Altar in der Dorfkirche Gröben - imago/imagebroker
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Altar in der Dorfkirche Gröben | Bild: imago/imagebroker

- Gröben - Dorfkirche

Das Gröbener Kirchenbuch war für Fontane eine lokalhistorische Fundgrube. Dankbar widmete er dem Ort gleich mehrere Seiten in seinen "Wanderungen".

Krieg und Pest und Wasser- und Feuersnot und Mißwachs und Mißgeburten

Theodor Fontane

Theodor Fontane: Wanderungen durch die Mark Brandenburg. Band IV „Spreeland“:

„... erst von 1604 ab, wo Pastor Johannes Thile I. ins Gröben-Siethener Pfarramt eintrat und das seit 1575 bestehende Kirchenbuch eifriger als seine Vorgänger zur Hand nahm, um Aufzeichnungen darin zu machen, erst von diesem Jahre 1604 an erfahren wir Eingehenderes aus dem Leben der beiden Dörfer.

Um eben dieser Aufzeichnungen willen, die – mit Ausnahme der Schlußepoche des Dreißigjährigen Krieges – durch alle Nachfolger Johannes Thiles I. getreulich fortgesetzt wurden, ist denn auch das Gröben-Siethener Kirchenbuch ein wahrer historischer Schatz und für die Kultur- und Sittengeschichte der Mark von um so größerem Wert, als es im ganzen genommen in unsrem Lande doch nur wenige Kirchenbücher gibt, die bis 1604 zurückgehen. Es ist ein vollkommner Mikrokosmos, dem wir in diesem alten, wurmstichigen und selbstverständlich in Schweinsleder gebundenen Bande begegnen, und alles, was das Leben, und nicht bloß das Leben einer kleinen Dorfgemeinde, zu bringen vermag, das bringt es auch: Krieg und Pest und Wasser- und Feuersnot und Mißwachs und Mißgeburten. Und daneben Unglück über Unglück, heut auf dem Gröbener und morgen auf dem Siethener See. Fischer ertrinken, Brautzüge werden vom Sturm überrascht und in Winterdämmerung Verirrte brechen ein in die kaum überfrorenen Lumen oder erstarren in dem zusammengewehten Schnee. Dazu Mord und Brand, und Stäupung und Enthauptung, und auf jedem dritten Blatte das alte Lied von Ehebruch und »Illegitimitäten« aller Art, an die sich dann regelmäßig und wie das Amen in der Kirche die pastoralen und meist invektivenreichsten Verurteilungen knüpfen. Aber immer im Lapidarstil.

Und nun möge das Kirchenbuch sprechen.

Aufzeichnungen des Pastors Johannes Thile I:

In diesem Jahre 1609 ist Herr Ernst von Schlabrendorf, Erbherr auf Gröben und Siethen, aus dieser Zeitlichkeit geschieden. Er war vermählt mit Ursula von Thümen, aus welcher Ehe demselben zwei Söhne geboren wurden: Joachim von Schlabrendorf und Melchior Ernst von Schlabrendorf. An Melchior Ernst kam Gröben und an Joachim kam Siethen, so daß wir von diesem Jahre 1609 an zwei Schlabrendorfsche Linien haben: eine Gröbensche und eine Siethensche.

1620 am 18. Oktober hat der an der Nuthe wohnende Vogt Hans Blume seinen Stiefvater Hans Möller mit einer Büchse erschossen. Nachschrift aus dem Jahre 1622. Selbiger Hans Blume wurde von den Obrigkeiten zu keiner Strafe gezogen, vielmehr heimlich über die Grenze geschafft. Er ging nun in den Krieg nach Böhmen. Eh er aber nach Prag kam, ward er, nach gerechter göttlicher Wiedervergeltung, auch erschossen. Hat also in seinen Sünden hinsterben müssen. Ach, weh der armen Seele.

1621 am 28. Oktober ist in unsrer Nachbarschaft (auf Schloß Beuthen) ein Sohn geboren worden. Dieses Kind hat, salva venia, keinen podicem gehabt, so daß es seiner natürlichen Funktionen unfähig gewesen ist. Wonach Meister Hans Meißner, Bader zu Trebbin, mit dem Messer den podicem hat öffnen müssen. Und ist durch Gottes Segen gut geworden und hat einen podicem gehabt. Wie wunderbar handelt Gott mit uns Menschen!

1629 hat Ihre Churfürstliche Hoheit Dero Küchenmeister in Königsberg in Preußen aufhenken lassen.

1631 starben in Gröben und Siethen 126 Menschen an der Pest.

1632. Bis zu diesem Jahre bin ich, Johannes Thile, dreihundert Mal zu Gevatter gebeten worden.

1633 wurde das 1598 gestiftete Uhrwerk reparirt.

1634 den 25. März sind Wiprecht Erdmanns Tochter Ursula, Martin Schmidts Tochter Ursula und Hans Bethekes Stieftochter Ursula in einem Kahn spazieren gefahren und als der Wind kam, auf den See getrieben worden. Wobei die zwei ersten ertrunken und zu Gröben beide in ein Grab gelegt worden sind.

 

Video: Heimatjournal vom 24.10.1998