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- Das erste Reisebüro

Carl Stangen träumte schon als Junge von der Entdeckung fremder Welten. Er verschlingt die Schriften von Alexander von Humboldt und schreibt selber bereits Reisenovellen. Ab 1860 wagt er sich als einer der ersten in Gegenden, wo es bis dahin fast keinen Fremdenverkehr gab.

Seine ersten Reisen führten ihn nach Palästina und Ägypten. Dort kannte er sich bald gut aus. Dann erkundete Carl Stangen Syrien und brachte es  später den Deutschen näher. Die polnische Germanistin Alina Dittmann hat sich auf die Spuren des fast vergessenen Tourismus-Pioniers begeben.

Für den gelernten Postbeamten ist das Reisen zunächst Privatvergnügen. Auf Drängen seines Bruders, eines Breslauer Reiseagenten, steigt er 1867 in die neue Branche ein und gründete in Berlin das erste deutsche Reisebüro. Der 34jährige firmierte erst in der Mohren-, dann in der Friedrichstraße. Die Hausnummer 72 wurde zur ersten Adresse für alle mit Fernweh und Geld. Er bot Individualreisen und Gesellschaftsreisen an oder für die weniger Betuchten auch Sonderfahrten.

Der Name "Stangen" wurde zum Begriff – vor allem für Orientreisen. Der umtriebige Unternehmer erschloss aber auch immer neue Ziele, zum Beispiel von Norwegen aus hinter den Polarkreis. Eine Weltreise ließ sich bei ihm für durchschnittlich 10.000 Reichsmark buchen.

Stangen war erfolgreich, denn er arbeitete ausgesprochen kundenorientiert: Individuelle Routenplanung, vorab gebuchte Kameltreiber, gepflegte Unterkünfte. Sein Unternehmen bot bereits einen Rund-um-Service. Was man heute "All Inclusive" nennt, hatte der Reiseliebhaber bereits mit Hotelgutscheinen und einem Couponheft praktiziert. Dieses Prinzip entwickelte er mit Perfektion.

Ein Beitrag von Andrea Schneider.

weitere Themen der Sendung

Hand hält Reiseführer (Quelle: rbb)
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Berliner liebten ihren "Grieben"

Das Jahr 1900 bringt den Durchbruch im Tourismus, denn Reiseführer machen neugierig auf Ausflugsziele. Und der Ausbau des Eisenbahnnetzes sorgt für einen regelrechten Reise-Boom. Zwischen 1840 und 1910 wuchs die Streckenlänge in Deutschland von 500 Kilometer auf 63 000 Kilometer an.

Ruinen Berlin (Quelle: rbb)
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Ruinentourismus anno 1945

Kurz nach Ende des 2. Weltkriegs, als die Berliner inmitten von Trümmern ums nackte Überleben kämpften, beobachten amerikanische GIs deren Alltag. Eine morbide Faszination von Elend und Zerstörung.

Der ehemalige Reiseleiter Wolfgang Klare, heute 62 Jahre alt. (Quelle: von Gaertringen))
von Gaertringen

Das ABC des DDR-Reiseleiters

In der DDR nannten sich die Reiseführer "Stadtbilderklärer" oder "Reiseleiter". Das Wort Führer war tabu, es galt als Unwort. Die Reiseleiter hatten die Aufgabe, die Vorzüge des Landes zu anzupreisen, sowohl in sozialer Hinsicht als auch restaurierte Bauwerke und Denkmäler.

 

Dunkle Ecken und Winkel (Quelle: rbb)
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Die etwas anderen Reiseführer

Seitdem es Reiseliteratur gibt, existieren auch  recht seltsame Exemplare, die zu leicht anrüchigen oder aber auch mystischen Orten führen wollten.  Dunkle Ecken und Winkel, Gefängniszellen oder Schlaf- und Todesorte von Revoluzzern - all das wollten und wollen Menschen sehen, wenn es ihnen angeboten wird.

Buch: Anders Reisen Berlin (Quelle: rbb)
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Berlin für Alternative

1978 wurde in Westberlin die Zitty geboren - als alternatives Stadtmagazin. Mit ihr veränderte sich der Blick auf die Stadt, und das hatte auch Auswirkungen auf die Reiseführer-Landschaft.  

Reiseschriftsteller Friedrich Nicolai, nachgestellt (Quelle: rbb)
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Der Reiseschriftsteller Friedrich Nicolai

Hundert Jahre bevor sich Theodor Fontane zu seinen berühmten Wanderungen durch die Mark Brandenburg aufmachte, war er schon beschreibend und kommentierend unterwegs: Friedrich Nicolai, seinerzeit bedeutender Verleger und "Literaturpapst".