Beispielhafter Smog: Dengfeng am Morgen; Quelle: Ingo Aurich
Beispielhafter Smog: Dengfeng am Morgen

Reisetagebuch Etappe 8, Teil 2 - Wuhan - Peking (21.02.-01.03.13)

Vom - teils lebensgefährlichen - chinesischen Fahrstil, von kleinen, mega-durchtrainierten Shaolin-Schülern, ungewöhnlichen Gaumenfreuden und Open-Air-Küchen-Kunststücken.

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Weiterfahrt aus Wuhan nach Kaifeng; Quelle: Ingo Aurich
Weiterfahrt aus Wuhan nach Kaifeng
Mittwoch, den 20.02.2013 - Wir fuhren heute von Wuhan nach Kaifeng. Ich erwähnte bereits, dass chinesische Kraftfahrer wahrscheinlich einige Verkehrsregeln kennen, vielleicht sogar alle. Das hält sie aber nicht davon ab, diese ungeniert zu ignorieren. Da Ingo und Gregor aus alter Gewohnheit und wegen ihres noch funktionierenden Selbsterhaltungstriebs diszipliniert fahren, erscheinen sie den chinesischen Autofahrern sicher als motorisierte Aliens. Chinesische Autofahrer sind Meister der Überraschung.

Wie heute unser chinesisches Führungsfahrzeug: Grundlose Vollbremsung mitten auf der Autobahn. Ingo als Zweiter im Konvoi war dadurch etwas genervt. Er versuchte inzwischen mehrmals, mit der Hupe Stress abzubauen, was hier offensichtlich nur als freundlicher Gruß gedeutet wird. Auch werden Fußgänger, besonders die auf Zebrastreifen und auf Bürgersteigen, vom chinesischen Autofahrer als außerordentlich störend empfunden. Jürgen warnte uns: „Niemals anhalten, wenn ein Fußgänger den Zebrastreifen betritt! Es könnte dessen Todesurteil sein“. So erlebten wir es auch: Ingo hält an, der Fußgänger betritt den Fahrdamm, das nachfolgende Auto jedoch brettert gnadenlos an uns vorbei über den Zebrastreifen. Aber unser chinesischer Fußgänger ahnte die Falle, die Ingo ihm da versehentlich gestellt hatte und überlebte deshalb unbeschadet sein tagtägliches Abenteuer.
Die Arbeit des Nudelziehers ist Zirkusreif; Quelle: Ingo Aurich
Die Arbeit des Nudelziehers ist Zirkusreif
Abends kommen wir in Kaifeng an und statten dem Nacht-Markt einen Besuch ab.
Dort bestaunen wir chinesische Nudelzieher, die wahre Kunsttücke mit ihrem Teig veranstalten. ….Das chinesische Abendessen war vom Feinsten.
Donnerstag, den 21.02.2013 - Kaifeng liegt am Gelben Fluss. Eine Schweizer Tageszeitung nannte sie einmal die „Kaiserstadt im Abseits“, weil in ihr vor langer Zeit eine chinesische Kaiserdynastie herrschte und weil sie bis heute kaum vom Wahn der Hochhäuslebauer getroffen wurde. Wir drehten da, wo es stinkt. Das war in der Straße, die sich nachts in einen kulinarischen Markt verwandelt, in einen der berühmtesten des Landes wohlgemerkt. Die Straße verströmt dann die verschiedensten Gerüche, liebliche, aromatische, unbekannte, wundersame aber auch merkwürdige.
Garküchen in Kaifeng – Tofuküche; Quelle: Ingo Aurich
Garküchen in Kaifeng – Tofuküche
Wir drehten bei der Familie Zhao. Vater und Mutter Zhao haben eine mobile Garküche, in der sie Tofu-Stücke in einer geheimen Lake brutzeln, die es in sich hat. Das Zeug ist rabenschwarz und stinkt zum Himmel. Es soll aber wunderbar schmecken. Ich habe es nicht probiert, die Garküche war jedoch ständig von Kunden belagert.
Sehr gut besuchtes Open-Air-Restaurant in Kaifeng; Quelle: Ingo Aurich
Sehr gut besuchtes Open-Air-Restaurant in Kaifeng: Eine Strasse mit Garküchen
Zur Essenszeit zwischen 18 und 20 Uhr füllt sich die Strasse und es dampft aus allen Kesseln. Der Gestank ist extrem: Aber einem Chinesen stinkt ein echter Harzer Käse vermutlich ebenfalls mächtig. Wie auch immer, ich kann berichten, dass wir nach dem Nachtmarkt-Dreh von Kaifeng in unserer erweiterten Reisegruppe zwei chinesische Magenverstimmungen zu beklagen hatten.
Der Henan Province Radio & Television Tower in Zhengzhou; Quelle: Ingo Aurich
Der Henan Province Radio & Television Tower in Zhengzhou
Freitag, den 22.02.2013 - Aus den geplanten 2 Stunden nach Dengfeng wurden durch eine ungeplante Stipvisite in Zhengzhou schnell fünf 5 Stunden. Ist eben auch eine Megacity und erinnert uns mit diesem Turm an die Heimat!
Die Fahrt dauerte etwas länger wegen der vielen Zwangspausen: Die Magenverstimmung von gestern macht sich bemerkbar! Dengfeng sagt einem zunächst nichts, Shaolin jedoch schon. Das heute international bekannte und berühmte Shaolin-Kloster liegt auf einem Berg außerhalb der Stadt. Und Kung Fu ist der Grund für die Bekanntheit. Während Mao nichts für diese Kampfkunst übrig hatte (er mochte Pinsel und Tusche und Seidenpapier), hat die jetzige Führung hier ein regelrechtes Nationalheiligtum zugelassen.
Shaolin-Schüler; Quelle: Ingo Aurich
Shaolin-Schüler
Wir drehen in einer Shaolin-Schule und werden von der Disziplin und Perfektion der Schüler beeindruckt. Selbst die Kleinsten sind mit vollem Elan dabei.
Ich denke, demnächst kriegt Shaolin noch ein ® als registered trademark. Denn man zankt sich hier um den Namen Shaolin. Warum? Weil man damit Geld scheffeln kann. Wirklich! Jeder ehemals aktive Shaolin-Kampfmönch macht in Dengfeng seine eigene Kung-Fu-Schule auf... mit – ungelogen - Tausenden von Schülern. Wir drehten in so einer Schule.
Shaolin-Schüler; Quelle: Ingo Au rich
Shaolin-Schüler
Die kleinen Kinder taten mir leid. Von ihnen erzählt unser Sujet auch. Jedenfalls ging’s dort zu wie auf einem preußischen Kasernenhof. Wer braucht so viele Kung-Fu-Kämpfer? Die Filmindustrie? Die Nachtwächterbranche? Die Türsteherszene? Aber vielleicht bin ich ungerecht. Es ist sicher eine schöne Sache, wenn man mit dem Kopf Holzbretter zerhauen kann.
Der Haupteingang zum Shaolin-Kloster; Quelle: Ingo Aurich
Der Haupteingang zum Shaolin-Kloster
Samstag, den 23.02.2013 - Auf der Fahrt nach Shijiazhuang stoppen wir noch kurz am Shaolin-Kloster. Die Autobahn war frei und wir waren am Abend schon in einem Hotel der Stadt. Shijiazhuang ist die Hauptstadt der Provinz Hebei und der größte Teil der Stadt ist nagelneu.
Offenbar hat irgendein Stadtplaner irgendwann hier den Plan gefasst, eine Stadt nur mit engen Hochhaus-Schluchten zu versehen.
Am berühmten Shaolinkloster; Quelle: Ingo Aurich
Am berühmten Shaolinkloster
Möglicherweise hatte er erhofft, dass, wenn der Wind durch die Straßenschluchten weht, sich der Smog verflüchtigt. Tut er aber nicht. Trotzdem zieht es auf den Straßen wie Hechtsuppe. Heute war der vorletzte Tag der Neujahrsfeierlichkeiten.
Deswegen wurde noch einmal so richtig geknallt mit allem, was die heimische Feuerwerkindustrie im Angebot hatte. Und zwar nicht irgendwo, sondern ausschließlich in den Straßenschluchten. Wegen des Halls. Das war ein unglaublicher Krach in Shijiazhuang. Ingo hat sich davon eine Tonaufnahme gemacht. Er fürchtete sicher, das glaubt ihm sonst keiner zuhause.
Wegweiser im Kloster Shaolin; Quelle: Ingo Aurich
Wegweiser im Kloster Shaolin
In Shijiazhuang ist alles modern. Deswegen hatte unsere Straße eine Mall, das ist so was wie ein Einkaufsparadies. Dort wollten wir zu Abend essen. Aber alle Restaurants waren überfüllt, nur nicht das deutsche. Jedenfalls wollte jenes Restaurant als deutsch auftreten, beziehungsweise als bayerisch, was ja im Ausland leider als urdeutsch gilt. Wir waren da aber nicht sehr lange, vielleicht gerade mal 60 Sekunden und landeten schließlich in den Separees eines chinesischen Restaurants. An dem Ort fühlten wir uns dann wieder sicher vor diesen Nachstellungen der angeblich deutschen Küche.
Sonntag, den 24.02.2013 - Wir fuhren in die Berge, nach Zhihutao. Dort sollte eigentlich das Licht Buddhas zu sehen sein. Es war aber neblig. Oder war es Smog? Also vom Licht war wenig zu sehen. Zu erahnen war jedoch die großartige Landschaft: Wild zerklüftete, hohe Felswände. Wir drehten ein Echo.
Auf dem Weg zur Echo-Wand kommt man an diesem schönen Kloster vorbei; Quelle: Ingo Aurich
Auf dem Weg zur Echo-Wand kommt man an diesem schönen Kloster vorbei

Danach mussten wir uns sputen, um Peking noch zu einer christlichen Zeit zu erreichen.
Eisvorhang auf dem Weg zur Echo-Wand; Quelle: Ingo Aurich
Eisvorhang auf dem Weg zur Echo-Wand
Wir sind erstaunt über diesen gefrorenen Wasserfall, bei +6° C!
Auf dem Weg kamen wir durch eine Stadt, die offensichtlich das chinesische Zentrum der Kohlenhändler war. Eine Kohlenhandlung an der anderen – die ganze Hauptstraße entlang, kilometerweit. Schüttkohle.
Wir fahren durchs Grau des Kohleabbaus und des Smogs; Quelle: Ingo Aurich
Wir fahren durchs Grau des Kohleabbaus und des Smogs
Riesige LKW hatten bereits hunderte Kohleberge aufgehäuft und arbeiteten an weiteren. Bekanntlich staubt Schüttkohle beim Abladen. Der Anblick war schon irgendwie gespenstisch. Alles in dieser Stadt war schwarz.

Bildergalerie

14.02.2013 - Kalkfelsen um Huangyao; Quelle: Ingo Aurich

Etappe 8 - Von Guangzhou (China) bis nach Peking

Die Käte holt uns ein - das zeigen auch die Bilder: Vom - teils lebensgefährlichen - chinesischen Fahrstil, von kleinen, mega-durchtrainierten Shaolin-Schülern, ungewöhnlichen Gaumenfreuden und Open-Air-Küchen-Kunststücken.