Solidaritaetskundgebung Berlin trägt Kippa, Bild: imago images / epd
imago images / epd
Bild: imago images / epd

Juden in der DDR - Schalom Neues Deutschland

Das ambivalente Verhältnis zwischen den ostdeutschen Juden und dem Staat DDR zeigt die Dokumentation vor allem durch die persönlichen Erfahrungen jüdischer DDR-Bürger auf. Antisemitismus galt in der DDR als "mit Stumpf und Stiel" ausgerottet.

Jüdischer Friedhof Berlin-Weißensee, Quelle: imago/Jürgen Ritter
Jüdischer Friedhof Berlin-Weißensee | Bild: imago/Jürgen Ritter

"Nie wieder Faschismus - nie wieder Krieg" hieß es, Antifaschismus war in der DDR Staatsdoktrin. Dennoch lebten in der Gesellschaft antisemitische Denkmuster fort und auch das Verhältnis der Staatsführung zu den Juden im Land schwankte zwischen repressivem Vorgehen gegen "zionistische Strömungen" und Ignoranz.

Grundsteinlegung für Wiederaufbau der Synagoge in der Oranienburger Straße am 10.11.1988 (Bild: picture aliiiance /dpa-Zentralbild)
Grundsteinlegung für Wiederaufbau der Synagoge in der Oranienburger Straße am 10.11.1988

Nach 1945 waren es zumeist vom Kommunismus überzeugte Juden, die in die DDR zurückkehrten. Bei der individuellen Entscheidung für eine Rückkehr in dieses neue Deutschland spielte die kommunistische Weltanschauung gegenüber der jüdischen Herkunft zumeist eine übergeordnete Rolle. Nach einer 1946 durchgeführten Volkszählung waren in Ostdeutschland 4.500 Mitglieder der jüdischen Gemeinden registriert. Die Zahl sank bis 1989 auf ca. 400. Die acht jüdischen Gemeinden wurden einerseits vom Staat unterstützt, andererseits von den Sicherheitsorganen observiert.

Eine ständige Herausforderung für die ostdeutschen Juden ist der Umgang ihres Staates mit Israel. Zunächst waren die Sowjetunion und ihre Verbündeten Befürworter des jungen jüdischen Staates. Nach dessen Bekenntnis zum Bündnis mit den USA propagierte die Staatsführung jedoch immer deutlicher einen aggressiven Antizionismus, der die jüdischen Gemeinden in der DDR unter Druck setzte. Es entwickelten sich massive antijüdische Tendenzen im Ostblock.

1952 fand in der Tschechoslowakei der Slánsky-Prozess gegen 14 führende Mitglieder der kommunistischen Partei statt. Ihnen wurde u. a. vorgeworfen, sie seien "zionistische Verräter". Elf der Angeklagten wurden gehenkt, drei erhielten eine lebenslange Haftstrafe. Der Slánský-Prozess verunsicherte auch die Juden in der DDR. Viele von Ihnen verließen aus Furcht vor Verfolgung das Land.

Jüdischer Friedhof Schönhauser Allee, Berlin © rbb/Tom Franke
Jüdischer Friedhof Schönhauser Allee, Berlin

Das Verhältnis der jüdischen Gemeinden zum Staat DDR blieb über die Jahre zwiespältig. Inwieweit wurde in dem antifaschistischen Staat konsequent gesellschaftlicher Antisemitismus bekämpft? Als in den 1980er Jahren junge Neonazis in der DDR unverhohlen auftraten und Hakenkreuze auf Grabsteine schmierten, war der Staat im Zugzwang.

Salomea Genin, Berlin © rbb/Salomea Genin
Salomea Genin

Salomea Genin, die als junge Kommunistin mit vielen Illusionen in die DDR kam, hoffte auch, durch die Arbeit in der jüdischen Gemeinde etwas ändern zu können.

Walter Kaufmann in Manhattan © rbb/Walter Kaufmann
Walter Kaufmann

Auch für den Schriftsteller und Journalisten Walter Kaufmann war die DDR Wahlheimat. Er findet erst spät zu seinen jüdischen Wurzeln zurück.

Werner Lappe aus Dresden kommt mit seinen Eltern aus dem englischen Exil in die DDR.

Schalom Neues Deutschland - Juden in der DDR: André Herzberg © rbb/Gerald von Foris
André Herzberg

Der Rocksänger André Herzberg spürte die Zerrissenheit der Mutter, wenn sie sich zwischen der kommunistischen Überzeugung und der jüdischen Religion entscheiden sollte. Für ihn wurde die jüdische Identität nach der friedlichen Revolution 1989 ein neuer Anker.

Film von Tom Franke und Lutz Rentner

Der Film ist eine Produktion von armadafilm, gefördert mit Mitteln der Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur, im Auftrag des Rundfunk Berlin-Brandenburg.
 

Erstausstrahlung am 11.11.2018/rbb

Szenenfoto aus "Krieg der Träume 1918 - 1939" (Bild: Bild: SWR/Ricardo Vaz Palma)
SWR/Ricardo Vaz Palma

Auf Leben und Tod (Folge 3/3) - Krieg der Träume 1918 - 1939

1935 verabschiedet die NS-Regierung die Nürnberger Gesetze, die jüdische Bürger diskriminieren. Frankreich wählt 1936 eine sozialistische Regierung, worauf eine Kapitalflucht einsetzt, die die wirtschaftlichen Probleme verschärft. In Spanien putschen rechte Generäle unter Francisco Franco gegen die linke Regierung.

Szenenfoto aus "Krieg der Träume 1918 - 1939" (Bild: Bild: SWR/Ricardo Vaz Palma)
SWR/Ricardo Vaz Palma

Tanz auf dem Vulkan (Folge 2/3) - Krieg der Träume 1918 - 1939

Arbeitslosigkeit und Not prägen die frühen 1920er Jahre. Moskau ist Treffpunkt für alle, die vom Kommunismus träumen. 1923 besetzt Frankreich wegen ausbleibender Reparationszahlungen das Ruhrgebiet. In Deutschland wirft die Regierung die Notenpressen an und löst eine Hyperinflation aus.

Käthe Kollwitz um 1920, Quelle: imago/ZUMA Press
imago/ZUMA Press

Kollwitz - Ein Leben in Leidenschaft

Käthe Kollwitz ist eine der bedeutendsten Künstler*innen Deutschlands. Die großen Museen in aller Welt zeigen ihre Werke. Ihre Zeitgenossen zog sie durch ihre charismatische Erscheinung in den Bann. Der Film erzählt Leben und Werk dieser außergewöhnlichen Frau und zeigt viele bislang unbekannte Details ihrer Biografie.

Seebruecke und Strand mit Blick auf das Grand Hotel vom Seebad Heiligendamm, Bild: imago images / Christian Schroedter

Wildes Deutschland - Vorpommerns Küste

Die Natur an Vorpommerns Küste ist außergewöhnlich. Die einzigartige Landschaft zwischen Ostsee und Bodden steht seit 1990 unter strengem Schutz. Der Nationalpark ist mit über 80.000 Hektar neben dem Nationalpark Wattenmeer an der Nordsee das größte Schutzgebiet Deutschlands.

Ein See mit Wald und Wiese umgeben (Quelle: dpa/Patrick Pleul)
dpa/Patrick Pleul

Wildes Deutschland - Die Uckermark

Seen und Sölle, Flussläufe und Moore, ausgedehnte Wälder, Felder und Wiesen - das ist die Uckermark. Adler brüten in der Waldmark, Fischotter jagen in klaren Flüssen nach Forellen und Neunaugen, Biber stauen Bäche zu Seen. Dachse, Marderhund, Hasen und Füchse leben gemeinsam mit Hirschen und Rehen in einer der einsamsten Regionen Deutschlands.