Wahlplakate zur Landtagswahl in Brandenburg 2019 © imago images/Martin Müller
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Wahlplakate zur Landtagswahl in Brandenburg 2019 | Bild: imago images / Martin Müller

Über den Landtagswahlkampf in der Prignitz - Die Unerhörten

Für seinen Dokumentarfilm begleitet der Prignitzer Jean Boué den Kampf um das Direktmandat für den Potsdamer Landtag im Brandenburger Wahlkreis 1, der Westprignitz. 

Die Herren Pohle, Domres, Hoffmann, Schneewolf und Czajkowski treten gegeneinander an. In ihren Kampagnen setzten sie sich mit dem auseinander, was die Landbevölkerung bewegt.

Harald Pohle und Malte Hübner-Berger. Quelle: rbb/Knut Schmitz

Wenn am 1. September in der Westprignitz für den neuen Brandenburger Landtag gewählt wird, rechnen sich fünf Kandidaten Chancen für das Direktmandat im Brandenburger Wahlkreis 1 aus. Der beliebte Kommunalpolitiker Harald Pohle hat es nicht leicht, er kandidiert für die noch regierende aber im steilen Sinkflug stehende SPD. Der 69-Jährige fährt mit einem beklebten Wahlmobil über die Dörfer, zusammen mit Malte Hübner-Berger, seinem Freund und Berater. Ihr Kapital ist die gemeinsame politische Erfahrung. Die beiden treten immer zu zweit auf.

Thomas Domres. Quelle: rbb/Knut Schmitz

Der LINKE Thomas Domres pendelt seit 20 Jahren zwischen den Welten. In Potsdam vertritt er die Bedürfnisse der Provinz, in der Prignitz erklärt er die Sachzwänge der Metropole – und er bleibt dabei oft unerhört. Im Straßenwahlkampf versucht Domres die unpopuläre Politik seiner Regierung der Wählerschaft mit möglichst einfachen Worten und funktionierenden Kugelschreibern näher zu bringen.

Gordon Hoffmann. Quelle: rbb/Knut Schmitz

Auch Gordon Hoffmann ist Prignitzer. Der Single widmet sein Leben der Politik. Er sitzt für die CDU in drei Parlamenten - in der Stadtverordnetenversammlung, im Kreistag und im Landtag. Er vertritt die Folgen Merkelscher Bundespolitik in der Provinz. Als Vorstandsmitglied der Landtagsfraktion wohnt er auch in Potsdam. Obwohl er ständig hin- und herfährt zwischen Stadt und Land, nimmt die Nähe zur Heimat ab.

Dr. Rainer Schneewolf . Quelle: rbb/Knut Schmitz

Der Spitzenkandidat der Grünen ist 75+. Als Dr. Rainer Schneewolf Kandidat wurde, lagen die Umfragewerte für seine Partei noch im Keller. Doch die mediale Omnipräsenz des Klimawandels hat das verändert. Schneewolf gehört einer Generation an, die es gelernt hat, Dinge in Frage zu stellen. Trotz Klimakrise werden da auch Windräder direkt vor der Nase der Landbevölkerung nicht einfach so hingenommen.

Oliver Czajkowski. Quelle: rbb/Knut Schmitz

Die AfD benennt ihren Kandidaten spät. Der Politikneuling und Schäferhundexperte Oliver Czajkowski glaubt an seine Chance. Die AfD sieht sich gestärkt durch die Umfragen. Es sind keine Sachthemen, sondern Stimmungen, die der Partei Zuspruch bringen. Verwiesen wird stets auf die Regierenden, auf „die da oben“, die bezichtigt werden, alles zu vergeigen.

Die Herren Pohle, Domres, Hoffmann, Schneewolf und Czajkowski treten gegeneinander an, als Bewerber für das eine Direktmandat im Potsdamer Parlament. In ihrem Wahlkampf setzen sie sich mit der Landbevölkerung auseinander, den sogenannten Abgehängten. Menschen, die medial und demoskopisch schwer greifbar sind und sich zunehmend übergangen fühlen – unerhört mit ihren Bedürfnissen und Sorgen. Die Kandidaten begegnen Bauern, die gegen richtlinienkonforme Straßen aufbegehren, weil ihre Landmaschinen dort keinen Platz mehr haben. Sie treffen auf Familienväter, die protestieren, weil ein paar hundert Meter neben dem Kindergarten eine Mülldeponie entstehen soll. Sie lernen Jäger kennen, die gegen den Wolf kämpfen und einen Gastronomen, der nicht akzeptiert, dass sein Dorf in nächster Zukunft ohne Internet und digital ausgeschlossen bleiben soll.

Während die regierende LINKE und die SPD vor allem damit beschäftigt sind, ihre Erfolge zu erklären, können die CDU und die GRÜNEN zumindest auf Landesebene als oppositionelle Gegenspieler angreifen. Und die AfD macht es sich leicht, sie spottet, verspricht den Himmel und sammelt die Enttäuschten an den Rändern auf. Erzählt wird diese unerhörte Geschichte aus der Perspektive des Regisseurs Jean Boué. Er lebt selbst seit zwölf Jahren in der Prignitz, dem am dünnsten besiedelten Landkreis Deutschlands. Er kennt die Verhältnisse vor Ort und versucht in seinem Dokumentarfilm „Die Unerhörten“ zu ergründen, warum der ländliche Raum immer weniger mit urban gesteuerter Politik erreichbar scheint.

Film von Jean Boué

Erstausstrahlung rbb 25.08.2019

Szenenfoto aus "Krieg der Träume 1918 - 1939" (Bild: Bild: SWR/Ricardo Vaz Palma)
SWR/Ricardo Vaz Palma

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Szenenfoto aus "Krieg der Träume 1918 - 1939" (Bild: Bild: SWR/Ricardo Vaz Palma)
SWR/Ricardo Vaz Palma

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imago/ZUMA Press

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