Bild zum Film: Ich leih' mir eine Familie, Quelle: rbb/Degeto/Britta Krehl
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Zum Tode von Lisa Martinek - Ich leih' mir eine Familie

Als ein millionenschwerer Auftrag lockt, braucht der egomanische Ben kurzerhand eine Familie, um den fürsorglichen Vater spielen zu können.

Ben ist ein arbeitswütiger Werbefachmann. Von Familie und Kindern will der ganz auf seine Karriere fixierte Aufsteiger nichts wissen. Seine Freundin Juliane denkt da ein wenig anders. Die erfolgreiche Ärztin rechnet fest mit einem Heiratsantrag und richtet bereits heimlich eine gemeinsame Wohnung her: als Überraschung zu Bens 40. Geburtstag.

Auch in der Agentur wird Ben unversehens von dem Thema Familie eingeholt: Um den millionenschweren Etat für eine große Babyprodukt-Kampagne an Land zu ziehen, muss Ben dem skeptischen Auftraggeber Hans Feldmann, ein Firmenchef der alten Schule, den passionierten Familienvater vorheucheln. Als Feldmann daraufhin die vermeintliche Familie des Agenturchefs persönlich kennen lernen möchte, bleibt Ben nur die Flucht nach vorn: Mit Engelszungen versucht er seine Jugendliebe Hanna zu überreden, mit ihm und ihren beiden Söhnen Paul und Jonas eine harmonische Familie auf Zeit zu spielen.

Hanna hat eigentlich keinen Grund, Ben aus der Patsche zu helfen, schließlich hat er sie schon einmal tief verletzt. Nur aus finanziellen Gründen lässt Hanna sich auf das Spielchen ein. Außerdem genießt sie es, dass der eitle, arrogante Egoist endlich einmal vor ihr zu Kreuze kriecht. Obwohl Feldmanns ehrgeiziger Schwiegersohn Andreas Verdacht schöpft, funktioniert Bens Plan perfekt. Sogar ein wenig zu perfekt: Denn wider Willen erweist Ben sich als prima Vater, und auch zwischen ihm und Hanna beginnt es wieder heftig zu knistern. Zu spät merkt Hanna, dass sie besser auf ihren Bruder Carsten gehört hätte, der sie vor dem skrupellosen Herzensbrecher gewarnt hat.

Hans-Werner Meyer und Lisa Martinek überzeugen in dieser ideenreich inszenierten Familienkomödie als notorisch verkrachtes Paar, das seine Liebe zueinander auf Umwegen neu entdeckt.

Die 1972 in Stuttgart geborene Lisa Martinek spielte bereits während ihrer 1993 beginnenden Schauspielausbildung an der Hamburger Hochschule für Musik und Theater am dortigen Thalia Theater. Weitere Stationen waren das Schauspielhaus Leipzig, das Schauspiel Frankfurt und das Deutsche Theater in Berlin. Seit Beginn der 90er Jahre war sie auch in Fernseh- und Kinoproduktionen zu sehen. Als herausragend sind zu nennen ihre Rollen in den Filmen „Härtetest“ (1998), „Jagd auf den Flammenmann“ (2002) sowie in der Neuverfilmung „Die Zürcher Verlobung – Drehbuch zur Liebe“ (2007). Sie wurde einem breiten Publikum besonders bekannt durch ihre Rolle als Kommissarin in der ZDF-Krimireihe „Das Duo“. In einer ihrer letzten Rollen war Lisa Martinek als blinde Anwältin Romy Heiland in der ARD-Hauptabendserie „Die Heiland – Wir sind Anwalt“ (Federführung: rbb) zu sehen – eine Rolle, die sie besonders herausforderte und die sie bravourös meisterte. Viele weitere Fernsehrollen verbinden sich mit ihrem Namen, auch der Fernsehfilm „Ich leih’ mir eine Familie“ aus dem Jahr 2007.

Der rbb sendet diesen Film anlässlich des Todes von Lisa Martinek. Die beliebte Schauspielerin starb im Alter von 47 Jahren am 28. Juni in Italien. Sie hinterlässt ihren Mann und drei Kinder.

Ich leih' mir eine Familie
Fernsehfilm Deutschland 2007

Ben (Hans-Werner Meyer)
Hanna (Lisa Martinek)
Juliane (Sandra Speichert)
Paul (Leonhard Carow)
Jonas (Lukas Schust) u. a.

Musik: Susan Dibona
Kamera: Dietmar Koelzer
Buch und Regie: Michael Rowitz