Eingang zur ostdeutschen Filmstadt Babelsberg bei Potsdam, dem Sitz der DEFA (Quelle: dpa/Link)
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Der Westen im DDR-Film - Wie der Kudamm nach Karl-Marx-Stadt kam

Die DEFA, die große DDR-Traumfabrik, trennt keine 1000 Meter Luftlinie von der Grenze zu Westberlin und doch gibt es für die Kreativen in Babelsberg und Adlershof keinen schwierigeren Job, als diese nah gelegene kapitalistische Welt halbwegs glaubhaft in die DDR-Kinos und -Wohnzimmer zu tragen.

Im Dezember 1961 listet der Direktor des DEFA-Spielfilmstudios in einem Brief an das DDR-Kulturministerium auf, was alles in Potsdam-Babelsberg fehlt, seit die Mauer Ost- und Westdeutschland trennt: Perückenfedern, Nadeln für Maskenbildner, Sprühfarben, Sägeblätter für den Dekorationsbau, Künstlerpinsel für die Kulissenmaler und vor allem Filmmaterial. Und daran wird sich auch die nächsten 28 Jahre kaum etwas ändern.

Natürlich geht es bei aller Liebe zum Detail nicht darum, die glitzernde Fassade des Westens eins zu eins in Babelsberg nachzubauen. Schließlich wird der Westen im DDR-Film nur dann thematisiert, wenn es darum geht, ihn als die übelste aller möglichen Welten zu präsentieren. In dem Konsumparadies, so der Tenor der Filme, tummeln sich finstere Mächte, die nur darauf warten, wieder nach Osten marschieren zu können.

Schon in den Drehbüchern steht, welche DDR-Locations für westliche Schauplätze herhalten können oder wo man ins sozialistische Bruderland ausweichen muss, um halbwegs glaubwürdig zu bleiben. Soll es exotisch werden, geht man nach Bulgarien, braucht man westliches Stadtflair, weicht man nach Budapest aus.

Ehemalige DEFA-Requisiteure und Szenenbildner erzählen, wie sie versuchten, das scheinbar Unmögliche möglich zu machen und den bösen Westen im Ostfilm glaubhaft zu präsentieren. Sie wühlten in den Müllcontainern der DDR-Devisenhotels, liehen sich stundenweise Möbel aus Interhotelsuiten, malten mit dem Pinsel westliche Hochglanzplakate in mühevoller Kleinarbeit nach und versuchten aus Pappe und Sperrholz ganze Konzernetagen nachzubauen.

Die Schauspielerinnen Jessica Rameik und Annekathrin Bürger erinnern sich gerne an Dreharbeiten, bei denen ihre "West-Phantasie" und ihre Westgarderobe besonders gefragt waren und Gunter Schoß denkt an die Zeit zurück, als er mit einem Porsche durch den östlichen "Filmwesten" fahren konnte. "Ich wollte endlich auch mal einen Actionfilm drehen, mit einem Porsche durch die Straßen rasen und herumballern", erinnert sich der Schauspieler, der als Stasi-Agent in der TV-Serie "Das unsichtbare Visier" Armin Mueller-Stahl beerbt. Mueller-Stahl, in zehn Folgen gefeierter MfS-Auslandsspion, hatte einen Ausreiseantrag in die BRD gestellt.

Film von André Meier
Erstausstrahlung 29.12.2013/MDR
 

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