Mario Röllig in der Gedenkstätte des ehemaligen Stasi-Gefängnisses Berlin-Hohenschönhausen

Der ehemalige Kellner am Ost-Berliner Flughafen und spätere Zigarrenverkäufer im West-Berliner KaDeWe hält Vorträge vor Schulklassen, an US-Universitäten sowie vor der CDU, in der er heute selbst Mitglied ist. Röllig macht sein Schwulsein bei seinen Auftritten stets auch zum Thema, was bisweilen zu Irritationen führt.

Eine schwule Liebesgeschichte ist der Ausgangspunkt seines Dramas: 1985 lernte Röllig auf einer Reise nach Ungarn in einem Budapester Thermalbad einen Politiker aus West-Berlin kennen, der in Röllig die Lust auf den Westen weckte. Zwei Jahre lang trafen sich die beiden immer wieder in Ost-Berlin - unter fortwährender Beobachtung der Stasi.

Mario Röllig am Grenzturm an der ehemaligen ungarisch-jugoslavische Grenze. © rbb/Galeria-Alaska
Mario Röllig am Grenzturm an der ehemaligen ungarisch-jugoslavische Grenze.

1987 versuchte Röllig über die grüne Grenze von Südungarn nach Jugoslawien zu fliehen, um zu seinem Freund in West-Berlin zu gelangen. Doch die Flucht misslang. Später wird Röllig "freigekauft".

Über Umwege und mit Verzögerungen gelangte Röllig schließlich doch in den Westen: Heute diskutiert Röllig mit Politikern, beteiligt sich an Mahnwachen und Demonstrationen und stößt dabei auch mit Befürwortern sozialistischer und kommunistischer Gesellschaftsentwürfe zusammen. Diese sehen in Menschen wie Röllig Geschichtsverfälscher und Kommunistenhasser im Auftrag des herrschenden Systems.

Wie funktionieren Zuhören, Gespräch, Verständigung, Streit und Konfrontation auf dem Minenfeld deutsch-deutscher Geschichtsaufarbeitung, welches noch heute mit Tabus und Redeverboten durchsetzt scheint. Und was macht dies mit einem Menschen wie Röllig, der seine für ihn traumatisierende Geschichte bereits mehr als 1000 Mal vorgetragen hat.

"Der Ost-Komplex" beobachtet Rölligs Führungen und Begegnungen.

Dokumentarfilm von Jochen Hick

Erstausstrahlung am 07.01.2018/rbb

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