Hier bin ich, als ich erschossen wurde", sagt Ireneusz Cuglewski. Quelle: rbb

- Der Tag, als ich erschossen wurde

In dem Film erinnern sich Polen an den deutschen Überfall am 1. September 1939. Der 84-jährige Ireneusz Cuglewski erzählt, wie die deutsche Wehrmacht sein Dorf überfallen hat.

"Hier bin ich, als ich erschossen wurde", sagt Ireneusz Cuglewski. "Ich war 14 Jahre alt und habe mich auf meinen Schulanfang vorbereitet."

Józef Morawiec hat die Geschichte vom Überfall der Wehrmacht auf Zarki aufgeschrieben,Quelle: rbb
Józef Morawiec hat die Geschichte vom Überfall der Wehrmacht auf Zarki aufgeschrieben. "Eine Nation, die die eigene Geschichte verliert, verliert ihr Leben", sagt er.
Acht Dorfbewohner sollten hingerichtet werden in Romanow, als "Vergeltungsmaßnahme” für den Tod von zwei deutschen Soldaten. Die Dorfbewohner waren unschuldig, doch das nützte ihnen nichts. Ireneusz war damals vierzehn.

Er hat das Massaker als einziger überlebt, durch Zufall. Oft hat er seine Geschichte schon erzählt, aber noch nie einem Deutschen, weil ihn noch nie jemand aus Deutschland gefragt hat.
Augustyn Soldrowski im Gespräch mit Wioletta Weiß vor dem Rathaus in Czestochowa, Quelle: rbb
Augustyn Soldrowski im Gespräch mit Wioletta Weiß: "Ich bin nicht böse mit den Deutschen. Sie sind ein kultiviertes Volk. Man kann sich mit ihnen verständigen".

Der deutsche Überfall auf Polen: Bekannt sind die "Fakten", die Jahreszahlen, die ungefähre Zahl der Toten. Noch kaum erzählt wurden die Geschichten der Menschen in den Dörfern und Städten.

Verbrechen an der Zivilbevölkerung gehörten zum Kriegsalltag. Die Alten erinnern sich noch sehr genau und die Jungen sind mit der Geschichte groß geworden.

In der Erinnerungskammer in Zarki, Quelle: rbb
In der Erinnerungskammer in Zarki.
Überall in Polen gibt es so genannte Erinnerungskammern, in denen an die Opfer und an die Geschichte des Zweiten Weltkriegs erinnert wird. In der Erinnerungskammer in Zarki.
70 Jahre nach dem Überfall sind die Autorinnen Antonia Schmidt und Wioletta Weiß durch die Dörfer und Städte entlang der ehemaligen deutsch-polnischen Grenze gefahren und haben gefragt, was die Menschen in den ersten Kriegstagen erlebt haben.

Die Autorinnen sind dabei auf schreckliche Geschichten, aber nie auf Groll gestoßen. Im Gegenteil: Sie wurden mit offenen Armen empfangen. Die Menschen, die den deutschen Überfall erlebt haben, freuen sich über das deutsche Team, das gekommen ist, um ihre Geschichten zu hören.

Film von Antonia Schmidt und Wioletta Weiß

Erstausstrahlung 2009/rbb