Benjamin Raule bei Kerzenschein an einem Tisch, Quelle: rbb
rbb
Bild: rbb

- Kaperkapitän und Marineminister Benjamin Raule

Kaperkapitän, Reeder und Marineminister des Großen Kurfürsten war er. Unter seiner Führung versuchte sich Brandenburg Ende des 17. Jahrhunderts in die Reihe der Kolonialmächte einzureihen. Das Leben des Niederländers Benjamin Raule ist eng mit der kurbrandenburgischen Marine verknüpft.

Er diente Brandenburg 38 Jahre lang. Doch seine Karriere als General-Marinedirektor mit ungewöhnlichen Befugnissen endete unter dem Nachfolger des Großen Kurfürsten unrühmlich. Benjamin Raule fristete ein elendes Dasein, zornig über seine Degradierung und Verurteilung.

"Die Seefahrt ist die Seele aller Commerzien, sie verschafft vielen Menschen Arbeit und Brot", sagte Benjamin Raule in seinen Glanzzeiten. Er war ein außergewöhnlicher Mensch.

1675 stellte sich der Holländer Benjamin Raule in die Dienste des Brandenburger Kurfürsten Friedrich Wilhelm. Der Große Kurfürst wollte Brandenburg zu einer kolonialen Seemacht aufsteigen lassen. Möglich war dies, weil der Brandenburger Herrscher mit dem Herzogtum Preußen nach dem 30jährigen Krieg auch über große Teile der südlichen Ostseeküste verfügte. Benjamin Raule brachte als vormaliger Reeder nicht nur eigene Schiffe mit, sondern ging mit Billigung des Kurfürsten selbst auf Kaperfahrt.

 

Kurfürst Friedrich Wilhelm soll ihm einen "Kaperbrief" gegeben haben, vermuten Historiker, sozusagen die kurfürstliche Erlaubnis zur Piraterie. Auf der Ostsee kämpfte Raule für Brandenburg gegen die Schweden, erbeutete dabei einige Schiffe. Später ging es gegen Spanien. Bald gehörten zur kurbrandenburgischen Flotte 24 Schiffe. Benjamin Raule begeisterte seinen Landesherrn für den Überseehandel.

"Brandenburg war ein armes Land damals", sagt der Historiker Ulrich van der Heyden. "Nach dem 30jährigen Krieg war Brandenburg verwüstet, da war das ein Ausweg, Überseehandel zu betreiben, um die Wirtschaft wieder flott zu machen."

Raule ließ Werften bauen, unter anderem in Havelberg. Hier entstanden hochseefähige Schiffe. 1681 gründete Raule die Kurbrandenburgische Afrikanische Gesellschaft - eine Handelskompagnie. Ein Jahr später machten sich die ersten Schiffe auf den Weg zur Küste des heutigen Ghana. Dort errichteten die Brandenburger die Kolonie Groß Friedrichsburg - und stiegen in den Sklavenhandel ein: Über 20 000 Menschen wurden von hier, eingepfercht in die Schiffe, in die Karibik geschafft. Viele überlebten die katastrophalen Bedingungen nicht.

1688 starb der Große Kurfürst und mit ihm Raules Gönner. Raule wurde wegen seiner undurchsichtigen Geschäftspraktiken angeklagt, verlor all seine Güter, wie das Schloss Friedrichsfelde im heutigen Tierpark Berlin. Er kam ins Gefängnis. Dreieinhalb Jahre schmachtete er in der Zitadelle Spandau. Das koloniale Abenteuer war mit ihm am Ende.
Auf einem lecken Schiff in Emden dämmerte er seinem Lebensende entgegen, völlig verarmt starb er 1707 in Hamburg.

Ein Beitrag von Fred Pilarksi und Diana Procop

weitere Themen der Sendung

Seile an einem Schiff, Quelle: rbb
rbb

Die Minifregatte vom Wannsee

Sie sieht aus wie eine Fregatte und hat auch die dazugehörigen Kanonen an Bord - aber sie segelt auf dem Wannsee und anderen Havelseen. Der Miniaturnachbau einer englischen Fregatte der Royal Navy hat eine bewegte Geschichte.

Brandenburger Tor mit zwei Schiffen davor, Quelle: rbb
rbb

Echt ma jetze!

Brandenburg als Seemacht – naja ein bisschen. Zumindest gibt es die eine oder andere Geschichte, die das Landrattenland mit dem Meer verbindet. Echt ma jetze!

Leuchtturm hinter einer Düne, Quelle: rbb
rbb

Der Leuchtturmkönig aus Fürstenwalde

Vom Klempnermeister zum Großunternehmer - Julius Pintsch baute 1847 den ersten verlässlichen Gaszähler. Kurze Zeit später beleuchtete er Eisenbahnwaggons und Leuchttürme.

Bunker, Quelle: rbb
rbb

Der Marinebunker Koralle

Im märkischen Wald bei Lobetal verrottet ein Bunker. Von hier kamen von 1943 bis 1945 die tödlichen Befehle für Hitlerdeutschlands Marine. 

Havelberg, Quelle: Fred Pilarski
Fred Pilarski

Der Moderationsort Havelberg

Das kleine Städtchen Havelberg liegt zwar heute in Sachsen-Anhalt, hat aber für die Geschichte Brandenburgs eine große Bedeutung. Seit dem 16. Jahrhundert ist Havelberg Teil des Kurfürstentums Brandenburg.