Anne Hähnig © privat
Bild: privat

Ein Beitrag zur Debatte von Anne Hähnig - Die Anpassungs-Weltmeisterinnen

Wie haben es ostdeutsche Frauen geschafft, von den Verlierern zu den Gewinnern der deutschen Einheit zu werden? Über ihre unsagbare Fähigkeit, sich mit allen Zumutungen des Lebens zu arrangieren.

Seite 3 von 3

Aus meiner Sicht ist von der Leyen die größte Feministin der Bundespolitik

Aber was viele Ostfrauen eben ausmacht - vor allem die erfolgreichen unter ihnen -, das ist neben ihrer beinharten Rationalität auch dieses: Sie gehen über emanzipatorische Fragen hinweg, als ob es nichts zu diskutieren gäbe. Sie sehen Zumutungen eher als etwas zu Überwindendes, nicht als etwas zu Beklagendes. Sie sind unerbittlich vor allem gegenüber sich selbst. Nicht gegenüber anderen. Sie wollen Probleme möglichst dann schon lösen, bevor sie sich erst richtig entfalten. Das ist eine kluge Strategie, aber wenn sie die einzige ist, dann unterbleibt etwas. Es unterbleibt ein Konflikt und eine Debatte.

Genau das jedoch braucht eine demokratische Gesellschaft auch. Wer immer nur das Möglichste zu erreichen versucht, wird das Unmögliche nicht ändern können. Vielleicht lässt sich so auch erklären, warum es keine ostdeutsche Frau war, die unsere Familienpolitik revolutionierte. Die ein Gesetz schrieb, das allen Eltern einen Kitaplatz garantiert und die das Elterngeld einführte.

Anders gesagt: Die die Bundesrepublik ein bisschen ostdeutscher machte. Die Frau, die all das zu verantworten hat, ist Ursula von der Leyen (CDU), heute Verteidigungsministerin, früher war sie Familienministerin. Aus meiner Sicht ist von der Leyen die größte Feministin der Bundespolitik - beziehungsweise die ostdeutscheste Westfrau, die mir je untergekommen ist.

Die Autorin

Anne Hähnig, geboren 1988 in Freiberg im Erzgebirge, studierte Politikwissenschaft in Leipzig und besuchte die Deutsche Journalistenschule in München. Sie ist Redakteurin im Leipziger Büro der Wochenzeitung "DIE ZEIT" und berichtet insbesondere aus und über Ostdeutschland.

Hier schreibt sie als Autorin für das Ostfrauen-Projekt von rbb und MDR.