Wunderbare Aussicht in einem koreanischen Teehaus; Quelle: Ingo Aurich
Wundervoller Ausblick in einem Teehaus in Seoul

Reisetagebuch Etappe 9, Teil 1 - Peking - Seoul (03.-12.03.13)

Wir besuchen ein mandschurisches Dorf, "besteigen" die chinesische Mauer und setzen mit einer Fähre nach Südkorea über.

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Nach knapp einer Woche verlassen wir Peking mit dem Ziel Shenyang, Quelle: Ingo Aurich
Wir verlassen Peking in Richtung Shenyang
Sonntag und Montag, den 03.03.2013 - 04.03.2013 - Wir verlassen Peking.
Wieder liegt trotz Sonnenschein und wolkenlosem Himmel Smog über der Stadt, wie so oft in diesem Winter. Wir nehmen die Autobahn Richtung Shenyang. Der Asian Highway No. 1 führt in die 700 Kilometer entfernte Stadt Shenyang im Nordosten Chinas. Hunderte von Kilometern verfolgt uns der gelbgraue Nebel und Gestank. Rechts und links der Autobahn nichts als ausgebeutete Landschaft, flach und öde, Industrie dicht an dicht. Es ist das größte Wirtschaftszentrum des Landes. "Rostige Erde" so hieß dieser Landstrich auch wegen der Immissionen der hier ansässigen Schwerindustrie, der Ruhrpott Chinas, die ehemalige Mandschurei, Ort der Verbannung.
Auf der chinesischen Mauer; Quelle: Ingo Aurich
In Shanhaiguan treffen wir auf das Endstück der Chinesischen Mauer
Doch wir wollen etwas Großartiges drehen, auf das wir uns freuen: zwischen Peking und Shenyang verläuft die Große Mauer. Hier endete das chinesische Reich, das sich mit dem gigantischen Bauwerk gegen die Übergriffe aus dem Norden und Osten schützen wollte. Gegen die Mandschu, ein kämpferisches Reitervolk, Meister im Bogenschießen. Sie überwanden jedoch 1644 diese Mauer und nahmen Peking ein.
Auf den Stufen der Chinesischen Mauer; Quelle: Ingo Aurich
Auf den Stufen der Chinesischen Mauer
Wir sind im Ort Shanhaiguan. Hier verläuft die Mauer bis zum Meer. Der Wall ist hier beeindruckend hoch und gut erhalten. Wir wollen filmen, von unten kein Problem. Natürlich möchte unser Kameramann Thomas hinauf, um die pittoresken Gassen dahinter und den Verlauf des Bauwerks zu zeigen. Da gibt es ein Problem: zwar gibt es an dieser Stelle einen Aufgang, mit Drehkreuzen gesichert und einen Ticketschalter mit einer resoluten Chefin, aber keine Tickets, und ohne Tickets kommen wir nicht hinauf.
Alles Verhandeln nutzt da nichts, auch nicht, dass uns der hohe Herr Xu aus dem Kulturministerium begleitet, der sich in die Bresche wirft. Der gute Herr Xu schnappt sich ein Fahrrad und muss ein paar Kilometer zum Touristeneingang fahren. Mit drei Tickets kommt er zurück. Nun darf das Team hinauf, den Sandmann haben die Jungs dann mit nach oben geschmuggelt. Dass er auch noch Eintritt zahlt, sahen wir nicht ein.
Dann drehen wir die Mauer noch weiter im Landesinneren. Ein unglaubliches Bauwerk. Es ist schon spät am Nachmittag, als wir uns weiter auf die Autobahn nach Shenyang begeben. Gut 400 Kilometer liegen noch vor uns, bei einem gefährlich dichten Verkehr mit abenteuerlich beladenen LKW und ebensolcher Fahrweise heißt es aufmerksam sein. Ein großes Lob an unsere coolen Fahrer Ingo und Gregor!
Am Abend fahren wir weiter und erreichen Shenyang gegen 22.00 Uhr.; Quelle: Ingo Aurich
Wir erreichen Shenyang am Abend
Als wir gegen 22.00 Uhr die Einflugschneise am Stadtrand von Shenyang erreichen, versagen unsere Navis bei der Adresse unseres Hotels. Da trifft es sich gut, dass an eben jener Stelle Fremdenführer winken. Wir nehmen einen von ihnen mit und machen noch eine gute halbe Stunde Stadtrundfahrt, ehe wir kurz vor 23.00 Uhr endlich unser Hotel erreicht haben. Ob dieser Guide sich in seiner Stadt so gut auskennt, wie die Taxifahrer in New York, oder ob unser Ziel zu nah war, das können wir zu so später Stunde nicht mehr mit Bestimmtheit sagen.
Besuch des Kaiserpalast in Shenyang; Quelle: Ingo Aurich
Besuch des Kaiserpalastes von Shenyang
Wir freuen uns auf Shenyang, das ehemalige Mukden, die alte Hauptstadt der Mandschurei. Legendär als Schmuggelhochburg in alten Abenteuerromanen und durch die Schlacht von Mukden 1905 im japanisch-russischen Krieg, den die Japaner gewannen. Eine Niederlage, die die Russen bis heute nicht verwunden haben.
Am nächsten Tag besuchen wir den Kaiserpalast in Shenyang, der auf der Liste des UNESCO Weltkulturerbes steht. Ja, ein Kaiserpalast und eine Verbotene Stadt wie in Peking, nicht so bombastisch, nur 1/12tel der Fläche, aber wunderschön und eigenartig gestaltet - im mandschurischen Stil. Die vielen verschachtelten Dächer, bunt bemalten Holzbalken und glasierten Figuren leuchten herrlich. Wir haben Glück, die Sonne scheint, auch wenn es kalt ist, im tiefen Winter bis -40 Grad.
Wir befragen einen mandschurischen Experten; Quelle: Ingo Aurich
Prof. Yue Tong berichtet uns über die Geschichte der Mandschuren
Hier treffen wir Prof. Yue Tong, Experte für die Geschichte der Mandschuren und selbstbewusster Mandschure. Dieses naturverbundene ehemalige Nomadenvolk, das von der Jagd lebte, begründete die Qing-Dynastie und stellte 16 Kaiser. Es war die Blütezeit des alten China, bevor sie von der Revolution 1911 hinweggefegt wurden.
In der Provinz Liaoning leben heute noch über 10 Millionen Mandschuren. Seit 1980 hat die chinesische Regierung der zweitgrößten ethnischen Minderheit mehr Autonomie in den Kreisen zugestanden. So können sie ihre eigene Kultur und Identität lebendig halten.
Nach diesem interessanten Gespräch verabschieden wir uns aus dem Kaiserpalast und wenden uns dem modernen Wandel in der Hauptstadt der Provinz Liaoning mit 8 Millionen Einwohnern zu. Ein ständiges Hupen und Durcheinander braust durch die Straßen. Unterschiedlichste Fassaden, grelle Leuchtreklamen, und ja, auch Bausünden, abgerockte Wohnviertel und Industriebrachen, aber am Flussufer sind viele Baukräne zu sehen. Hier entsteht ein modernes Downtown-Viertel mit glitzernden Hochhäusern.
Shenyang hat sich auf die Fahnen geschrieben, eine Green-City zu werden. Stadtparks werden angelegt, um die Stadtluft zu verbessern, die Industrie stößt nicht mehr so viele Schadstoffe ungefiltert aus wie in den 50er und 60er Jahren, aber es wird noch ein langer Weg, bis der Himmel über Nordostchina blau ist.

Bildergalerie

In Shanhaiguan treffen wir auf das Endstück der Chinesischen Mauer; Quelle: Ingo Aurich

Etappe 9 - Von Peking nach Seoul (Südkorea)

Impressionen der chinesischen Mauer und unserer Überfahrt nach Südkorea. Wir machen - mal wieder - Grenzerfahrungen, erleben, dass südkoreanische Schüler fortschrittlicher lernen als deutsche und treffen einen echten Prinzen.