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- Die Rückkehr der Schinkel-Möbel

Spannend wie ein Krimi: Es war im Jahr 2011, als die Stiftung Preußische Schlösser und Gärten eine Gruppe Sitzmöbel kaufte. Sie kostete Millionen. Der Architekt Karl Friedrich Schinkel hatte diese Möbel für das Schloss Glienicke kreiert - hieß es.

Inzwischen mehren sich die Zweifel. Woher stammen die Möbel wirklich? Welche abenteuerliche Reise haben sie hinter sich? Kunsthändler Frank Möller ist Schinkelspezialist. Seit Jahrzehnten sucht er in der ganzen Welt nach Werken des preußischen Baumeisters. Von einem Stuhl hat er nur einen Entwurf auf dem Schinkel selbst notiert hat: "Gold, Purpur. Großes Zimmer". Gold und Purpur: Die Farben der Mächtigen. Wer auf diesen Möbeln Platz nahm, gehörte im frühen 19. Jahrhundert zur preußischen Aristokratie.

Zufällig zeigt Möller einem befreundeten Kollegen diese Skizze. Der wird nervös und erklärt dem Kunstspezialisten, dass er am Vortag genau auf diesem Stuhl gesessen habe - bei einem Händler in Italien. Nach Wochen unruhigen Wartens kommt der Anruf und der englische Kollege präsentiert ihm nicht nur einen Schinkelschen Stuhl sondern gleich eine gesamte vergoldete Sitzgruppe.

Ein Jahrhundertfund. Frank Möller kauft die Möbel sofort mit geliehenem Geld. Doch wo kommen sie her? Für wen hat Schinkel die Möbel entworfen? Die Spuren führen ihn schließlich nach Schloss Glienicke. Schinkel baute es ab 1825 um. Die spektakuläre Entdeckung hat ihren Preis: 2010 kauft die Stiftung Preußischer Schlösser und Gärten dem Kunsthändler die Möbelgruppe für 1,5 Millionen Euro ab.

Doch nach dem Kauf kommen plötzlich Zweifel auf, ob die Sitzgruppe wirklich aus Glienicke stammt. Ein gibt einen Beweis. Ein Foto in einem alten Katalog verweist auf das Stadtpalais in der Berliner Wilhelmstraße. Auch das hatte Schinkel eingerichtet, allerdings für Friedrich von Preußen, den Bruder von Carl. Frisch restauriert stehen heute nun die Möbel im Schloss Glienicke. Auf jeden Fall im Sinne Schinkels: Gold. Purpur. Großes Zimmer. 

Beitrag von Andrea Schneider

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