Buch: Anders Reisen Berlin (Quelle: rbb)
rbb
Bild: rbb

- Berlin für Alternative

1978 wurde in Westberlin die Zitty geboren - als alternatives Stadtmagazin. Mit ihr veränderte sich der Blick auf die Stadt, und das hatte auch Auswirkungen auf die Reiseführer-Landschaft.  

Bis dahin war der Baedeker die Referenz für Reisende gewesen, mit kulturhistorischen Betrachtungen und Listen mit Sehenswürdigkeiten, die der beflissene Reisende abgearbeitet haben musste. Nun aber kam die alternative Szene, und die Zitty-Redaktion brachte 1980 zum ersten Mal einen Berlin-Band in der rororo-Reihe "Anders reisen" heraus, 1986 folgte die zweite Ausgabe.

"Die ganze Wahrheit über die Metropole hinter der Mauer" versprach der neue Führer (gemeint war Westberlin), "das Drama Berlin, packend, spannend, fesselnd". Im Adressenverzeichnis finden sich die Stichwörter "Kriegsdienstverweigerung bis Mitfahrzentralen", und ab Seite 238 das Kapitel "Ost-Berlin - eine Annäherung". Denn auch die Hauptstadt der DDR war Reiseführern immer ein - wenn auch meist hinten angehängtes - Kapitel wert. Darin finden sich in der 1986er Ausgabe dann Abschnitte wie "rund um den Telespargel" oder "Erlebnisbereich Ost-Berliner Gaststätte". Der Blick auf Ostberlin: neugierig bis sarkastisch.

Wie über Ostberlin berichtet wurde sehen Sie in dem folgenden kleinen Beitrag vom 8.9.1983:

Berlin - keine Stadt wie jede andere: Impressionen aus Ostberlin

Berliner Dom, Fernsehturm, Palast der Republik (Quelle: rbb))
rbb

 

Der Blick auf Ostberlin

Auch in Stefan Looses "Berlin - ein Handbuch" von 1981 zeigt sich eine neue Sicht auf beide Teile der Stadt. Westberlin wird darin beschrieben als "alte Dame, die sich noch mal richtig schminkt und aufdonnert, bevor es zu spät ist" und die Reise in den Ostteil der Stadt empfohlen "insbesondere für phlegmatische Westberliner", die dann sogleich ein deutsch-deutsches Wörterbuch an die Hand bekommen.

Mit dem Baedeker konnte man in den 80er Jahren immer noch reisen, aber ein neues Gefühl für die geteilte Stadt, das vermittelten nur die Alternativführer. Doch auch wenn sie mit dem Anspruch starteten, konsumkritisch, alternativ und anders zu sein, am Ende setzt sich doch der Zeitgeist durch, werden Geheimtipps zu banalen Touristenattraktionen. Das "andere" Berlin, es ist eben auch ein Verkaufsschlager.

Ein Beitrag von Julia Baumgärtel.

weitere Themen der Sendung

Hand hält Reiseführer (Quelle: rbb)
rbb

Berliner liebten ihren "Grieben"

Das Jahr 1900 bringt den Durchbruch im Tourismus, denn Reiseführer machen neugierig auf Ausflugsziele. Und der Ausbau des Eisenbahnnetzes sorgt für einen regelrechten Reise-Boom. Zwischen 1840 und 1910 wuchs die Streckenlänge in Deutschland von 500 Kilometer auf 63 000 Kilometer an.

Ruinen Berlin (Quelle: rbb)
rbb

Ruinentourismus anno 1945

Kurz nach Ende des 2. Weltkriegs, als die Berliner inmitten von Trümmern ums nackte Überleben kämpften, beobachten amerikanische GIs deren Alltag. Eine morbide Faszination von Elend und Zerstörung.

Der ehemalige Reiseleiter Wolfgang Klare, heute 62 Jahre alt. (Quelle: von Gaertringen))
von Gaertringen

Das ABC des DDR-Reiseleiters

In der DDR nannten sich die Reiseführer "Stadtbilderklärer" oder "Reiseleiter". Das Wort Führer war tabu, es galt als Unwort. Die Reiseleiter hatten die Aufgabe, die Vorzüge des Landes zu anzupreisen, sowohl in sozialer Hinsicht als auch restaurierte Bauwerke und Denkmäler.

 

Dunkle Ecken und Winkel (Quelle: rbb)
rbb

Die etwas anderen Reiseführer

Seitdem es Reiseliteratur gibt, existieren auch  recht seltsame Exemplare, die zu leicht anrüchigen oder aber auch mystischen Orten führen wollten.  Dunkle Ecken und Winkel, Gefängniszellen oder Schlaf- und Todesorte von Revoluzzern - all das wollten und wollen Menschen sehen, wenn es ihnen angeboten wird.

Reiseschriftsteller Friedrich Nicolai, nachgestellt (Quelle: rbb)
rbb

Der Reiseschriftsteller Friedrich Nicolai

Hundert Jahre bevor sich Theodor Fontane zu seinen berühmten Wanderungen durch die Mark Brandenburg aufmachte, war er schon beschreibend und kommentierend unterwegs: Friedrich Nicolai, seinerzeit bedeutender Verleger und "Literaturpapst".

Quelle: rbb
rbb

Das erste Reisebüro

Carl Stangen träumte schon als Junge von der Entdeckung fremder Welten. Er verschlingt die Schriften von Alexander von Humboldt und schreibt selber bereits Reisenovellen. Ab 1860 wagt er sich als einer der ersten in Gegenden, wo es bis dahin fast keinen Fremdenverkehr gab.