Hitlers Triumpfbogen - Animation Quelle: rbb
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- Hitlers Triumphbogen

Ein verwitterter Betonzylinder, zwölftausend Tonnen schwer – versteckt am Rande einer Kleingartenkolonie in Berlin-Tempelhof. Testobjekt für ein größenwahnsinniges Bauprojekt aus der Zeit des Nationalsozialismus, das hier entstehen sollte: ein gigantischer Triumphbogen, von Hitler persönlich entworfen.

Er wäre mit 120 Metern mehr als doppelt so hoch gewesen, wie der Arc der Triomphe in Paris. Mit einem sogenannten Schwerbelastungskörper wollten die Ingenieure testen, ob der märkische Boden den Prunkbau überhaupt tragen würde. Durch Sichtschächte im Innern peilten sie Punkte in der Umgebung an. So konnten sie messen, wie stark der Betonklotz in den Untergrund einsank. Das größte Triumphtor der Welt - darunter ging es nicht in Hitlers Plänen für die "Welthauptstadt Germania". Wie die aussehen sollte, zeigt eine Ausstellung des Vereins "Berliner Unterwelten" im Modell.

Damit war Germania der Gegenentwurf zum lebendigen, quirligen Berlin der zwanziger und dreißiger Jahre. Hitler persönlich war die Stadt verhasst. Sie war die Hure Babylon für die Nazis, eine jüdische Stadt, ein Großstadtdschungel mit dem die Nazis nichts zu tun haben wollten. Berlin wäre zerstört und eine völlig andere Stadt geworden. Sie sollte zu einer wahren Hauptstadt des deutschen Reiches umgebaut werden.

Im Sommer 1938 verkündeten Hitler und Goebbels den Baubeginn für Germania. Als erstes ließen sie die sogenannte Ost-West-Achse zur Prachtallee ausbauen – vom heutigen Ernst-Reuter-Platz bis zum Brandenburger Tor. Dafür wird unter anderem die Siegessäule um fast zwei Kilometer versetzt, das Charlottenburger Tor verbreitert.

Germania hatte höchste Priorität – sogar im Krieg. Auch an der Nord-Süd-Achse wurde gearbeitet. Vorbereitungen für den Bau der großen Kuppelhalle und des Triumphbogens. Auf den Baustellen schuften vor allem Zwangs- und Fremdarbeiter. Doch es wird nicht nur aufgebaut: Mehr als 50.000 Wohnungen stehen den geplanten Prunkbauten im Weg und es wird begonnen sie abzureißen.

Mit dem Abriss der Wohnhäuser tausender Berliner für die größenwahnsinnigen Pläne hat sich die Wohnraumsituation in der Stadt verschärft. Diese Mieter brauchten aber neue Wohnungen. Eine direkte Folge davon war die Intensivierung der schnellen Wohnungsräumungen der als Juden verfolgten Berliner. Betrieben wurde dies durch die Generalbauinspektion Albert Speers, die für die Schaffung von Wohnraum die Deportationen Berliner Juden in die Vernichtungslager direkt mit forcierte.

Das Bauprojekt Germania wird 1943 vorerst eingestellt. Hitler glaubte bis zum Schluss, dass es nach dem "Endsieg" vollendet werde. In Tempelhof setzten die Ingenieure noch bis 1944 ihre Belastungstests für den Bau des Triumphbogens fort. Wohl auch, um dem drohenden Fronteinsatz zu entgehen. Erst 1948 – lange nach Kriegsende – werden die Versuchsreihen ausgewertet.

Ein Beitrag von Christoph Hölscher

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