Elli Barczatis, Quelle: rbb

Tatort Berlin - Die Sekretärin und das Fallbeil

Für den westdeutschen Geheimdienst war Elli Barczatis eine Top‑Agentin. Für die DDR‑Regierung die perfekte Sekretärin vom Ministerpräsidenten Otto Grotewohl ‑ und dann eine Verräterin. Vor 60 Jahren wurde Elli Barczatis in einem Geheimprozess in Berlin zum Tode verurteilt.

Sechs Jahre Liebe in Zeiten des Kalten Krieges soll die Sekretärin von Otto Grotewohl mit dem Tod bezahlen. Sie ist die letzte Frau, die in der DDR hingerichtet wurde. Wer diese Frau war und warum sie sterben musste, ergründet die Schauspielerin Ulrike Folkerts.

Ulrike Folkerts am Eingang zum ehemaligen Büro von Otto Grotewohl Büro, Quelle: rbb

Es ist das erste Mal, dass Ulrike Folkerts - bekannt als Tatort-Kommissarin Lena Odenthal - in einen realen Fall "ermittelt" und noch dazu einen Fall aus den 1950er Jahren, als sie noch nicht geboren war. Sie hört Tonbänder ab, liest Stasiakten und geht an die Orte, an denen Elli Barczatis gelebt hat. Ulrike Folkerts will wissen, warum der Geliebte von Elli Barczatis als Jurist in der jungen DDR keine Arbeit findet und dadurch in den Agentenjob getrieben wird.

Dass seine Geliebte Elli Barczatis ist, die im Machtzentrum der DDR arbeitet, eröffnet ihm diese Möglichkeit. Und warum ist Elli blind vor Liebe? Aus Angst, durch den Männermangel nach dem II. Weltkrieg eine hysterische alte Jungfer zu werden? Manche Dinge kann Ulrike Folkerts nur vermuten, in Frage stellen, nachempfinden.

Elli Barczatis war die Sekretärin des Ministerpräsidenten, des ehemaligen Sozialdemokraten Otto Grotewohl. War das Todesurteil ein Seitenhieb auf seine Person oder erfolgte es aus dem Karrieredenken des Richters? Was Ellis Geliebter an den westdeutschen Geheimdienst weitergibt, sind keine großen Staatsgeheimnisse. Doch es gibt keine Gnade. Elli Barczatis wird im November 1955 mit der Guillotine hingerichtet.

Film von Dora Heinze

Erstausstrahlung 13.10.2015/rbb