Zweige der Lorbeerkirsche. (Quelle: imago | stock&people)
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- Giftige Schönheiten

Wunderschön schließt giftig nicht aus. Ganz klares Motto im Garten, wenn man sich nicht auskennt: Schauen, statt kauen!: denn viele Gartenpflanzen wissen sich ganz gut zu wehren – nicht nur mit Dornen oder Bitterstoffen, sondern eben oft auch mit Gift. 

Im Jahr 1856 fand im schottischen Dingwall ein Festmahl sein jähes Ende, weil die Köchin anstelle von Meerrettich, die Wurzel vom Eisenhut in die Bratensoße rieb. Zwei Gäste waren sofort tot, etliche erkrankten.

Verführerisch schön leuchten seine Blüten in kühlem Blau gen Himmel. Ihre Form erinnert an eiserne Sturmhauben. Daher wohl auch der Name: Eisenhut. All seine Bestandteile sind extrem giftig, aufgrund verschiedener Alkaloide, insbesondere des Aconitins. Für Kinder ist bereits der Hautkontakt gefährlich. Das meiste Aconitin befindet sich jedoch in der Wurzel. Für einen Erwachsenen liegt die tödliche Dosis bei 2-5 Milligramm. Doch wer knabbert schon an seinem Staudenbeet? Der ihm sehr ähnliche Rittersporn stammt übrigens auch aus der Familie der Hahnenfußgewächse, und enthält die gleichen Alkaloide, nur in geringeren Mengen.

Umwoben von dunkler Magie ist die Tollkirsche. Schuld daran ist hier das Alkaloid Atropin, das den Herzschlag beschleunigt und Halluzinationen hervorruft. Im Mittelalter nutzten die Frauen den Pflanzensaft aus kosmetischen Gründen, um ihre Pupillen zu erweitern. Daher auch die volkstümliche Bezeichnung: Belladona. Die Tollkirsche gehört zur Familie der Nachtschattengewächse und verführt nicht nur mit zarten Blüten sondern mit großen glänzenden Früchten. Die tödliche Dosis liegt bei Kindern bereits bei drei, bei Erwachsenen bei zehn Beeren. Dort wo kleine Kinder spielen, sollte auf diese Pflanze unbedingt verzichtet werden.

Sehr viel unauffälliger lungert an Wegrändern oder Ufern der Große Bärenklau herum, auch Herkulesstaude genannt. Der Stängel ist gefurcht und meist borstig behaart. Die weißen Blüten stehen in Doppeldolden und ihre elliptischen Früchte ähneln denen vom Fenchel. Problematisch ist der Pflanzensaft, der Furocumarine enthält, die phototoxisch wirken, also Hautreizungen und sogar Verbrennungen dritten Grades hervorrufen können.

Als einen “Baum voller Gift und Niedertracht “ wurde im 13. Jahrhundert die Eibe beschrieben. Sie ist wirklich komplett giftig. Lediglich das knallrote Fruchtfleisch ist harmlos. Vögel scheinen das zu wissen. Bei Haustieren, insbesondere Pferden gibt es jedoch immer wieder tödliche Vergiftungen. Toxisch wirken hier die sogenannten Taxine, die letztendlich zur Atemlähmung führen.


Das schwarze Schaf der Familie der Doldengewächse, zu der auch Fenchel, Petersilie und Dill gehören, ist der Gefleckte Schierling. Sein wohl berühmtestes Opfer war der griechische Philosoph Sokrates, der durch einen Schierlingstrunk hingerichtet wurde. Der Stängel des Gefleckten Schierlings ist hohl, fein gerillt und rötlich blau gefleckt. Lediglich diese Flecken und auch der unangenehme Geruch unterscheidet ihn von Kerbel, Petersilie oder Anis. Seine Früchte sehen auf den ersten Blick dem Kümmel recht ähnlich, riechen aber nicht aromatisch. Den sollte man im Zweifelsfall dann eher im Supermarkt kaufen.

Aber auch die Lorbeerkirsche, der dekorative Rhizinus, der Stechapfel und selbst der Oleander sind nicht zu unterschätzen und sollten in Gärten in denen Kinder oder Haustiere sind, nicht unbedingt wachsen. Aber man sollte auch nicht in Panik verfallen.

Selbst der Holunder ist komplett giftig, sofern er roh verzehrt wird. Und letztendlich macht es die Menge.

Beitrag von Martina Hiller

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