Die Aussicht von hier oben!; Quelle: Ingo Aurich
Blick vom Fernsehturm in Seoul

Reisetagebuch Etappe 9, Teil 2 - Seoul - Busan (12.-21.03.13)

Wir machen - mal wieder – Grenzerfahrungen, erleben, dass südkoreanische Schüler fortschrittlicher lernen als deutsche und treffen einen echten Prinzen.

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Eingangsbereich der demilitarisierten Zone (DMZ) zwischen Nord- und Südkoera; Quelle: Ingo Aurich
Eingangsbereich der demilitarisierten Zone (DMZ) zwischen Nord- und Südkoera
Mittwoch bis Samstag, den 13.03.2013 bis 16.03.2013 - Heute fahren wir an die innerkoreanische Grenze. Trotz der beunruhigenden Kriegsdrohungen aus dem Norden ist unser Termin nicht abgesagt worden. Am Checkpoint müssen wir unsere Fahrzeuge stehen lassen. Außer uns ist noch ein TV-Team von der BBC da und ein schreibender Journalist. Wir werden von amerikanischen Soldaten zu einem kurzen Briefing in das Informationscenter gebracht und erhalten einen Abriss über die best bestbewachte Grenze der Welt.

Dann bekommen wir große blaue Armbinden, die uns als Pressevertreter ausweisen und den Rat, keine hektischen Bewegungen zu machen. Gefilmt werden darf nur auf ausdrückliche Erlaubnis. Obwohl die begleitete Tour zur DMZ, zur demilitarisierten Zone, durchaus Gruselfaktor hat, ist es doch sehr amerikanisch als Besichtigungstour inszeniert. Man merkt, wer hier das Sagen hat.
Briefing in der DMZ; Quelle: Ingo Aurich
Briefing in der DMZ
Die DMZ steht unter dem Protektorat der Vereinten Nationen. An der Grenze selbst sind neutrale Beobachter aus der Schweiz und Schweden im Einsatz, die alle Vorkommnisse hier dokumentieren. In dem vier Kilometer breiten Korridor der entmilitarisierten Zone verläuft die schwer gesicherte Grenze von Küste zu Küste 241 Kilometer quer durch das ganze Land. Die Teilung des Landes ist nicht selbstgemacht. Nachdem das vereinte Korea viele Jahrhunderte friedlich vor sich hin lebte und gute Beziehungen zu seinen Nachbarn, vor allem China, pflegte, brachte das 20. Jahrhundert die Tragödie über das Land.
1910 wurde es von Japan überrollt und über 35 Jahre kolonialisiert. Die Koreaner wurden grausam misshandelt, durften ihre Sprache und Kultur nicht mehr pflegen und mussten japanische Namen annehmen. Außerdem zerstörten die Japaner viele historische und für die Koreaner heilige Kulturgüter. Der Kampf gegen die Invasoren blieb erfolglos. Noch heute ist das Verhältnis zu den Inselnachbarn schwierig, weil sich Japan für diese Taten nie offiziell entschuldigt hat.
Als der Zweite Weltkrieg zu Ende war und die Japaner kapitulierten, was in beiden Koreas bis heute als Unabhängigkeitstag gefeiert wird, keimte die Hoffnung, als befreites Land wieder aufzuerstehen. Doch wenige Tage später wurde die Halbinsel Opfer des Kalten Krieges. Die Sowjetunion besetzte den Norden, die USA den Süden des Landes. Als beide einige Jahre später ihre Truppen aus Korea abzogen und in beiden Teilen des Landes ein Regierungsoberhaupt gewählt war, begann 1950 der Koreakrieg.
Die Nordkoreaner drangen in einem Überraschungsangriff bis an die südkoreanische Küste vor, dort kamen die Amerikaner dem Süden zu Hilfe und schlugen die Truppen bis weit in den Norden zurück, wo nun China mit einer sogenannten Freiwilligenarmee eingriff. So vergingen drei Jahre in einem erbitterten Kampf, der mit allen Mitteln und Millionen ziviler Opfer hin- und her brandete, bis nach unzähligen Verhandlungen am 27.7.1953 der Waffenstillstand vereinbart und die Grenze auf der total zerstörten koreanischen Halbinsel auf den 38. Breitengrad festgelegt wurde.
Die Grenze verläuft in der Mitte der blauen Häuser; Quelle: Ingo Aurich
Die Grenze verläuft in der Mitte der blauen Häuser
Hier stehen wir nun also in Panmunjom, wo sich die verfeindeten Brüder gegenüberstehen. Die Grenze ist nur durch einen Strich auf dem Boden markiert und verläuft mitten durch die blauen Baracken, die nach einem genauen Terminplan sowohl von Norden als von Süden zugänglich sind. Dies ist der einzige Ort, wo man mit einem Schritt auf die andere Seite wechseln kann. Eine absurd anmutende Situation.
Wir können den neutralen Beobachter und schwedischen Admiral Anders Grenstad, der seit einigen Jahren hier Dienst tut, befragen. Auch wenn die Eskalation der Provokation und Gegenreaktion zur Zeit so groß ist, wie nie zuvor in den 60 Jahren des Waffenstillstands, glaubt er nicht, dass es zu einem Krieg ausarten wird. Beide Seiten sollten sich wieder auf Dialog besinnen. Dass die Notfall-Leitung von Nordkorea gekappt wurde, sei schlecht. Er und seine Kollegen würden jede Woche ihren Bericht an Nord- und Südkorea verteilen, in Briefkästen auf beiden Seiten der Baracke. Doch der nordkoreanische Kasten quillt über. Sie holen die Post nicht mehr ab.
Ob er noch daran glaubt, dass man eines Tages gefahrlos hier über den 38. Breitengrad laufen kann? Ja, er hofft, dass er das in seiner Dienstzeit noch erleben wird. Aber im Moment könne er das absolut nicht empfehlen.

Die Brücke ohne Wiederkehr; Quelle: Ingo Aurich
Die Brücke ohne Wiederkehr
Wir fahren nach weiteren Foto-Stopps an der 'Brücke ohne Wiederkehr', wo nach dem Koreakrieg die Kriegsgefangenen ausgetauscht wurden, und jeder sich entscheiden musste, auf welche Seite der Brücke er gehen will, und einem Blick auf ein in Wahrheit menschenleeres Propaganda-Dorf, über dem ein überdimensioniertes nordkoreanisches Banner am höchsten Flaggenmast der Welt weht, bedrückt zurück.
Die riesige nordkoreanische Flagge (270kg) hängt am mit 160 Metern höchsten Fahnenmast der Welt!; Quelle: Ingo Aurich
Die riesige nordkoreanische Flagge (270kg) hängt am mit 160 Metern höchsten Fahnenmast der Welt!
Mit unserem koreanischen Begleiter Yoseph vom Kulturministerium unterhalte ich mich während der Rückfahrt. Die neue südkoreanische Präsidentin Park habe einen schweren Start, meint er, aber Südkorea bereite sich auf eine Wiedervereinigung vor, auch wenn es einen hohen Preis kosten wird. Dies sei eine Parallele zu Deutschland. Und es bräuchte einen ebenso glücklichen Moment der Geschichte, wo die Chance dazu auch für Korea plötzlich auftaucht. Denn im Herzen sind wir alle Koreaner, sagt Yoseph.

Schüler an der Smart School lernen mit Tablets und Wipeboards; Quelle: Ingo Aurich
Schüler an der Smart School lernen mit Tablets und Wipeboards
Am nächsten Tag setzen wir unsere Reise nach Süden fort. Wir besuchen eine Modellschule in der modernen Satellitenstadt Sejong. Eine sogenannte smart school. Auch die kleinsten Schüler werden mit staatlicher Unterstützung mit IPads ausgestattet, die Lehrer haben ein wipeboard, auf dem sie alle Medien für den Unterricht nutzen können. Lehrer und Schüler, aber auch die Schüler untereinander kommunizieren digital. So bereitet Südkorea die nächste Generation auf die Zukunft vor. In den nächsten fünf Jahren sollen Stifte und Bücher ganz aus dem Unterricht verschwinden. Wer die Ausstattung der meisten deutschen Schulen vor Augen hat, kann hier nur staunen.
Die Altstadt von Jeonju; Quelle: Ingo Aurich
Die Altstadt von Jeonju
Unser nächstes Ziel ist die Stadt Jeonju. Hier gibt es einen schönen, von einer Mauer umgebenen Stadtkern, 800 restaurierte alte und neue Häuser ganz im historischen koreanischen Baustil. Ein Touristenmagnet, bekannt für das koreanische Nationalgericht Bibimbap und Kunstwerke aus Reispapier.

Bildergalerie

In Shanhaiguan treffen wir auf das Endstück der Chinesischen Mauer; Quelle: Ingo Aurich

Etappe 9 - Von Peking nach Seoul (Südkorea)

Impressionen der chinesischen Mauer und unserer Überfahrt nach Südkorea. Wir machen - mal wieder - Grenzerfahrungen, erleben, dass südkoreanische Schüler fortschrittlicher lernen als deutsche und treffen einen echten Prinzen.