Bild zum Film: Das Brot der frühen Jahre, Quelle: rbb/Transit Film GmbH/ Hansjürgen Pohland
Bild: rbb/Transit Film GmbH/ Hansjürgen Pohland

Zum 80. Geburtstag von Vera Tschechowa - Das Brot der frühen Jahre

Herbert Veselys Verfilmung der gleichnamigen Erzählung von Heinrich Böll – mit Christian Doermer, Karen Blanguernon und Vera Tschechowa.

Walter Frendrich steht fest im Leben: er hat eine sichere Anstellung als Waschmaschinenmechaniker in einem großen Unternehmen, er fährt ein schönes Auto und lebt in einer hübschen Wohnung. All diese Dinge sind ihm umso wichtiger, da er als Kind ein Leben voller Entbehrungen führte, ein Leben, in dem das tägliche Brot schon Luxus bedeutete. Sein Streben nach materieller Sicherheit bringt ihn auch dazu, sich mit Ulla Wickweber, der Tochter seines Chefs, zu verloben.

Bild zum Film: Das Brot der frühen Jahre, Quelle: rbb/Transit Film GmbH/ Hansjürgen Pohland

Eines Tages jedoch lernt er Hedwig Muller kennen, ein hübsches Mädchen aus seiner Heimatstadt. Sehr schnell verliebt Fendrich sich in sie und wirft damit seine bisherigen Lebenspläne über Bord. War er bisher immer folgsam und angepasst, so befreit er sich nun aus den Fesseln dieser gesellschaftlichen Konventionen, brüskiert etwa wichtige Geschäftskunden und Mitarbeiter. Er gibt seine Ersparnisse für Blumen und Geschenke aus, wartet stundenlang gedankenverloren auf seine geliebte Hedwig. Schließlich löst er sogar die Verlobung mit Ulla, kündigt seinen Posten als Mechaniker und gibt damit seine bisherige Existenz völlig auf. Doch das ist Walter Fendrich egal - er hat eine neue Freiheit gewonnen und die will er nur noch mit Hedwig teilen.

Herbert Veselys Debütspielfilm entstand passend zur Filmemacherrevolte 1962, im Jahr des Oberhausener Manifests, das sowohl der Regisseur als auch sein Hauptdarsteller Christian Doermer unterzeichneten. Mit seiner sprunghaften Erzählweise und der Wiederholung von Dialogen und Szenen erinnert der Film an die Werke Marguerite Duras' und Jean-Marie Straubs und orientiert sich direkt an den ästhetischen Neuerungen der damals noch jungen Nouvelle Vague.

Bild zum Film: Das Brot der frühen Jahre, Quelle: rbb/Transit Film GmbH/ Hansjürgen Pohland

"Das Brot der frühen Jahre" bringt mit seinem kühl-distanzierten Stil fast 60 Jahre nach seiner Entstehung eine immer noch interessante Seherfahrung - ein eigenwilliger Ableger der französischen neuen Welle und zugleich auch einen Blick zurück in Kultur und Alltagsleben im West-Berlin der 1950/60er Jahre. Die Hauptrollen spielen Christian Doermer, Karen Blanguernon und Vera Tschechowa. Das rbb Fernsehen sendet die Heinrich-Böll-Verfilmung "Das Brot der frühen Jahre" von Herbert Vesely zu Ehren der Schauspielerin Vera Tschechowa, die am 22. Juli 80 Jahre alt wird.

Das Brot der frühen Jahre
Spielfilm Deutschland 1962

Walter Fendrich (Christian Doermer)
Hedwig Muller (Karen Blanguernon)
Ulla Wickweber (Vera Tschechowa)
Frau Brotig (Eike Siegel)
Vater Fendrich (Tilo von Berlepsch)
Wolf Wickweber (Gerry Bretscher) u.a.

Musik: Attila Zoller
Kamera: Wolf Wirth
Buch: Herbert Vesely, Leo Ti, Hans Robert Budewell, nach der gleichnamigen Erzählung von Heinrich Böll
Regie: Herbert Vesely