Von Golmud aus gehts 150 km weiter zu einem Pass auf 4800 Metern Höhe; Quelle: Ingo Aurich
Pass 150 km von Golmud entfernt mit Tibet-Bahn-Trasse in 4800 Meter Höhe

Reisetagebuch Etappe 4, Teil 1 - Golmud - Linxia (07.-15.11.12)

Von einem Gesundheitscheck beim „Pulsdoktor“, zwei kaputten Team-Wagen und dem höchsten Punkt unserer Reise.

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Manuela Jödicke führt Regie dieser Etappe, die uns von Golmud über Xining nach Linxia bringt. Eva Kemme, Produzentin von der BASISberlin, schreibt das Reisetagebuch mit.
Dienstag, den 06.11.2012 - Wir sind bereits seit zwei Tagen im Land; unser Gepäck war kurzerhand weg, dann wieder bei uns. Wir sind mit der Quinghai-Tibet-Eisenbahn gefahren, der höchstgelegenen Eisenbahn der Welt. Ein großer Teil der Strecke von Golmud nach Lhasa verläuft in einer Höhe von 4000 Metern.

Heute ist unser erster Tag mit dem Team. Wir sind in Golmud unterwegs, das vor allem aus langen Straßen und hochgeschossigen Neubauten zu bestehen scheint. Viele der Supermärkte haben ein Kellergeschoss.
Gesundheitscheck in der Apotheke; Foto Ingo Aurich
Gesundheitscheck in der Apotheke
Der "Pulsdoktor" mit seinem wettergegerbtem Gesicht sitzt in einer unterirdischen traditionellen chinesischen Apotheke, direkt neben den Regalen eines Drugstores aus der Neuzeit mit jeder Menge Salben, Shampoos und Cremes. Ingo wird ausführlich untersucht, er ist bei bester Gesundheit - so wird ihm versichert. Aber auch bei Gregor und Uli ist alles in Ordnung.

Wir werden über Safran aufgeklärt (soll gut für Frauen sein) und Ginseng (gut für Frauen und Männer... und ihre Gesamtzustände). Schade, dass wir so wenig Zeit für die Apotheke haben.
Nach der Kollision mit einem Kleinbus hat „Maggi“ eine Beule; Quelle: INgo Aurich
Nach der Kollision mit einem Kleinbus hat unser „Vasco“ eine Beule. Der Sandmann tröstet ihn.
Auf dem Rückweg sind die Straßen völlig verstopft - auf zwei Spuren fahren manchmal drei oder sogar vier Fahrzeuge nebeneinander. Und dann plötzlich ein dumpfer Knall - "Vasco" (unser einer Van) ist an einer unübersichtlichen Kreuzung mit einem anderen Kleinbus kollidiert. Glücklicherweise ist niemand verletzt - aber beide Fahrzeuge haben kräftige Blechschäden. Unser Bus hat an der Frontseite etliche Beulen, kann aber fahren.
Mittwoch, den 07.11.2012 - Für diesen Tag haben wir Sauerstoff gekauft - Thomas will zusammen mit Ingo, Gregor und Uli in 4700 Metern Höhe auf dem Kunlunpass ein Abschlussbild für den dritten Teil drehen.

Eine Gruppe von Arbeitern zieht Stromleitungen durchs Gebirge; Quelle: Ingo Aurich
Eine Gruppe von Arbeitern zieht Stromleitungen durchs Gebirge
Die Sonne scheint, wir haben Plusgrade, Felslandschaften und blauen Himmel. Nagelneue Strommasten sind in die Bergmassive gesetzt, eine Gruppe Bauarbeiter zieht die Stromleitungen unter abenteuerlichen Bedingungen.

Wir sind jetzt auf etwa 3500 Metern Höhe und spüren, dass die Luft knapper wird. Den Arbeitern merkt man das nicht an. Einer von ihnen hängt ungesichert auf einem vier Meter hohen Gerüst und kommt in unglaublicher Geschwindigkeit herunter. Sie freuen sich über unseren Besuch - und erzählen, dass sie aus vielen verschiedenen Orten kommen - manche der Familien leben 800 km entfernt.
Einladung zum Mittagessen; Quelle: Ingo Aurich
Einladung zum Mittagessen
"Naja .... unter Schröder war es ja nicht so toll mit den deutsch-chinesischen Beziehungen" meint der Vorarbeiter. "Anfangs mit Eurer Frau Merkel ja auch nicht, aber jetzt geht's." Dann kommt ihr Mittagswagen und wir müssen unbedingt mit essen.

Langsam drängt die Zeit, wir fahren weiter, nicht ohne gute Wünsche und den Rat, oben auf dem Pass vorsichtig zu sein und uns nicht zuviel zu bewegen. Am frühen Nachmittag sind wir auf dem Kunlunpass, genau 4772 Meter hoch.
Dann sind wir das erste Mal auf 4000 Metern Höhe: Qielle: Ingo Aurich
Dann sind wir das erste Mal auf 4000 Metern Höhe
1939 fand hier die Schlacht zwischen den chinesischen und japanischen Streitkräften statt. Thomas, Ingo und Gregor laufen zur Passmarkierung und sind glücklich über den grandiosen Blick von hier oben. Ein tolles Abschlussbild für den dritten Teil von Christian Klemke.

Das Laufen fällt uns hier nicht leicht. Wir sind froh, Sauerstoff dabei zu haben - frieren nach drei Stunden entsetzlich und sind froh, wieder herunter zu fahren.
Auf der Fahrt nach Chakazhen sehen wir unser erstes Japanschild und deuten das als gutes Omen; Quelle: Ingo Aurich
Auf der Fahrt nach Chakazhen sehen wir unser erstes Japanschild und deuten das als gutes Omen
Donnerstag, den 08.11.2012 - Die heutige Fahrtstrecke führt uns von Golmud aus 500km über die Hochebene nach Chakazhen. Wir sehen unser erstes Japanschild und sehen das als gutes Omen
Wir haben soviel gesehen, dass es schwer fällt, alle Eindrücke zu verarbeiten. Wir verlassen Golmud in aller Frühe. Unsere nächste größere Zwischenstation ist Xining, die modernste Stadt im Hochland.

Dort hoffen wir, eine Werkstatt zu finden. Nach dem Unfall ist die vordere Seite von "Vasco" doch sichtbar beschädigt. Die Servolenkung des anderen Fahrzeugs scheint nicht ganz in Ordnung zu sein.
Auf dem Weg nach Xining fahren wir durch eine faszinierende felsige Landschaft - kahle Hügel, auf die manchmal ein geheimnisvolles Licht scheint, dann ist es wieder diesig. 500 Kilometer sind es bis zum Chaka-Salzsee, dort wollen wir übernachten. Immer wieder dreht Thomas unterwegs Bergketten, weite Blicke über's Land.

Gegen 19.00 Uhr, als es längst dunkel ist, kommen wir in der Provinz Quinghai, am Chaka-See an. Xu Shusheng, unser Begleiter vom Kulturministerium, hatte Quartier von unterwegs bestellt. Doch man nimmt uns nicht auf. In der ganzen Gegend gibt es nicht ein einziges Hotel, in dem Ausländer übernachten dürfen. Nach energischer Intervention dürfen wir in einem benachbarten Hotel schlafen.

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