Bild zum Film: Die Mörder sind unter uns, Quelle: rbb/DEFA-Stiftung/Eugen Klagemann
Bild: rbb/DEFA-Stiftung/Eugen Klagemann

75 Jahre Ende des 2. Weltrkriegs in Europa - Die Mörder sind unter uns

Trümmerfilm und erster deutscher Spielfilm der Nachkriegszeit. Mit Hildegard Knef in der Hauptrolle.

Berlin, 1945: Ein völlig überfüllter Zug trifft in der zerbombten Stadt ein. Unter den Ankommenden ist auch die junge Fotografin Susanne Wallner. Sie hat die Gefangenschaft im Konzentrationslager überlebt und will nun in ihre Wohnung zurückkehren. Dort jedoch lebt seit kurzem der aus dem Krieg heimgekehrte Chirurg Dr. Mertens, der seine schrecklichen Erinnerungen im Alkohol zu ertränken versucht.

In den Straßen Berlins unterwegs, begegnet Mertens dem ehemaligen Hauptmann Ferdinand Brückner. Dieser ließ am Weihnachtsabend 1942 36 Männer, 54 Frauen und 31 Kinder einer polnischen Ortschaft erschießen. Ferdinand Brückner lebt inzwischen unbeschwert als beliebter Bürger und erfolgreicher Geschäftsmann, der aus alten Stahlhelmen Kochtöpfe produziert. Die Bilder des Grauens lassen Mertens nicht mehr los, verfolgen ihn.

Bild zum Film: Die Mörder sind unter uns, Quelle: rbb/DEFA-Stiftung/Eugen Klagemann
Bild: rbb/DEFA-Stiftung/Eugen Klagemann

Am Weihnachtsabend 1945 versucht Mertens in einem Akt von Selbstjustiz Brückner zu töten, doch der Mord wird von Susanne im letzten Moment verhindert. Sie kann ihn überzeugen, dass die Vergeltung solcher Schuld keine Privatangelegenheit ist, sondern der Kriegsverbrecher vor ein Gericht gehört.

Der erste deutsche Nachkriegsfilm überhaupt wurde „Die Mörder sind unter uns“ am 15. Oktober 1946 in Berlin im Admiralspalast, in dem zu dieser Zeit die Deutsche Staatsoper untergebracht war, uraufgeführt. Im zerbombten Berlin des Sowjetsektors gab es schlicht kein repräsentatives Kino mehr. Wolfgang Staudte hatte den Film noch in den letzten Kriegswochen entworfen. Für die neu gegründeten DEFA (Deutsche Film AG) war es die erste Produktionslizenz, die sie von der Sowjetische Militäradministration erhielt.

Bild zum Film: Die Mörder sind unter uns, Quelle: rbb/DEFA-Stiftung/Eugen Klagemann
Bild: rbb/DEFA-Stiftung/Eugen Klagemann

Das große Thema des Films ist die deutsche Schuld. Staudtes Stil orientiert sich basal am Expressionistischen Kino der Weimarer Republik. Gleichzeitig erweitert er diesen um die kühle Nüchternheit seiner realistischen Filmkunst. Durch schnell geschnittene Montagesequenzen, ungewöhnliche Kameraperspektiven und eben die scharfen Kontraste von Hell und Dunkel, gelingt es Staudte, die durchdringende Atmosphäre einer desorientierten, ja verstörenden Wirklichkeit zu erzeugen, welche die zerbrochenen Existenzen der Kriegsüberlebenden mit äußerster Schärfe reflektiert.

Staudte erzählt eine prägnante Geschichte von tiefer Menschlichkeit, die in einen verzweifelten Ruf nach Gerechtigkeit mündet. „Die Mörder sind unter uns“ bescherte dem deutschen Nachkriegsfilm mit Hildegard Knef den ersten großen Star und der Filmproduktion innerhalb der sowjetischen Besatzungszone einen Vorsprung vor den westlichen Alliierten.

Das rbb Fernsehen sendet den Film „Die Mörder sind unter uns“ anlässlich des 75. Jahrestages des Endes des 2. Weltkriegs in Europa am 08. Mai 1945.

Die Mörder sind unter uns
Spielfilm Deutschland 1946

Susanne Wallner (Hildegard Knef)
Dr. Hans Mertens (Ernst Wilhelm Borchert)
Ferdinand Brückner (Arno Paulsen)
Frau Brückner (Erna Sellmer)
Gustav Mondschein (Robert Forsch)
Mutter des kranken Kindes (Elly Burgmer) u. a.

Musik: Ernst Roters
Kamera: Friedl Behn Grund und Eugen Klagemann
Buch und Regie: Wolfgang Staudte

Wiederholung

Das rbb Fernsehen wiederholt den Film "Die Mörder sind unter uns" am Sonntag, 10.05.2020, um 02:00 Uhr