Angkor Wat aus der Luft; Quelle: Ingo Aurich
Angkor Wat aus der Luft

Reisetagebuch Etappe 6, Teil 2 - Siem Reap - Ho-Chi-Minh-Stadt (14.-26.01.13)

Wir genießen das ländliche Siem Reap, lernen das „Markt-Leben“ auf dem Mekong kennen und besuchen in Vietnam den größten Cao-Dai-Tempel weltweit.

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Montag, den 14.01.2013 - Heute ist Ruhetag, wir verbringen ihn im trubeligen Siem Reap. Der Angkor-Wat-Tourismus hat in den letzten Jahren enorm zugenommen, die "Pub Street" ist eine kleine Ausgabe der Khaosan Road von Bangkok.
Unser toller Begleiter Nico erzählt uns, noch vor 15 Jahren gab es so gut wie nichts hier, außer Holzhäusern, schlechten Straßen und Armut. Erst als die letzten Guerilla-Kämpfer der Roten Khmer ihre Waffen streckten, kehrte hier Sicherheit ein. Das es so bleibt, darauf trinken wir, das kambodschanische Bier hat hervorragende Marken.
Auf der Fahrt nach Phnom Penh; Quelle: Ingo Aurich
Aufbruch in Siem Reap
Dienstag, den 15.01.2013 - Gleich nach dem Frühstück verlassen wir Siem Reap und machen uns auf den Weg nach Phnom Penh. Immer geradeaus geht es auf einer der wenigen Nationalstraßen, wieder sind wir überrascht über den vorbildlichen Zustand der Strecke. In den vergangenen zehn Jahren ist viel in die Infrastruktur investiert worden, von unserem Begleiter Nico erfahren wir, dass sich die Fahrzeit jetzt halbiert hätte.

Wir machen Halt an einem braunen Tümpel, Reisbauern haben die Bewässerungskanäle ihrer Felder aufgestaut, um für den Abendbrottisch nach Reisfeldaalen zu fischen. Schwimmend mit bloßen Händen oder mit einfachen Wurfnetzen.
Immer um 11 Uhr ist in den Grundschulen Unterrichtsschluss, bevor die tägliche große Mittagshitze beginnt. Tausende Schüler bevölkern dann die Straßen, meist mit Fahrrädern, aber alle in blau-weißer Schuluniform. Viele tolle Motive haben uns dann so gefesselt, dass wir in den Abend hineinfahren, bevor wir Phnom Penh erreichen.

Die letzten 50 Kilometer haben es nun doch in sich: Die Straße wird hier noch erneuert und wir fahren in einer einzigen Staubschlacht auf der alten Schlaglochpiste fast im Schritttempo. Zwei Stunden später sind wir dann glücklich im Hotel angekommen...
Verkauf auf dem Mekong; Quelle: Ingo Aurich
Diese Frau verkauft mit einem „schwimmenden Kiosk“ Waren auf dem Mekong
Mittwoch, den 16.01.2013 - Mit dem frühen Morgenlicht fahren wir hinaus zum Mekong, wir sind mit einem Fischer verabredet. Mit zwei Booten machen wir uns auf den Weg über den großen Strom, irgendwo auf einer Flussinsel soll er in der Saison hier leben. Leider bleibt unsere Suche erfolglos, sein Handy scheint nicht zu funktionieren und ein Navi würde uns hier auch nicht weiterhelfen.

Wir stoßen jedoch auf ein kleines Boot, eine Art schwimmender Kiosk, mit dem eine Frau und ihre Tochter die umher treibenden oder vertäuten Fischerboote versorgt. Kühle Getränke, Gummibärchen und vor allem Kaffee, alles hat sie im Angebot. Für uns eine willkommene Gelegenheit, den Alltag auf dem Mekong zu porträtieren.
Tanzschule in Phnom Penh; Quelle: Ingo Aurich
Dreh in der Tanzschule von „KeyKey“
Am Nachmittag treffen wir auf "KeyKey", die Ikone des Breakdance in Phnom Penh. Mit seiner Tanzschule für sozial gefährdete Jugendliche hat sich der 34jährige "street creditibily" erarbeitet, die den Ex-Flüchtling hier zum Vorbild macht. Er war selbst ein "Gangster", fast 10 Jahre saß er in den USA im Gefängnis, nach seiner Abschiebung gelang ihm ein beeindruckender Neuanfang.

Am Abend sind wir bei unserem Begleiter Nico eingeladen. In seinem richtigen Leben ist er "Mister Goethe", er führt in Phnom Penh ein deutsches Kulturinstitut. Zufällig gibt es heute eine Vernissage, und wir werden mit 1A Thüringer Rostbratwürsten und echten Schnitzeln verköstigt. Ein überraschendes Stück Heimat, hier im 9000 Kilometer entfernten Kambodscha. Vielen Dank Nico!
Tempeltanz; Quelle: Ingo Aurich
„Apsara“ – Der Tempeltanz der Khmer
Donnerstag, den 17.01.2013 - Wieder müssen wir früh raus, wir wollen eine NGO besuchen, die ähnlich wie "KeyKey" sozial gefährdeten Jugendlichen helfen will. Hier sind es Waisenkinder und hier wird ihnen "Apsara" beigebracht, der klassische Tempeltanz der Khmer. Ab 8Uhr stehen die Kinder auf dem Tanzboden, wir sind beeindruckt von der Disziplin und der Meisterschaft, mit der dieser anmutige Tanz dargeboten wird.

Am Nachmittag machen wir Aufnahmen in Phnom Penh. Die Zwei-Millionenmetropole ist trotz aller historischen Brüche immer noch sehr französisch geprägt. Die Stadtplaner haben breite Boulevards angelegt, dazwischen viele Parks, und die Straßenbäume überall erinnern uns auch an Berlin.
Streifzug durch Phnom Penh; Quelle: Ingo Aurich
Streifzug durch Phnom Penh
Unvorstellbar, dass die Stadt zu Zeiten der wahnhaften PolPot-Diktatur fast entvölkert war. Bei jeglichem Privatvergnügen drohte die Todesstrafe. Heute kann man überall frisches Baguette kaufen, in Straßencafés sitzen oder entlang der Uferpromenade flanieren.

Kulinarische Topadressen sind die sogenannten "Roof Tops", Dachgartenrestaurants in Downtown. Nico zeigt uns eines seiner Lieblingsdächer, ein Ort zum Entspannen in lauer luftiger Höhe, und so gut gegessen haben wir lange nicht...
An der Grenze Kambodscha-Vietnam; Quelle: Ingo Aurich
Wir erreichen die vietnamesische Grenze
Freitag, den 18.01.2013 - Heute heißt es, sich von Kambodscha zu verabschieden.
Es war eine Woche voller Eindrücke, die wir nie vergessen werden. Nico war uns ein toller Begleiter, sein Wissen über Land und Leute hat uns sehr bereichert, nochmals vielen Dank.

Wir fahren entlang des Mekongs, hundert Kilometer vor der Grenze geht es mit der Fähre über den breiten Strom. Eine neue Mekong-Brücke ist gleich daneben im Bau, der japanische Baukonzern will 2015 damit fertig sein. An der Grenze heißt es Formalitäten erledigen und unsere neuen Producerinnen begrüßen! Tram und Lan werden uns in der nächsten Zeit begleiten.
Bei Dunkelheit erreichen wir unser Hotel, in Ti Xa, der Hauptstadt des Kreises Tay Ninh.
Das Symbol des Cao Dai
Samstag, den 19.01.2013 - Wir haben in dem kleinen Städtchen Tay Ninh nicht zufällig Halt gemacht, hier gibt es ein einzigartiges Bauwerk zu besichtigen: Den größten Cao-Dai-Tempel weltweit. Cao Dai ist eine Religionsgemeinschaft der besonderen Art: Aus einer bunten Mischung aus Buddhismus, Hinduismus und Katholizismus hat der vietnamesische Religionsgründer in den 20er Jahren des 20. Jahrhunderts eine neue Kirche geschaffen. Immerhin gibt es heute zwei Millionen Anhänger, und es werden mehr.
Innenansicht des Cao-Dai-Tempels; Quelle: Ingo Aurich
Der Tempel ist von innen sehr bunt und reichhaltig verziert
Hier in Südvietnam ist das religiöse Zentrum. Der Tempel sieht von außen aus wie eine katholische Kirche auf Droge, von innen dann ganz und gar einzigartig, eine Mischung aus Schlangentempel und Jules-Verne-Raumschiff. Wir treffen die Tempelmeister, sehr beeindruckende, in Askese lebende Männer. Wir freuen uns auf die Zeremonie am übernächsten Tag.
Am Nachmittag machen wir Landschaftsaufnahmen. Wir erfahren von unserer Begleiterin, dass hier eines der schlimmsten Kampfgebiete des Vietnamkrieges war.
Die Entlaubungsmittel der Amerikaner haben die Landschaft und die Menschen bis heute geschädigt. Die Wiederaufforstung wird noch Jahrzehnte dauern. Von einem Berg aus können wir das Land übersehen, unvorstellbar, dass es hier war, wo die schrecklichsten Bilder des Vietnamkrieges entstanden sind.

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