A.R.Penck in Dresden kurz vor der Übersiedlung in die BRD, 1980 (Bild: rbb)
rbb
A.R.Penck in Dresden kurz vor der Übersiedlung in die BRD, 1980. | Bild: rbb

- Er nannte sich Y - Der unbekannte A.R. Penck

A.R. Penck wurde 1939 als Ralf Winkler in Dresden geboren und ist der vielleicht berühmteste Autodidakt der Kunstgeschichte: ob als Schlagzeuger, Maler, Grafiker, Bildhauer, Filmemacher oder Dichter.

Zwei Jahre nach dem Tod des Künstlers nähert sich Autor Thomas Claus dem "sächsischen Universalgenie", am 5. Oktober 2019 wäre er 80 Jahre alt geworden.

Feier zum 40. Geburtstag von Penck im Atelier Gostritzer Straße in Dresden, 1979 (Bild: rbb)
Feier zum 40. Geburtstag von Penck im Atelier Gostritzer Straße in Dresden, 1979.

Eine Ausbildung an den Akademien der DDR oder eine Mitgliedschaft im Verband Bildender Künstler der DDR bleiben A.R. Penck verwehrt, obwohl er sich mehrfach darum bewarb. Und obwohl seine zwischen Abstraktion und Figuration pendelnde Kunst nicht dem ästhetischen Ideal des sozialistischen Realismus entspricht, teilt er die kulturpolitische Auffassung von der Rolle des Künstlers als gesellschaftlich relevante Kraft.

Immer wieder setzt sich Penck mit dem real existierenden Sozialismus auseinander und reibt sich an seinen Widersprüchen. Mitte der sechziger Jahre vermittelt Georg Baselitz Winklers Arbeiten an den Galeristen Michael Werner, der 1968 eine erste Einzelausstellung in Köln organisiert. 1972 nimmt er erstmals an der documenta, der 5. Weltkunstausstellung in Kassel, teil. Alles ohne Wissen und Genehmigung der Behörden. Das macht ihn angreifbar.

Die Staatssicherheit, die den Künstler seit 1968 überwacht, wird ihre Spitzel bis zum Ende der DDR in seinem Umfeld platzieren, obwohl er seit 1980 im Westen lebt. Seine Gemälde und plastischen Arbeiten werden schließlich weltweit in Galerien und Museen gezeigt und obwohl A.R. Penck zu den wichtigsten Avantgarde-Malern gehört, die in den siebziger und frühen achtziger Jahren die Erneuerung der Malerei in Deutschland vorangetrieben haben, ist er heute weitgehend unbekannt.

A.R. Penck mit Modellen aus Pappe, 1970 (Bild: rbb)
A.R. Penck mit Modellen aus Pappe, 1970.

Die umfangreichen Recherchen für den Film förderten unbekanntes Ton- und Filmmaterial, Fotos und kleine Kunstwerke zu Tage. Als besonderer Glücksfall erwies sich der Fund von zwanzig verschollen geglaubten Super-8-Filmen, die Ralf Winkler gemeinsam mit Wolfgang Opitz zwischen 1970 und 1980 in Dresden realisierte.

Darunter befinden sich einzigartige Aufnahmen, die Penck bei der Arbeit im Atelier zeigen und bislang unbekannte Kunstaktionen dokumentieren. Ehemalige Weggefährten, wie Peter Makolies, Achim Freyer oder Volker Henze aber auch bedeutende Ausstellungsmacher, wie Kasper König und Dieter Koepplin geben Auskunft und offenbaren einen sensiblen wie politischen Künstler, der seine Ideen verwirklichte und auch die Konfrontation nicht scheute.

Besonders ergiebig erwies sich das Archiv des Kölner Fotografen Benjamin Katz, in dem über 20.000 Aufnahmen von A.R. Pencks Arbeitsweise, seinem Ideenreichtum und seiner Vielseitigkeit zeugen und von denen 99 Prozent unveröffentlicht sind.

Film von Thomas Claus

Erstausstrahlung 27.10.2019/rbb

Weitere Filme zur Reihe

   

Gemüsekiste, Foto: imago/Ini1110/Photocase
imago/Ini1110/Photocase

Unterwegs mit Lebensmittelrettern - Teller oder Tonne

In Deutschland werden jede Sekunde 570 Kilogramm Lebensmittel entsorgt. Die Reportage schaut hinter die Kulissen der Lebensmittelrettung in Berlin und begleitet Menschen, die sich dafür engagieren.

Dagmar Dobrofsky will eine Reisetasche von Louis Vuitton versteigern. © rbb
rbb

2. Staffel - Schätzen, bieten, bangen (4/4)

Ist die Luxus-Reisetasche aus Paris bei der Auktion erfolgreicher als ein antiker Schrank von 1726? Sind Briefmarken noch ein lukratives Sammelgebiet? Kann der Auktionator ein Rekordergebnis verkünden, nachdem er in einem Zwölf-Stunden-Marathon über 500 Objekte aus dem Erotikmuseum versteigert hat?

rbb-Reporter Ulli Zelle ist auf dem Dachboden fündig geworden. © rbb
rbb

2. Staffel - Schätzen, bieten, bangen (3/4)

Was, wenn Diebesgut in Auktionshäusern landet? In der Folge ist rbb-Reporter Ulli Zelle dabei, der eine Wanduhr seines Großvaters versteigern möchte.

Maren Gilzer und Ehemann Harry Kuhlmann sind vom Auktionsergebnis überrascht. © rbb
rbb

2. Staffel - Schätzen, bieten, bangen (2/4)

Entdecken die Auktionsprofis bei den Hausbesuchen Schätze? Liegen die Experten bei der Bewertung immer richtig? Warum wollen Sammler oder Erben liebgewonnene Dinge verkaufen? Die Schauspielerin Maren Gilzer mit einer Sammlung erotischer Porzellanfiguren dabei.

Marcel Breuer mit seinem "Harem" (v.l.: Marta Erps-Breuer, Katt Both und Ruth Hollos-Consemüller) / Foto: Erich Consemüller, um 1927. Copyright: Klassik Stiftung Weimar, Dr. Stephan Consemüller.
Klassik Stiftung Weimar, Dr. Stephan Consemüller.

Bauhausfrauen

Das Bauhaus gilt als Heimstätte der Avantgarde und ist Sinnbild der Moderne. Heute, 100 Jahre nach dessen Gründung, sind die Bauhausmeister die Stars der Architektur- und Designgeschichte. Doch die Geschichte des Bauhauses ist eine der männlichen Helden und bis heute stehen die Künstlerinnen im Schatten ihrer Kollegen.