Moderator Urs Rechn auf dem Gendarmenmarkt, Quelle: rbb
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Interview mit Urs Rechn - "Überall sah ich Sylvester Stallone!"

Schauspieler Urs Rechn ist Moderator der neuen Sendung "Erlebnis Geschichte" im rbb Fernsehen. Im Interview erzählt er, was ihn an der Sendung reizt und wie er 2016 den Oscar-Gewinn für den Film "Saul fia" gefeiert hat, in dem er eine Hauptrolle spielte.

Sie haben in "Tatort" und "Polizeiruf" mitgespielt, sind in einem oscarprämierten Film aufgetreten. Ist die Moderation von "Erlebnis Geschichte" im rbb Fernsehen der nächste logische Karriereschritt?

Absolut. Ich habe mich schon lange gefragt, warum der rbb nicht auf mich zukommt (lacht). Nein. Spaß beiseite. Das war sehr unvorbereitet, als die Anfrage der Studioleitungen Cottbus und Frankfurt (Oder) kam, ob ich mir vorstellen könnte, eine neue Sendung zu moderieren. Grundsätzlich konnte ich mir das von Anfang an vorstellen. Als ich mich dann näher mit den Überlegungen zum neuen Format beschäftigte, war klar, dass ich das mache.

War Ihnen wichtig, an der Entwicklung der Moderation für die neue Sendung mitfeilen zu dürfen?

Ja. Wir sind da auf einem guten Weg. Ich bin kein Moderator und möchte das auch in Zukunft in der Form nicht sein. Ich bin Schauspieler und befasse mich mit Theater und Regie und allem, was dazugehört. Wenn ich aber die Freiheit bekomme, Geschichten, die mich interessieren, auf meine Art zu präsentieren, dann freue ich mich sehr, so was machen zu können.

Erleben die Zuschauer draußen auch den Menschen Urs Rechn oder schlüpfen Sie in eine Schauspielrolle?

Nein, ich schlüpfe in keine Rolle. Mir ging es eben darum, dass die Leute mich, den neugierigen, echten Menschen kennenlernen.

Was reizt Sie an "Erlebnis Geschichte"?

Die Geschichten über Geschichte. Das ist alles etwas abstrakt, aber das sind die Sachen, die mich interessieren.

Etwas genauer. "Erlebnis Geschichte". Was erwartet uns? Geht es um die Historie oder erzählen Sie uns Geschichten?

Beides. Uns geht es nicht um die große Weltgeschichte. Wir haben für jede Sendung ein Motto, zu dem passend in verschiedenen Beiträgen und meiner Moderation die unterschiedlichsten Geschichten erzählt werden. Auch der Moderationsort muss etwas mit dem Motto zu tun haben. Es ist keine Geschichtssendung wie "History" im ZDF. Es hat etwas mit unserer Vergangenheit zu tun. Alles mit regionalem Bezug. Es geht darum, etwas zu entdecken und darüber etwas zu erzählen und das für den Zuschauer erlebbar zu machen.

Ist das Dasein als Moderator einer Fernsehsendung für Sie jetzt auch zum ersten Mal erlebbar?

Im Theater habe ich schon einige Sachen moderiert. Festivals, Silvester-Events und dergleichen. Aber das war immer angebunden an Dinge, an denen ich als Schauspieler mitgearbeitet habe. Ich bin kein "klassischer" Moderator, habe noch nie eine Fernsehsendung moderiert, insofern ist diese Aufgabe neu für mich. Es ist schon eine große Herausforderung, die mich aber reizt, weil gute, kreative und erfahrene Redaktionen in Cottbus und Frankfurt hinter mir stehen und es geht um etwas, was mich interessiert.

Sie sind gebürtiger Hallenser. Also aus Mitteldeutschland. Welchen Bezug haben Sie zu Berlin und Brandenburg?

Ich habe viele Jahre meiner Jugend in Cottbus verbracht. Da bin ich in die Pubertät gekommen. Da bin ich das erste Mal mit Theater in Berührung gekommen. Da habe ich Abitur gemacht. Im Augenblick wohne ich in Berlin. Also Brandenburg und Berlin, das ist für mich Heimat. Berlin hat mir schnell gefallen. Hier vermischt sich sowieso alles, aber trotzdem gibt es so eine kühle Lässigkeit.

Passt das ein bisschen auch zu Ihrem Charakter?

Also lässig schon. Kühl eher nicht. Da kenne ich andere. Aber noch mal zur Stadt. Um das auf den Punkt zu bringen: Hier in Berlin gibt es einfach nicht so viel Chi-Chi wie in Hamburg oder München.

Urs Rechn im Schloss Glienicke Quelle: rbb
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Sie sind eng verwurzelt mit Brandenburg und Berlin, moderieren aber erstmals eine Sendung für den rbb. Haben Sie trotzdem Bindung zum rbb bzw. damals SFB und ORB?

Klar, damit bin ich groß geworden. Mein Vater hat damals DT64 gehört. Daraus wurde ja später im Grunde Fritz. Genauso haben mich immer die Sender mit Regionalbezug interessiert. Das war am Anfang ORB und dann rbb. SFB war für mich eher ein kleines Fenster in den Westen. Da hatten wir auch Freunde. Auch zu DDR-Zeiten. Direkten Kontakt zu Leuten vom rbb gab es aber erst jetzt. Die Zusammenarbeit wäre aber, glaube ich, auch ohne den Oscar passiert, weil die Studios in Frankfurt (Oder) und Cottbus für regionale Größen sehr offen sind.

Bei Ihnen kommt beides zusammen. Schauspieler in einem oscarprämierten Film und regionale Größe in einer Person.

Cool, 'ne? Wann hat man so was schon mal (lacht)?

Stichwort Oscar. Viele Geschichten und Mythen ranken sich um die Auszeichnung. Jetzt haben Sie die Möglichkeit, uns alle aufzuklären. Wie läuft es wirklich?

Es ist einfach zu viel an so einem Abend. Vor allem, wenn man einen Oscar gewonnen hat und dann mit dem Ding rumrennt. Das ist Wahnsinn. Ich war mit dem Regisseur und dem Produzenten den ganzen Abend zusammen. Der Regisseur war auf irgendeiner Wolke und hat nicht mehr viel mitbekommen. Zwischendurch hat er immer den Oscar angeguckt und dann aber immer wieder stehen gelassen und war dann weg. Dann habe ich gesagt: O. K., ich pass drauf auf. Sobald man so ein Ding in der Hand hat, gehen alle Türen auf. Jeder bietet dir etwas an. Alle gratulieren dir. Danach wirst du immer als Oscargewinner vorgestellt. Egal auf welcher Party. Dir wird alles hinterher geschoben. Du bekommst Limousinen, die du gar nicht bestellt hast. Auch die Woche danach war irre. Ich bin in so ziemlich jedes Studio gekommen. Die Anerkennung kriegst du aus jedem Mund. An diesem Abend haben sich auch Kontakte aufgetan, die bis heute halten.

Wie müssen wir uns die Oscar-Nacht selbst vorstellen?

Das ist dekadent. Alles, was man sich vorstellt, passiert dort. Alles irgendwie mit Stil. Das wirklich Schmuddelige habe ich nicht mitbekommen. Ich habe den schönsten kalifornischen Wein an diesem Tag genossen. Ich bin auch bei Wein geblieben und habe zwischendurch viel Wasser getrunken, weil ich so geschwitzt habe und so aufgeregt war. Teilweise kommt es dir so vor, dass die Promis der Welt denselben Weg gehen wie du. Da gehst du zur Elton-John-Party zu Madonna und überall siehst du dieselben Leute. Sylvester Stallone usw. Man verkehrt dort in einem materiellen Reichtum, der schwer zu fassen ist. So viele Brillanten an Männerhänden habe ich in meinem Leben noch nie gesehen.

Beitrag von Tobias Potratz, Presse und Information