Bild zum Film: Coming Out, Quelle: rbb/ Progress Film-Verleih/Wolfgang Fritsche
rbb/Progress Film-Verleih/Wolfgang Fritsche
Bild: rbb/Progress Film-Verleih/Wolfgang Fritsche

30 Jahre Mauerfall - Coming Out

Philipp begegnet Matthias und in diesem Moment weiß er, dass sich alles ändern wird. Regisseur Heiner Carow schrieb mit dem einzigen queeren Film der DEFA Filmgeschichte.

Philipp ist ein Lehrer, wie ihn sich Schüler wünschen. Intelligent, gut aussehend und kreativ, begeistert er sie für den Unterricht. Kaum vorstellbar, dass ihn etwas aus der Bahn werfen kann.

Doch genau das passiert, als er auf Matthias trifft. Unerwartet offenbart sich in dieser Begegnung seine homosexuelle Veranlagung. Eine schmerzhafte, konfliktreiche Selbstfindung beginnt. Nicht nur für den Lehrer.

Auch für seine Freundin Tanja, die ein Kind erwartet. Für die Mutter bricht nach der Offenbarung des Sohnes eine Welt zusammen. Schließlich jagt ein Rettungswagen durch die Silvesternacht, in dem Matthias mit dem Tode ringt …

Mit "Coming out" knüpfte Regisseur Heiner Carow an seine besten Filme der 1970er-Jahre an ("Die Legende von Paul und Paula", "Bis dass der Tod euch scheidet", "Die Russen kommen"). Um das Bekenntnis seiner Helden zu sich selbst, ihren Gefühlen und ihrer Individualität herauszufordern, trieb sie der Regisseur bis an die Grenze ihrer Leidensfähigkeit. Emotional, spannend und ehrlich plädiert der Film für Verständnis und Toleranz gegenüber jeglicher Art von Anderssein.

Für die Umsetzung musste Heiner Carow gegenüber den DDR-Funktionären sieben Jahre kämpfen. Doch schlussendlich gelang es überdies an authentischen Orten der Ost-Berliner Schwulenszene in Friedrichshain zu drehen.

"Coming Out" ist innerhalb der Filmgeschichte der DDR das einzige Werk, das Homosexualität thematisiert. Für weitere Filme, die ebenfalls das Thema hätten aufgreifen können, blieb keine Zeit mehr, denn die DDR sollte nach Erscheinen des Films nur noch wenige Monate existieren.

Vor 30 Jahren, am 9. November 1989, feierte "Coming Out" seine Premiere im Berliner Kino „International“. Wegen der enormen Nachfrage gab es an diesem Abend eine Doppelvorstellung, um 19:30 Uhr und um 22:00 Uhr.

Nachdem das Premierenpublikum das Kino verließ, wurde es Zeuge, wie noch in dieser Nacht die Berliner Mauer fiel. Gut drei Monate später wurde Heiner Carow für seinen Film auf der 40. Berlinale 1990 mit einem "Silbernen Bären" ausgezeichnet.

Coming Out
Spielfilm DDR 1989

Philipp Klarmann (Matthias Freihof)
Tanja (Dagmar Manzel)
Matthias Seiffert (Dirk Kummer)
Achim, Kellner in Bar (Michael Gwisdek)
Bedienung in Gaststätte/Lehrerin (Gudrun Ritter)
Philipps Mutter (Walfriede Schmitt)
Jakob Schrader (Axel Wandtke)
Gast in Bar (Gudrun Okras)
Frau in Tanzlokal (Ursula Staack)
Walter, älterer Herr aus Bar (Werner Dissel) u. a.

Musik: Stefan Carow
Kamera: Martin Schlesinger
Buch: Wolfram Witt
Regie: Heiner Carow