Bild zum Film: Emil und die Detektive, Quelle: rbb/MDR/Studio 100 Media GmbH
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Christi Himmelfahrt - Emil und die Detektive

Robert A. Stemmles kongeniale Verfilmung des gleichnamigen Jugendbuchklassikers von Erich Kästner.

Dem zwölfjährigen Emil Tischbein wird im beschaulichen Neustadt die Ehre zuteil, Mitglied der Kinderclique "Geheimbund Störtebeker" zu werden. Doch vorher muss er eine Mutprobe bestehen und einen kleinen Seehund aus dem Lagerraum des ortsansässigen Fischhändlers befreien, der ihn verkaufen will. Zwar glückt die Aktion, doch die Jungs werden erwischt und bestraft. Nur Emil kommt unerkannt mit einem Schrecken davon. Allerdings plagt ihn fortan die Angst, dass ihm Polizeioberwachtmeister Jeschke doch noch auf die Spur kommt.

Seiner Mutter Anna verschweigt er die Tat, denn sie hat ohnehin schon genug Sorgen. Die Friseurin betreibt in der Kleinstadt einen bescheidenen häuslichen Salon und kommt mühsam allein für sich und ihren Sohn auf. Da sie auch in den anstehenden Sommerferien arbeiten muss, soll Emil ein paar schöne Tage bei seinen Verwandten in Berlin verbringen dürfen. Mit 140 Mark für die Großmutter in der Tasche begibt er sich auf die Reise.

Im Zug macht der wohlerzogene Junge Bekanntschaft mit dem zwielichtigen Herrn Grundeis, der Emil, als er schläft, das Geld stiehlt. Doch das bemerkt der Junge erst, als der Zug schon in Berlin einfährt. Immer noch in Angst vor der Polizei nimmt er allein die Verfolgung auf.

Unterdessen warten seine besorgte Großmutter und die adrette Cousine Pony Hütchen vergebens am Bahnhof auf ihn. Während Emil Herrn Grundeis beschattet, lernt er den gleichaltrigen "Gustav mit der Hupe" kennen. Die beiden sind sich auf Anhieb sympathisch und der schlagfertige Berliner Junge erklärt sich sofort bereit, bei der Wiederbeschaffung des Geldes zu helfen. Verstärkung bekommen sie von Gustavs Freunden aus dem Kiez. Unter der Losung "Parole Emil!" schmieden die Kinder einen abenteuerlichen Plan, um den dreisten Gauner dingfest zu machen.

1954 verfilmte der renommierte Regisseur Robert A. Stemmle den Jugendbuchklassiker "Emil und die Detektive" von Erich Kästner erstmals in Farbe. Stark angelehnt an Billy Wilders Drehbuch der Erstverfilmung von 1931, besticht der spannungsreiche Kinder-Krimi vor allem durch einen starken zeitgeschichtlichen Bezug.

Der gebürtige Magdeburger Stemmle siedelte die klassische Kinder-Detektivgeschichte über Freundschaft, Zivilcourage und Solidarität in den 1950er-Jahren an. Im Spannungsfeld zwischen geordneter Kleinstadtidylle und abenteuerlichem Berliner Großstadtflair, verdichtet er die Geschichte atmosphärisch durch den Kontrast zwischen den Nachkriegsstrapazen und dem beginnenden Wohlstand des deutschen Wirtschaftswunders.

Neben Margarete Haagen als Großmutter, Heli Finkenzeller als Mutter und Wolfgang Lukschy als Polizeioberwachtmeister überzeugt vor allem Kurt Meisel als hinterlistiger Betrüger. Auch der junge Günter Pfitzmann ist in einer Nebenrolle als Emils Lehrer zu sehen, und selbst Emils Schöpfer, Erich Kästner, bringt sich mit einem Cameoauftritt in den sehenswerten, humorvollen und farbenfrohen Familienfilm ein.

Emil und die Detektive
Spielfilm Deutschland 1954

Herr Grundeis (Kurt Meisel)
Emil Tischbein (Peter Finkbeiner)
Anna Tischbein (Heli Finkenzeller)
Oberwachtmeister Jeschke (Wolfgang Lukschy)
Pony Hütchen (Claudia Schäfer)
Großmutter (Margarete Haagen)
Emils Tante (Camilla Spira)
Emils Onkel (Hans-Dieter Zeidler)
Anni Wandel (Ruth Nimbach)
Gustav mit der Hupe (Wolfgang Condrus)
Der kleine Dienstag (Roland Kaiser)
Emils Lehrer (Günter Pfitzmann) u.a.

Musik: Willy Schmidt-Gentner
Kamera: Kurt Schulz
Buch: Robert A. Stemmle, nach einem Entwurf von Billy Wilder und dem gleichnamigen Roman von Erich Kästner
Regie: Robert A. Stemmle