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Frau Mühlenhaupt und die Chinesen

In Bergsdorf stehen große Veränderungen an. Beinahe 30 Jahre lang war das Kurt-Mühlenhaupt-Museum in dem kleinen Dorf bei Zehdenick ein wichtiger Kulturort in Brandenburg. Doch damit ist nun Schluss. Hannelore Mühlenhaupt hat den Vierseithof verkauft - an einen Mäzen aus Peking. In Zukunft werden hier chinesische Künstler Landluft schnuppern.
Hannelore Mühlenhaupt ist eine resolute Frau - mit bunter Brille, weißem Haar und wehendem Kleid steht sie in ihrem idyllischen Garten und empfängt die Sommergäste, die an den Wochenenden zu Ausstellungen, Lesungen oder Konzerten nach Bergsdorf bei Zehdenick kommen.

Den Vierseithof hat sie nach der Wende zusammen mit ihrem Mann, dem Berliner Maler Kurt Mühlenhaupt, gekauft und über die Jahre zum Museum ausgebaut. Nach seinem Tod bewahrt Hannelore Mühlenhaupt in einem Teil des Hofes sein Atelier und seine Bilder, in denen er immer wieder auf humorvolle Weise das Berliner Milieu festhielt.

In der großen Kulturscheune hat schon Janosch seine Zeichnungen ausgestellt oder der Berghain-Türsteher Sven Marquardt seine Fotografien. Ausstellungen, die Scharen von Berlinern und Brandenburgern nach Bergsdorf lockten. Und so wurde das kleine Örtchen im Landkreis Oberhavel zu einem lebendigen Treffpunkt für Besucher aus der Großstadt und die Dorfbewohner.

Doch damit ist nun Schluss. Hannelore Mühlenhaupt hat den Hof verkauft - an einen chinesischen Mäzen. Mr. Chu will hier in Zukunft chinesischen Malern einen Deutschlandaufenthalt ermöglichen. Nun gehen Mails zwischen Peking und Bergsdorf hin und her. Die bürokratischen Hürden für solch ein deutsch-chinesisches Projekt sind hoch. Wie die neuen Nachbarn das Leben im Dorf verändern werden, weiß keiner so recht. Unterdessen packt Hannelore Mühlenhaupt Tag für Tag Kisten und siedelt mit ihrem Hab und Gut nach Berlin über. Hier will sie in Zukunft wieder leben und ein neues, kleines Kurt-Mühlenhaupt-Museum aufbauen.

Die rbb Reportage begleitet Hannelore Mühlenhaupt bei diesem Projekt, das noch einmal ihr Leben verändert. Der Film stellt eine umtriebige Frau vor, die mit großer Leidenschaft einen Vierseithof in einem kleinen 500 Seelen-Dorf bei Zehdenick zu einem lebendigen Treffpunkt gemacht hat und dieses Lebenswerk nun hinter sich lässt, um mit 70 Jahren zu Neuem aufzubrechen.