Parkourläufer vor der Tokio-Skyline; Quelle: Ingo Aurich
Tokio-Skyline mit Parkourläufer

Reisetagebuch Etappe 10, Teil 2 - Kyoto - Tokio (31.03-11.04.13)

Wir erleben Sakura - die japanische Kirschblüte und reden mit Fukushima-Betroffenen. Am Ende werden wir mit dem Anblick des legendären japanischen Vulkans belohnt, dem Fuji-san.

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Eines der letzten Protestcamps der Fukushimaopfer in Tokio
Sonntag, den 7. April 2013 - In einem Vorort Tokios treffen wir auf eine 68-jährige „Entwurzelte“; eine ehemalige Bewohnerin eines Dorfes 2 km von Fukoshima entfernt.
Wir treffen sie in einem Park, der im ersten Jahr nach der Flucht Ihr Zuhause war. Hier lebte sie mit Ihrem Mann zusammen in Ihrem Auto. Doch sie hatte Glück und konnte sich eine neue Existenz aufbauen und wohnt jetzt in einem Apartmenthaus. Dort will sie aber nicht mit uns drehen. Die jetzige Aktivistin sagt uns, dass die japanische Presse sie schon des Öfteren als „neureiche Gewinnerin“ demontieren wollte. Sie selbst sieht in ihrem „Glück“ die Bürde, jetzt die Möglichkeiten zu haben, für die anderen Opfer zu kämpfen.
Fukushima-Opfer; Quelle: Ingo Aurich
Fukushima-Opfer
Montag, den 8. April 2013 - Die Aktivistin nimmt uns am folgenden Tag mit in die Stadt zu dem letzten „Aktivisten“- Camp, welches noch nicht von der Regierung geräumt wurde. „Der Staat versucht mit allen Mitteln das Thema der nuklearen Verseuchung unter den Tisch zu kehren, nun haben die Staatsmedien es schon geschafft, dass die ersten Menschen wieder zurück in ihre Häuser ziehen. Neu gestrichen und mit 10 cm abgetragenen Vorgarten!“
Auch dieses Camp wird im Mai geräumt und auf die Aktivisten wartet dann eine 100.000,-€ Mietnachzahlung für die Nutzung öffentlichen Raums.
Aber sie haben Hoffnung, denn die große Freitagsdemonstration hat stetigen Zulauf. Bis zu 20.000 Menschen marschieren jeden Freitag durch die Stadt, um gegen das Vergessen zu demonstrieren.
Tokio in seiner ganzen Pracht; Quelle: Ingo Aurich
Tokio in seiner ganzen Pracht
Dienstag, den 9. April 2013 - Unser letzter freier Tag während der Drehzeit.
Auf geht‘s nach Akihabara Elektronic City, einem Stadtteil, der ein einziger Technikmarkt ist. Hier können wir unserem Konsumrausch freien Raum lassen.
Parkourläufer; Quelle: Ingo Aurich
Parkourläufer
Abends treffen wir uns mit unseren Protagonisten vom nächsten Tag. Parkourläufern, jung, die die Architektur der Stadt als großen Hindernispark sehen.
Parkourläufer in action!; Quelle: Ingo Aurich
Parkourläufer in action!
Mittwoch, den 10. April 2013 - Früh um 9 Uhr treffen wir unsere „Urban Ninjas“ an einem Spielplatz in einer Einkaufzone in Shibuya. Hier laufen und springen die Jungs parallel zur Fahrt unserer Autos mit Saltos und Überschlägen über alles, was ihnen in den Weg kommt. Wir fahren noch zu einigen weiteren „Spots“ und sie zeigen uns ihr Können. Auch Maggie und Vasco, unsere Vans, müssen daran glauben und werden Spielball der Akteure. Die Gruppe erzählt uns von der Sportart, der Lebenseinstellung und dem Leben in Tokio.
Es gibt keine Hindernisse für die Parkourläufer; Quelle: Ingo Aurich
Nichts hält die Parkourläufer auf
Auch hier kommt das Thema wieder auf die nukleare Bedrohung. Einerseits Fukushimas und andererseits durch Nordkorea. Denn in Tokio wurden am Vortag Raketen in Stellung gebracht. Eine Situation, die auch uns nicht unberührt lässt. Einerseits wegen der Bedrohung des Ortes, an dem wir uns zur Zeit befinden. Vor allem aber wegen der Menschen, die wir in den letzten zwei Ländern unserer Reise kennengelernt und lieb gewonnen haben.
Den Sonnenuntergang sehen wir gemeinsam an der Rainbowbridge, einem Aussichtspunkt, an dem sich die Skyline von Tokyo hervorragend in Szene setzt.
Freier Flug über unsere treuen Vans „Vasco“ und „Maggie“; Quelle: Ingo Aurich
Freier Flug über unsere treuen Vans „Vasco“ und „Maggie“
Donnerstag, den 11. April 2013 - Unser letzter Drehtag. Wir feiern, gemeinsam mit den Parkour-Jungs unser Ankommen.
Los geht’s in Shinjuku mit einem typischen „All you can drink“ warm-up Abendessen, dann geht es durch die winzigen Bars des Golden Gai Viertels zum Karaoke singen., bei dem wir unseren japanischen Kollegen in nichts nachstehen. Früh morgens beschließen wir dann noch zum Fuji zu fahren, um dort den Sonnenaufgang zu erleben.
13.04.2013 Nebel am Fuji, der sich - Gott sei dank - auflöste; Quelle: Ingo Aurich
Nebel am Fuji, der sich - Gott sei dank - auflöste
Wir kommen kurz vor dem berechneten Termin in absoluter Dunkelheit an. Mit Navigationssoftware und Kompass richten wir die Kameras in Richtung des vermeintlichen Fujis aus. Doch bei der Dämmerung sehen wir, dass dichter Nebel uns keine 3 Meter weit sehen lässt! Etwas enttäuscht lassen wir uns in unsere Campingstühle fallen.
Es ist der Moment gekommen,"Danke" zu sagen!; Quelle: Ingo Aurich
Es ist der Moment gekommen, "Danke" zu sagen!
Doch dann passiert es. Der Fuji zeigt sich in einer Art, dass es selbst unseren japanischen Begleitern die Tränen in die Augen treibt. Wie genau, dass werdet ihr in der letzten Folge von „fernOst- Von Berlin nach Tokio“ sehen...!



Ansgar Frerich