Jüdischer Friedhof Berlin-Weißensee, Quelle: imago/Jürgen Ritter
imago/Jürgen Ritter
Jüdischer Friedhof Berlin-Weißensee | Bild: imago/Jürgen Ritter

Juden in der DDR - Schalom Neues Deutschland

Das ambivalente Verhältnis zwischen den ostdeutschen Juden und dem Staat DDR zeigt die Dokumentation vor allem durch die persönlichen Erfahrungen jüdischer DDR-Bürger auf. Antisemitismus galt in der DDR als "mit Stumpf und Stiel" ausgerottet.

"Nie wieder Faschismus - nie wieder Krieg" hieß es, Antifaschismus war in der DDR Staatsdoktrin. Dennoch lebten in der Gesellschaft antisemitische Denkmuster fort und auch das Verhältnis der Staatsführung zu den Juden im Land schwankte zwischen repressivem Vorgehen gegen "zionistische Strömungen" und Ignoranz.

Nach 1945 waren es zumeist vom Kommunismus überzeugte Juden, die in die DDR zurückkehrten. Bei der individuellen Entscheidung für eine Rückkehr in dieses neue Deutschland spielte die kommunistische Weltanschauung gegenüber der jüdischen Herkunft zumeist eine übergeordnete Rolle. Nach einer 1946 durchgeführten Volkszählung waren in Ostdeutschland 4.500 Mitglieder der jüdischen Gemeinden registriert. Die Zahl sank bis 1989 auf ca. 400. Die acht jüdischen Gemeinden wurden einerseits vom Staat unterstützt, andererseits von den Sicherheitsorganen observiert.

Eine ständige Herausforderung für die ostdeutschen Juden ist der Umgang ihres Staates mit Israel. Zunächst waren die Sowjetunion und ihre Verbündeten Befürworter des jungen jüdischen Staates. Nach dessen Bekenntnis zum Bündnis mit den USA propagierte die Staatsführung jedoch immer deutlicher einen aggressiven Antizionismus, der die jüdischen Gemeinden in der DDR unter Druck setzte. Es entwickelten sich massive antijüdische Tendenzen im Ostblock.

1952 fand in der Tschechoslowakei der Slánsky-Prozess gegen 14 führende Mitglieder der kommunistischen Partei statt. Ihnen wurde u. a. vorgeworfen, sie seien "zionistische Verräter". Elf der Angeklagten wurden gehenkt, drei erhielten eine lebenslange Haftstrafe. Der Slánský-Prozess verunsicherte auch die Juden in der DDR. Viele von Ihnen verließen aus Furcht vor Verfolgung das Land.

Jüdischer Friedhof Schönhauser Allee, Berlin © rbb/Tom Franke
Jüdischer Friedhof Schönhauser Allee, Berlin

Das Verhältnis der jüdischen Gemeinden zum Staat DDR blieb über die Jahre zwiespältig. Inwieweit wurde in dem antifaschistischen Staat konsequent gesellschaftlicher Antisemitismus bekämpft? Als in den 1980er Jahren junge Neonazis in der DDR unverhohlen auftraten und Hakenkreuze auf Grabsteine schmierten, war der Staat im Zugzwang.

Salomea Genin, Berlin © rbb/Salomea Genin
Salomea Genin

Salomea Genin, die als junge Kommunistin mit vielen Illusionen in die DDR kam, hoffte auch, durch die Arbeit in der jüdischen Gemeinde etwas ändern zu können.

Walter Kaufmann in Manhattan © rbb/Walter Kaufmann
Walter Kaufmann

Auch für den Schriftsteller und Journalisten Walter Kaufmann war die DDR Wahlheimat. Er findet erst spät zu seinen jüdischen Wurzeln zurück.

Werner Lappe aus Dresden kommt mit seinen Eltern aus dem englischen Exil in die DDR.

Schalom Neues Deutschland - Juden in der DDR: André Herzberg © rbb/Gerald von Foris
André Herzberg

Der Rocksänger André Herzberg spürte die Zerrissenheit der Mutter, wenn sie sich zwischen der kommunistischen Überzeugung und der jüdischen Religion entscheiden sollte. Für ihn wurde die jüdische Identität nach der friedlichen Revolution 1989 ein neuer Anker.

Film von Tom Franke und Lutz Rentner

Der Film ist eine Produktion von armadafilm, gefördert mit Mitteln der Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur, im Auftrag des Rundfunk Berlin-Brandenburg.
 

Erstausstrahlung am 11.11.2018/rbb

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