Parkourläufer vor der Tokio-Skyline; Quelle: Ingo Aurich
Tokio-Skyline mit Parkourläufer

Reisetagebuch Etappe 10, Teil 2 - Kyoto - Tokio (31.03-11.04.13)

Wir erleben Sakura - die japanische Kirschblüte und reden mit Fukushima-Betroffenen. Am Ende werden wir mit dem Anblick des legendären japanischen Vulkans belohnt, dem Fuji-san.

Auf der Suche nach der wahren Kirschblüte ; Quelle: Ingo Aurich
Auf der Suche nach der wahren Kirschblüte
Sonntag, den 31. März 2013 - Nach einem Bad im Onzen, den hiesigen Whirlpoolersatz, geht es aufgewärmt in Richtung Kyoto. Mit viel Zeit, denn heute wollen wir die Kirschblüte in ihrer ganzen Pracht ins Bild bringen. Hierzu fahren wir an der Westküste entlang, einen Teil Japans, der völlig ohne Hochhäuser auskommt. Idyllische Fischerdörfer, schöne Täler, die zum Meer führen und überall die weiß-rosa Blüten der Sakura.
Auf unserem Weg kehren wir bei einem der berühmtesten Japan-Nudel-Restaurants ein.
Leider können wir die Exquisität der kalten Nudeln nicht ganz so schätzen. Aber unsere japanischen Reisekollegen beteuern, dass es die besten kalten Nudeln Japans sind...
Sakura in Kyoto; Quelle: Ingo Aurich
Sakura in Kyoto
Montag, den 01. April 2013 - Angekommen in Kyoto haben wir heute frei und verbringen den Tag in der wunderschönen und umtriebigen Kaisermetropole.
Kyoto-City; Quelle: Ingo Aurich
Kyoto-City
Dienstag, den 02. April 2013 - Früh morgens um 6 Uhr geht der Dreh am Kloster „Heian-jingū“ Schrein los. Hier können wir die wundervollen Gartenanlagen dokumentieren, die sich Schlag 8 Uhr mit hunderten Touristen füllen. Um 11 Uhr treffen wir uns dann mit einer jungen Gang von Rikscha-Fahrern, die teils hauptberuflich, teils zur Finanzierung des Studiums Touristen und Einheimische durch die Gassen Kyotos fahren. Hierbei erzählen sie uns von der Geschichte und den Sagen aus dem alten Kaiserreich.
Rikschafahrer in Kyoto; Quelle: Ingo Aurich
Rikschafahrer in Kyoto
Kyoto erweißt sich für uns als schwieriges Pflaster zum Drehen. Hier muss jeder einzelne Standpunkt des Stativs polizeilich abgesegnet sein, kurzer Hand beschließen wir daher uns die Drehgenehmigung für einen Touristendampfer geben zu lassen, damit wir nur diese eine Stelle am Bug des Schiffes genehmigen lassen müssen und damit verschiedenste schöne Ansichten der Stadt drehen können. Am Abend geht es noch weiter nach Seki, einer kleinen Stadt etwa 250 km von Kyoto entfernt.
Kostbares Schwert aus der Samuraischwert-Schmiede in Seki; Quelle: Ingo Aurich
Kostbares Schwert aus der Samuraischwert-Schmiede in Seki
Mittwoch, den 03. April 2013 - Im „Solingen“ Japans, historisch bekannt für seine „Katana“ (Samuraischwerter) und seit dem 2. Weltkrieg für seine Küchenmesser, treffen wir auf einen echten Schwertschmied.
Der Meisterschmied zeigt uns das Verfahren in dem zuerst das Eisen in verschiedenen Ebenen mit alternierenden Dichten des Metalls geschichtet wird und dann, wie vom Damast bekannt, gefaltet und gewalkt wird. Allein an diesem Vorgang sitzt der Schmied für ein Schwert 120 Stunden. Erst dann wird es in Form gebracht. Danach geht es dann zum Schleifer, zum Scheidenmacher und zum Griff-Flechter. Eine Prozedur, die für ein Meisterschwert Kosten ab 100.000 € aufwärts verursachen lässt. Er zeigt uns sein nächstes großes Vorhaben. Ein Amerikaner hat ihm einen 8 Kilogramm schweren Meteoriten zukommen lassen. Er soll ihm nun ein „Sternenschwert“ daraus schmieden. Der Preis dafür wird wahrscheinlich auch „astronomisch“ hoch sein.
2325 Wir haben wieder einmal ein faszinierendes Handwerk kennen gelernt und bedanken uns für den tollen Tag!; Quelle: Ingo Aurich
Wir haben wieder einmal ein faszinierendes Handwerk kennen gelernt und bedanken uns für den tollen Tag!
Die zwei Söhne des Schmieds gehen ihm zur Hand und lernen seit Kindertagen das ehrwürdige Handwerk. „Bis du erstmal den Blasebalg für das Feuer richtig bedienst, vergehen schon 3 bis 5 Jahre...“ Also ein Ausbildungsberuf, der den westlichen Karrierevorstellungen nicht ganz entspricht.

Abends kaufen wir uns noch „handelsüblichere“ Küchenmesser zu irdischen Preisen im Ort. Hierbei werden wir auf Grund unserer fremden Nummernschilder von 3 Polizeiautos umkreist und verhört. Die Situation ist schnell geklärt und die Polizei im verschlafenen Seki hat eine Geschichte, die sie noch über Generationen weitererzählen kann.
Kormoran-Fischer aus Seki; Quelle: Ingo Aurich
Kormoran-Fischer aus Seki
Donnerstag, den 04. April 2013 - Auf dem Weg Richtung Tokio machen wir Halt bei einem Kormoran-Fischer. Dieser „Wasserfalkner“ hat eine Zucht von einem Dutzend Kormoranen, die an ein Geschirr gespannt von seinem Boot aus auf Fischfang gehen. Da aber zurzeit Schonzeit für die Fische ist, begleiten wir ihn nur bei der Ausbildung der neuen Kormoran Generation. Diese sind zunächst noch etwas Kamerascheu, zeigen uns dann aber, was sie bei Ihrem Meister gelernt haben.
Er lebt in einem wunderschönen historischen Fischerhaus mit einem über hundert Jahre alten Steingarten-Atrium. Ein Platz, an dem wir noch gerne länger verweilt hätten. Aber der Weg ruft uns weiter nach Tokio.
On the road to Tokyo: 35000 Kilometer und etwa 1000 Stunden hinter dem Lenkrad liegen hinter uns; Quelle: Ingo Aurich
On the road to Tokyo: 35000 Kilometer und etwa 1000 Stunden hinter dem Lenkrad liegen hinter uns!
Freitag, den 5. April 2013 - Heute ist reiner Fahrtag. Wir müssen etwas Strecke schaffen, Bilder für die Einfahrt nach Tokio drehen und nach einem geeigneten „Asian Highway No. 1“-Schild am Wegesrand suchen.
„FC Tokio“ gegen die „Mächtigen Eichhörnchen“, Mighty Squirrels aus Saitama im Tokioer Stadion; Quelle: Ingo Aurich
„FC Tokio“ gegen die „Mächtigen Eichhörnchen“, Mighty Squirrels aus Saitama im Tokioer Stadion
Samstag, den 6. April 2013 - Auf unserem Programm steht heute der Besuch des Fußball Derbys „FC Tokio“ gegen die „Mächtigen Eichhörnchen“, Mighty Squirrels, aus Saitama. Ein Spiel in der J-League auf besserem Zweitliga-Niveau. Stimmungsmäßig ist das Spiel aber eher in der Champion-League anzuordnen. Heiser und mit einigen japanischen Schlachtrufen mehr im Gepäck geht es weiter nach Tokio.
Eines der letzten Protestcamps der Fukushimaopfer in Tokio
Sonntag, den 7. April 2013 - In einem Vorort Tokios treffen wir auf eine 68-jährige „Entwurzelte“; eine ehemalige Bewohnerin eines Dorfes 2 km von Fukoshima entfernt.
Wir treffen sie in einem Park, der im ersten Jahr nach der Flucht Ihr Zuhause war. Hier lebte sie mit Ihrem Mann zusammen in Ihrem Auto. Doch sie hatte Glück und konnte sich eine neue Existenz aufbauen und wohnt jetzt in einem Apartmenthaus. Dort will sie aber nicht mit uns drehen. Die jetzige Aktivistin sagt uns, dass die japanische Presse sie schon des Öfteren als „neureiche Gewinnerin“ demontieren wollte. Sie selbst sieht in ihrem „Glück“ die Bürde, jetzt die Möglichkeiten zu haben, für die anderen Opfer zu kämpfen.
Fukushima-Opfer; Quelle: Ingo Aurich
Fukushima-Opfer
Montag, den 8. April 2013 - Die Aktivistin nimmt uns am folgenden Tag mit in die Stadt zu dem letzten „Aktivisten“- Camp, welches noch nicht von der Regierung geräumt wurde. „Der Staat versucht mit allen Mitteln das Thema der nuklearen Verseuchung unter den Tisch zu kehren, nun haben die Staatsmedien es schon geschafft, dass die ersten Menschen wieder zurück in ihre Häuser ziehen. Neu gestrichen und mit 10 cm abgetragenen Vorgarten!“
Auch dieses Camp wird im Mai geräumt und auf die Aktivisten wartet dann eine 100.000,-€ Mietnachzahlung für die Nutzung öffentlichen Raums.
Aber sie haben Hoffnung, denn die große Freitagsdemonstration hat stetigen Zulauf. Bis zu 20.000 Menschen marschieren jeden Freitag durch die Stadt, um gegen das Vergessen zu demonstrieren.
Tokio in seiner ganzen Pracht; Quelle: Ingo Aurich
Tokio in seiner ganzen Pracht
Dienstag, den 9. April 2013 - Unser letzter freier Tag während der Drehzeit.
Auf geht‘s nach Akihabara Elektronic City, einem Stadtteil, der ein einziger Technikmarkt ist. Hier können wir unserem Konsumrausch freien Raum lassen.
Parkourläufer; Quelle: Ingo Aurich
Parkourläufer
Abends treffen wir uns mit unseren Protagonisten vom nächsten Tag. Parkourläufern, jung, die die Architektur der Stadt als großen Hindernispark sehen.
Parkourläufer in action!; Quelle: Ingo Aurich
Parkourläufer in action!
Mittwoch, den 10. April 2013 - Früh um 9 Uhr treffen wir unsere „Urban Ninjas“ an einem Spielplatz in einer Einkaufzone in Shibuya. Hier laufen und springen die Jungs parallel zur Fahrt unserer Autos mit Saltos und Überschlägen über alles, was ihnen in den Weg kommt. Wir fahren noch zu einigen weiteren „Spots“ und sie zeigen uns ihr Können. Auch Maggie und Vasco, unsere Vans, müssen daran glauben und werden Spielball der Akteure. Die Gruppe erzählt uns von der Sportart, der Lebenseinstellung und dem Leben in Tokio.
Es gibt keine Hindernisse für die Parkourläufer; Quelle: Ingo Aurich
Nichts hält die Parkourläufer auf
Auch hier kommt das Thema wieder auf die nukleare Bedrohung. Einerseits Fukushimas und andererseits durch Nordkorea. Denn in Tokio wurden am Vortag Raketen in Stellung gebracht. Eine Situation, die auch uns nicht unberührt lässt. Einerseits wegen der Bedrohung des Ortes, an dem wir uns zur Zeit befinden. Vor allem aber wegen der Menschen, die wir in den letzten zwei Ländern unserer Reise kennengelernt und lieb gewonnen haben.
Den Sonnenuntergang sehen wir gemeinsam an der Rainbowbridge, einem Aussichtspunkt, an dem sich die Skyline von Tokyo hervorragend in Szene setzt.
Freier Flug über unsere treuen Vans „Vasco“ und „Maggie“; Quelle: Ingo Aurich
Freier Flug über unsere treuen Vans „Vasco“ und „Maggie“
Donnerstag, den 11. April 2013 - Unser letzter Drehtag. Wir feiern, gemeinsam mit den Parkour-Jungs unser Ankommen.
Los geht’s in Shinjuku mit einem typischen „All you can drink“ warm-up Abendessen, dann geht es durch die winzigen Bars des Golden Gai Viertels zum Karaoke singen., bei dem wir unseren japanischen Kollegen in nichts nachstehen. Früh morgens beschließen wir dann noch zum Fuji zu fahren, um dort den Sonnenaufgang zu erleben.
13.04.2013 Nebel am Fuji, der sich - Gott sei dank - auflöste; Quelle: Ingo Aurich
Nebel am Fuji, der sich - Gott sei dank - auflöste
Wir kommen kurz vor dem berechneten Termin in absoluter Dunkelheit an. Mit Navigationssoftware und Kompass richten wir die Kameras in Richtung des vermeintlichen Fujis aus. Doch bei der Dämmerung sehen wir, dass dichter Nebel uns keine 3 Meter weit sehen lässt! Etwas enttäuscht lassen wir uns in unsere Campingstühle fallen.
Es ist der Moment gekommen,"Danke" zu sagen!; Quelle: Ingo Aurich
Es ist der Moment gekommen, "Danke" zu sagen!
Doch dann passiert es. Der Fuji zeigt sich in einer Art, dass es selbst unseren japanischen Begleitern die Tränen in die Augen treibt. Wie genau, dass werdet ihr in der letzten Folge von „fernOst- Von Berlin nach Tokio“ sehen...!



Ansgar Frerich