Yangshuo mit schönem Li-Fluß; Quelle: Ingo Aurich
Yangshuo mit schönem Li-Fluß

Reisetagebuch Etappe 8, Teil 1 - Guangzhou - Wuhan (13.-20.02.2013)

Eindrucksvolle Kallksteinfelsen prägen die südchinesische Landschaft. Egal, wo wir hinkommen, immer sind schon gefühlte 100.000 Touristen vor uns dort. Bittere Kälte und Nebel geben dieser Etappe etwas Düsteres.

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Auf der Fahrt nach Huangyao; Quelle: Ingo Aurich
Auf der Fahrt nach Huangyao
Mittwoch, den 13.02.2013 - Huangyao heißt das Dorf, das wir seit Tagen auf den Karten suchen. Auf der Fahrt nach Huangyao knacken wir die für die ganze Reise veranschlagten 27000 Kilometer! Ich las im Internet über Huangyao, aber unsere chinesischen Begleiter kannten es nicht. Gestern hatten wir es endlich entdeckt und die Strecke von Guangzhou dorthin festgelegt, es liegt schon weiter nördlich. Wir haben also heute Chinas warmen Süden verlassen und unsere Reise ging nordwärts. Nach 400 km war Huangyao erreicht.

Das Dorf ist an die 1000 Jahre alt. Wenn chinesische Filmemacher, und nicht nur die, auch Hollywood war schon hier, also wenn der Spielfilm das alte China darstellen will, dann kommt man hierher. Eine unglaubliche Szenerie hat sich hier erhalten. Ein zauberhaftes Dorf am Fluss. Enge Gassen schlängeln sich zwischen niedrigen gemauerten Häusern, solche mit diesen für China charakteristischen leicht geschwungenen Dächern und dem Steinbogen am First und den feurigen Drachen am Dachrand... Sie wissen? Alles echt und alt natürlich.
Landschaft rund um Huangyao mit ausgewaschenen Kalksteinfelsen; Quelle: Ingo Aurich
Landschaft rund um Huangyao mit ausgewaschenen Kalksteinfelsen
Straßenweise stehen die Häuser eng an eng, dann aber auch einzeln, mit kleinen fein geordneten Gemüsegärten herum. Nichts ist eben - wir sind in den Bergen. Die Wege mit großen rohen Steinplatten führen hoch und runter, über kleine Brücken, auf Plätze, durch Tore, an Feldsteinmauern, an Schreinen und Tempeln vorbei. Uralte Bäume lassen die Zweige ins Wasser hängen. Kleine Boote auf dem Fluss. Ein Gemälde nach dem anderen bietet sich dem Auge. Und Thomas ist samt Team und Kamera verschwunden, untergetaucht in dieser einmaligen Landschaft. Ich glaube, er „malt“ heute.

Freuen wir uns gemeinsam auf die Bilder. Wir haben in dem Dorf ein Hotel gefunden und ich sitze in meinem Zimmer. Es ist kalt, die Klimaanlage tut nichts dagegen. Das Zimmer ist vollständig gefliest in einer irgendwie weiß verschwurbelten Fliesenfarbe. Eine Einbauküche würde gut hineinpassen. Aber das Licht! Energiesparlampe kaltweiß! Scheußlich! Aber zu sagen, dass das Zimmer wie ein Raum des städtischen Leichenschauhauses wirkt... wäre nicht höflich. Dabei haben wir in den letzten Tagen wunderbare Hotelzimmer bewohnt, mit raffiniertem Lichtdesign und eleganten Lampen. Jene, von denen man nicht genau sagen kann, ist das nun Alt-China oder art deco. Dieser Hotelier aber mag es wohl lieber fahl und abwaschbar. Soviel erst einmal zu chinesischen Hotels.
Donnerstag, den 14.02.2013 - Wir mussten früh raus. Die Idylle wäre nur von Sonnenaufgang bis 08.30 Uhr zu haben, so ein Hinweis. Drehbeginn also um 07.30 Uhr. Drei Einstellungen waren gerade mal geschafft, da kam sie schon, die erste Welle mit Touristen, aus den Hotels, aus den Quartieren, aus Bussen und PKW. Danach die zweite Welle, die dritte usw. Stellen Sie sich das von oben gesehen vor, verehrter Reisetagebuch-Leser, Touristenströme quälen sich durch die engen Straßen, gegeneinander laufend, ergießen sich über die Plätze, um sich dann wieder in den nächsten Gassen zusammenzudrängen. Die Wege zudem zugestellt mit dem Krimskrams der Souvenirhändler. Jürgen sagt, die Chinesen mögen Gemeinschaft. Ich weiß nicht. Worin noch kann denn der Sinn einer Sightseeingtour liegen, wenn man vor Menschen nichts sieht?

Tonmeister Uli`s Problem besteht leider weiter. Es wird nämlich immer noch Neujahr gefeiert, indem man Feuerwerk und Knaller abbrennt. Unentwegt. Gewaltige Salven krachen ihm auf die Tonspur. Dazu gesellen sich die Geräusche von Fleisch hackenden Hausfrauen. Mit eiserner Konzentration und großer Ruhe erträgt er diese Angriffe auf die Qualität seiner Arbeit. Aber auch Hähne verhalten sich heimtückisch gegen ihn. Diese Tiere lauern hinter Mauern und Wänden und warten nur auf Ulis „Ton läuft“. Uli ist übrigens ein beliebtes Fotomotiv für chinesische Mädchen mit Fotohandy. Groß, hager, Drei-Tage-Bart, schwarz gekleidet mit umgegürtetem Tonkram wirkt er wohl wie ein gutmütiger Angehöriger irgendeiner geheimnisvollen Spezialeinheit.
Es ist Abend. Mein Zimmer ist jetzt warm. Die Klimaanlage hat`s geschafft. Diese Stromrechnung möchte ich nicht sehen.
Freitag, den 15.02.2013 - Wir fuhren nach Guilin. Das heißt, wir wollten geradewegs nach Guilin fahren, doch schon auf den ersten Autobahnkilometern nahm uns die unglaublich schöne Landschaft gefangen. Diese schroffen Berghügel der Karstgebirge, wie man sie von den Gemälden kennt. Chinesischer geht’s fast gar nicht. Immer neue Ausblicke und Panoramen. Also drehte Thomas bis die Chips glühten.
Der Li-Fluß aus nächster Nähe; Qielle: Ingo Aurich
Der Li-Fluß aus nächster Nähe
Apropos Thomas, unser Kameramann. Der deutsche Maler und Dokumentarfilmer Jürgen Böttcher hatte mal in einem Interview auf die Frage nach seiner Arbeitsmethode u.a. geantwortet, er drehe nicht mit „Mitarbeitern“ sondern mit Freunden. Bei Thomas und seinem Team scheint mir das genauso zu sein. Das Team ist irgendwie auf ihn eingeschworen und sie sind perfekt aufeinander eingespielt. Sobald Thomas aus dem Auto steigt, bilden sie bei ihm einen Kreis. Und dann läuft so was ab wie ein Schweizer Uhrwerk des Filmhandwerks. Ich glaube, sie verständigen sich inzwischen schon mit Handzeichen oder Augenkontakt... Sie kennen das sicher aus amerikanischen Actionfilmen. Diese Arbeitsatmosphäre wird sich in den Bildern zeigen, Sie werden es sehen.

Bildergalerie

14.02.2013 - Kalkfelsen um Huangyao; Quelle: Ingo Aurich

Etappe 8 - Von Guangzhou (China) bis nach Peking

Die Käte holt uns ein - das zeigen auch die Bilder: Vom - teils lebensgefährlichen - chinesischen Fahrstil, von kleinen, mega-durchtrainierten Shaolin-Schülern, ungewöhnlichen Gaumenfreuden und Open-Air-Küchen-Kunststücken.