Leuchtturm hinter einer Düne, Quelle: rbb
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- Der Leuchtturmkönig aus Fürstenwalde

Vom Klempnermeister zum Großunternehmer - Julius Pintsch baute 1847 den ersten verlässlichen Gaszähler. Kurze Zeit später beleuchtete er Eisenbahnwaggons und Leuchttürme.

Julius Carl Friedrich Pintsch wurde 1815 in Berlin geboren. Als junger Klempnermeister tüftelte er an einem Gaszähler und baute als erster einen, der wirklich verlässlich funktionierte. Damit wurde er ein erfolgreicher Unternehmer. Seine erste große Produktionsstätte entstand in der Andreasstraße, gleich hinter dem heutigen Ostbahnhof. Der Fabrikanten-Name ist dort heute noch zu lesen.

Aufstieg zum Millionär

Doch Julius Pintsch tüftelte weiter und revolutionierte die Eisenbahntechnik. Er erfand ein spezielles Beleuchtungssystem. Bis zu diesem Zeitpunkt wurden die Waggons noch mit Kerzen beleuchtet. Nun erstrahlten sie im Gaslaternenlicht. Dafür hatte Pintsch ein spezielles Gasgemisch entwickelt. Das Fettgas brannte besonders hell und länger. Diese Erfindung machte ihn zum Multimillionär. Doch die Produktion der Gaslaternen fand ein jähes Ende als 1924 ein Zug verunglückte und 15 Menschen durch das Feuer in den Gastanks an Bord starben.

Eisenbahnunfall von Bellinzona 1924, Quelle: unbekannt
Bild: unbekannt

Aber das Unglück hielt das Wachstum des Pintsch-Unternehmens nicht auf. Ein weiterer großer Produktionszweig wurde ab 1877 der Bau von Bojen, die mit Gaslicht beleuchtet wurden.

An den Küsten und Wasserstraßen aller Weltmeere leuchteten im Verlauf der Jahrzehnte Pintsch-Bojen – von Alaska bis zum Suezkanal, von Feuerland bis nach Namibia. Im Suezkanal sicherten 105 dieser Wegweiser die Durchfahrt in der Nacht. Außerdem wurden Leuchttürme mit den Gaslaternen ausgestattet. Ein berühmtes Beispiel dafür ist der Leuchtturm von Warnemünde.

Aufschrift Julius Pintsch an Häuserwand, nahe Ostbahnhof, Quelle: rbb
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Fürstenwalde wächst

Julius Pintsch brachte die Produktion von Leuchtfeuern und Bojen 1872 nach Fürstenwalde. Die Stadt war nicht weit entfernt vom Berliner Stammsitz, bot den nötigen Platz und eine gute Anbindung an die Wasserwege. Die Bevölkerung der Stadt wuchs durch die Pintsch-Werke als größter Arbeitgeber bis 1900 um das Doppelte, von 8000 auf 16000 Einwohner!

Die Leuchtsignale funktionierten auch unter schwierigen Wetterbedingungen. Die Technologie ist noch heute im Museum Fürstenwalde zu bestaunen: Pintsch verwendete für die Seezeichen wiederum das Fettgas. Und zwar in einem Mechanismus, der gegen Seebewegungen unempfindlich war. So mussten die im Meeresboden verankerten Bojen nur alle paar Monate wieder mit Brennstoff betankt werden. 

"Die landnahe Seefahrt bei Nacht war vor den Erfindungen der Firma Pintsch, eigentlich fast nicht möglich, jedenfalls nicht, ohne Gefahr zu laufen, irgendwo auf Grund zu gehen. Es war also technisch möglich, ein permanentes, zuverlässiges Licht auf die See zu bringen und damit die Seefahrt sicherer zu machen", weiß Guido Strohfeldt, Leiter des Museums Fürstenwalde.

Der Leuchtturmfabrikant Julius Pintsch Montage: rbb/Pilarski
Der Leuchtturmfabrikant Julius Pintsch Montage: rbb/Pilarski | Bild:

Was ist Fettgas?

Fettgas wird aus Fettabfällen oder Rückständen der Erdölverarbeitung gewonnen. Eine andere Bezeichnung ist auch Ölgas. Durch Spaltung bei höheren Temperaturen und bei Luftabschluss wird es aus Petroleumrückständen, Teerölen und Paraffinöl hergestellt. Historische Berichte sprechen davon, dass ca 350 000 Eisenbahnwagen im Jahr 1919 Lampen an Bord hatten, die mit Fettgas betrieben wurden.

Ein Leuchtsystem schreibt Geschichte

Das System überdauerte mehr als ein Jahrhundert, erst in den letzten Jahren wurden die meisten Seezeichen auf LED-Betrieb umgestellt. Seine Erfindung machte aus dem kleinen Berliner Gasmonteur Julius Pintsch einen Großindustriellen.

Mit dem Leuchtturm im Fürstenwalder Museumshof haben die Pintsch-Freunde diesem Teil der Fürstenwalder Industriegeschichte 2007 ein Denkmal gesetzt. Jahrzehntelang beleuchtete er südlich von Hiddensee die westliche Einfahrt in Stralsund.

Ein weiterer Leuchtturm stand mitten in Fürstenwalde als Versuchsturm. Ab den 1930er Jahren diente er als Leuchtfeuer für den Flughafen Tempelhof. Seit 1957 stand er leer und heute existiert nur noch der Sockel.

Wie funktioniert eine Gaslampe?

Funktion Gaslampe, Quelle: rbb
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Von Anfang an hatte die Fürstenwalder Produktion noch eine andere Seite: Seeminen und Torpedos für die kaiserliche Marine verließen das Werk. Bis 1945 fungierte die Pintsch-AG auch als Rüstungsunternehmen. Die Sowjets zerschlugen den Betrieb.

Ein Beitrag von Michael Lietz

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