- Wildes Arabien (1/2)

Wüste voller Leben

Wo Europa, Asien und Afrika aufeinander treffen, liegt Arabien - bis heute sagenumwoben. Einst der Knotenpunkt der legendären Weihrauchstraße, steht Arabien heute für Öl und Schwindel erregende Wolkenkratzer. Jenseits hochmoderner Städte aber hat sich eine Landschaft wie aus Tausend und einer Nacht erhalten: In der sagenumwobenen Wüste Rub `al Khali leben seltene Oryx-Antilopen, im schroffen Küstengebirge des Oman geht der scheue Leopard auf die Jagd und in den zerklüfteten Fjorden der Halbinsel Musandam ziehen seltene Delfine ihre Bahnen.
Seit Jahrhunderten regt der Zauber des Orients die Fantasie an. Arabien ist eine Welt der Extreme - reich an Mythen und Legenden. Nichts prägt die Arabische Halbinsel mehr als die Wüste - von den felsigen Einöden im Norden bis zu den gewaltigen Dünenfeldern des Südens in der größten Sandwüste der Welt, der Rub al Chali. Weite Teile Arabiens sind lebensfeindlich und von Menschen so gut wie unberührt. Doch das Meer aus Sand ist nicht öde und leer. Wer genau hinschaut, findet eine erstaunliche Artenvielfalt.

In der Wüste überlebt nur der, der sich perfekt anpasst. Die Arabische Oryx-Antilope etwa kommt tagelang ohne Flüssigkeit aus. Über große Entfernungen können die Tiere den seltenen Regen riechen und wandern oft Hunderte Kilometer auf der Suche nach frischem Grün.

Bei Nacht kommen Wüstenspringmäuse aus ihren Höhlen. Haben die empfindlichen Ohren des Fuchses ihre Geräusche geortet, beginnt eine Verfolgungsjagd auf Leben und Tod. Haarbüschel an den Füßen ermöglichen der Springmaus blitzschnelle Richtungswechsel im weichen Sand - und das Überleben. Dornschwanzagamen zeigen eine verblüffende Anpassung an die Hitze. Wie alle Reptilien muss das wechselwarme Tier, wenn es aus seinem Bau kriecht, zunächst Wärme aufnehmen. Die Echse legt sich dafür flach auf den Boden und bietet der Sonne eine möglichst große Fläche. Je dunkler das Schuppenkleid, desto mehr Sonnenenergie kann sie speichern. Im heißen Sand dauert es nur Minuten, bis sie ihre "Betriebstemperatur" erreicht. Zugleich beginnt eine erstaunliche Wandlung. Der Körper der Echse verändert seine Farbe. Aus den Schuppen schwinden die dunklen Pigmente. Das neue, helle "Kleid" nimmt weniger Wärme auf und reflektiert einen Teil des Lichts.

Die einzigen Menschen, denen es gelingt, seit Jahrtausenden ein Leben in und mit der Wüste zu führen, sind die Beduinen. Das Nomadenvolk verdankt seine Lebensweise einer bemerkenswerten Partnerschaft: Vor über dreitausend Jahren zähmten seine Vorfahren einhöckrige Kamele - die Dromedare. Dromedare sind, wie die Arabische Oryx, perfekt an die Wüste angepasst. Sie kommen fünfzig Tage ohne Wasser aus und tragen ihren Proviant für lange Wüstenwanderungen immer bei sich: Der fetthaltige Höcker speichert die nötige Energie. In traumhaft schönen Bildern berichtet der Film von überraschenden Verbindungen zwischen Menschen und Tieren.