Überleben in Neukölln: Juwelia in ihrer Galerie, Foto: rbb/Elfi Mikesch
Bild: rbb/Elfi Mikesch

- Überleben in Neukölln

Im Mittelpunkt des Films steht Stefan Stricker, der sich Juwelia nennt und seit vielen Jahren eine Galerie in der Sanderstraße in Berlin Neukölln betreibt. Hier lädt er an jedem Wochenende Gäste ein, denen er schamlos aus seinem Leben erzählt und poetische Lieder singt, die er mit seinem Freund aus Hollywood, Jose Promis, geschrieben hat.

Überleben in Neukölln: Juwelia in ihrer Galerie, Foto: rbb/Elfi Mikesch
Bild: rbb/Elfi Mikesch

Juwelia war ihr Leben lang arm und sexy, hat stets um Anerkennung gekämpft, sie aber nur teilweise bekommen. Rosa von Praunheim begleitet sie nach New York, wo sie zum ersten Mal eine Ausstellung hat und dort auch auftritt.

In ihrer hessischen Heimatstadt Korbach am Grab ihrer Mutter kommen Juwelia die Tränen. Ihre Mutter hat sich mit 82 Jahren das Leben genommen und die weibliche Seite ihres Sohnes nie akzeptiert. Juwelia ist Clown, Philosoph und Überlebenskünstler und immer noch ein Geheimtipp.

Neben Juwelia trifft Rosa von Praunheim die 89-jährige Frau Richter, die im Alter von 50 Jahren nach Neukölln zog, um hier mit einer Frau glücklich zu werden. Er trifft den androgynen kubanischen Sänger und Tänzer Joaquin la Habana, der mit seinem Mann zusammenlebt. Sein 17-jähriger Sohn ist stolz auf ihn.

Überleben in Neukölln: Juwelia in ihrer Heimatstadt Korbach, Foto: rbb/Elfi Mikesch
Bild: rbb/Elfi Mikesch

Rosa begegnet Mischa Badasyan aus Russland, einem Performancekünstler, der es sich zur Pflicht machte, ein Jahr lang jeden Tag mit einem anderen Mann Sex zu haben. Und er trifft die syrische Sängerin Enana, die nach ihrer dramatischen Flucht nach Berlin hofft, ein freieres Leben führen zu können, als Frau und als Lesbe.

Patsy l‘Amour la Love veranstaltet die "Polymorphia" Party und Diskussionsreihe und bezeichnet sich selbst als Polittunte. Gerade hat sie ihre Magisterarbeit "Selbsthass und Emanzipation" veröffentlicht. Neukölln war immer ein armer, proletarischer Bezirk mit viel Kriminalität. Vor zehn Jahren kamen wegen der billigen Mieten die Künstler. Seit fünf Jahren entwickelt sich Neukölln zum Hipster Bezirk und Mekka für Spekulanten.

Rosa von Praunheims Film ist ein Zeugnis vom zurzeit spannendsten Teil von Berlin und zugleich ein Zeugnis eines Bezirks, der bald seine Künstler, die sich die Mieten nicht mehr leisten können, vertreiben wird.

Film von Rosa von Praunheim
Erstausstrahlung 17.02.2019/rbb

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