Bunker, Quelle: rbb
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- Der Marinebunker Koralle

Im märkischen Wald bei Lobetal verrottet ein Bunker. Von hier kamen von 1943 bis 1945 die tödlichen Befehle für Hitlerdeutschlands Marine. 

Seit 1939 hat die NS-Marine bei Bernau eine riesige Funkanlage errichtet. Dazu gehörten zahlreiche Baracken und Bunker, die über- und unterirdisch gebaut wurden. Es war eine Infrastruktur für 1500 Menschen. Der Deckname lautete: "Koralle".

Während des Zweiten Weltkrieges lauschten hier Marinesoldaten in den Äther, protokollierten Morsebotschaften von Kriegsschiffen und kurz aufgetauchten U-Booten. Es soll die einzige Anlage gewesen sein, die aus allen Weltmeeren die Funksignale der U-Boote aufnehmen konnte.

Bis Mitte 1943 versenkten deutsche U-Boote über 3.000 Schiffe, darunter zahllose zivile Frachter. Dann wendete sich das Blatt. Im November 1943 bombardierten die Alliierten Berlin. Dabei wurde die Kommandozentrale der U-Boote am Landwehrkanal zerstört. Aus diesem Grund zog die gesamte Seekriegsführung in den Waldbunker Koralle, der bis dahin nur eine Funkstation war.

Ende 1944 wurde die Stimmung in der hermetisch abgeriegelten Koralle immer gespenstischer. Der Seekrieg war faktisch verloren. Trotzdem beorderte Großadmiral Karl Dönitz U-Bootkommandanten auf den weiten Weg nach Lobetal, um sie persönlich auf den Endkampf einzuschwören. Ein Zeitzeuge erinnert sich: "Legionen weißbejackter Offiziere. Die dekorierten Tische, das feine Leinen, das erlesene Porzellan, das ausgesuchte Silberbesteck – all das schien übertrieben vornehm." Nur wenige Wochen später stehen sowjetischen Truppen vor der "Koralle". Dönitz und sein Stab waren nach Flensburg geflohen, die Anlage von den Deutschen bereits weitgehend gesprengt worden.

Erst Anfang der 1990er Jahre wurde man wieder auf den Ort aufmerksam. Eine geheimnisvolle, morbide Aura hat die Anlage bis heute. Die Rote Armee nutzte bis 1992 Teile des Areals. Nach ihrem Abzug entwickelten sich die Bunker zeitweise zum Abenteuerspielplatz.

Ein Beitrag von Heiko Kreft

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