Ulrike Finck in der Traditionsbaumschule von Jörg Schneider (Quelle: rbb)
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Service-Schwerpunkt - Obstbaumschnitt: Wo wird geschnitten?

Es ist Ende Januar und höchste Zeit für Hobbygärtner, jetzt mit dem Schnitt ihrer Obstbäume im Garten oder auf dem Balkon zu beginnen. Daher hat sich Ulrike Finck zu Jörg Schneider, einem der Meister des Baumschnitts in der Region, aufgemacht. Von ihm möchte sie erfahren, worauf es bei dem Schnitt an Obstbäumen, noch immer die Königsdisziplin unter den Gärtnern, eigentlich ankommt. Lernen Sie hier Schritt für Schritt, wie's geht!

Ulrike Finck in der Traditionsbaumschule von Jörg Schneider (Quelle: rbb)

Warum braucht der Baum einen Schnitt?

Obstbäume brauchen einen Schnitt. Überlässt man den Obstbaum der Natur, wird er wurmstichig, bekommt eine dichte Krone, die Äste reiben ineinander und das Obst bekommt zu wenig Sonne ab. Deshalb haben Bäume, die nicht geschnitten werden, zwar viele, dafür aber ganz kleine Früchte, die zeitverzögert wachsen. Ein richtiger Schnitt bringt auf lange Sicht mehr Qualität statt Quantität.

Obstbaumschnitt mit Ulrike Finck (Quelle: rbb)

Der richtige Zeitpunkt

Die Schnittsaison beginnt, wenn das Laub abfällt, dann wenn der Garten Winterruhe hält. Zwischen November und Februar ist der beste Zeitpunkt für einen Obstbaumschnitt. Allerdings darf nicht geschnitten werden, wenn die Temperaturen unter -5 Grad Celsius fallen, denn dann besteht die Gefahr, dass das Holz durch die Kälte splittert. Wer Bäume wie Kugelahorn, Robinie, Birke oder Walnuss erst im Frühling stutzt, riskiert, dass sie nicht richtig wachsen. Sie könnten dann zu früh austreiben oder bluten beim Schneiden stark. Dann verlieren sie zu viele Nährstoffe, was wiederum das Wachstum beeinträchtigt. Im Herbst enthält der Baum weniger Saft, verliert durch den Baumschnitt also auch weniger Nährstoffe. Für früh austreibende Gehölze ist der Winterschnitt wichtig, damit sie genug Zeit haben sich zu erholen und schön austreiben.  

Nach dem Obstbaumschnitt (Quelle: rbb)

Die Drei goldenen Regeln

Beim Stutzen sollte man darauf achten, den Zweig immer über der Knospe abzuschneiden. Wichtig ist es, gezielt die Außenknospen zu schneiden. Die zweite Regel lautet: Beim Schneiden auf die Saftwaage achten! Äste, die in gleicher Höhe entspringen, sollten in etwa auf der gleichen Ebene enden. Und drittens: Ein starker Rückschnitt erzeugt einen starken Austrieb.

Schwache Äste, Schösslinge und Wildtriebe abschneiden

Alle Triebe, die sich entweder zu stark nach unten neigen, sich an anderen Trieben reiben oder ins Kroneninnere wachsen, werden entfernt. Zweige mit schwacher Verbindung zum Stamm oder dem nächsten starken Ast müssen geschnitten werden, damit sie nicht abbrechen. Auch Schösslinge sollten entfernt werden. Sie wachsen am Fuß des Baums und können das Wachstum stören. Gleiches gilt für Wildtriebe, die meistens senkrecht auf Ästen oder Stamm wachsen. Wichtig ist, dass man Äste und Triebe sauber abschneidet, damit das Holz nicht ausfranst. Dazu am besten den Schnitt leicht schräg nach außen ausführen – am besten möglichst dicht am Astansatz. Von der schrägen Schnittfläche kann das Wasser besser ablaufen, somit wird Pilzbefall vorgebeugt.

Obstbaumschnitt (Quelle: imago/LianeM)

Das richtige Werkzeug für den Schnitt

Das richtige Werkzeug ist entscheidend beim Baumschnitt, sonst kann es zu Verletzungen und Quetschungen kommen und der Baum kann krank werden. Kleine Bäume bearbeitet man am besten mit einer Rosenschere oder einer kleinen Baumschere. Bei größeren Bäumen,
deren Stamm etwa drei Finger dick ist, sollte man zu einer Kneifschere greifen. Dabei muss man darauf achten, dass es nicht zu Quetschungen kommt.

Obstbaumschnitt mit Ulrike Finck (Quelle: rbb)

Mut zum Schnitt

Aus Angst dem Baum zu schaden, sind viele Hobbygärtner zu zögerlich. Es kommt auf ein gesundes Mittelmaß an. Gleichzeitig braucht man für einen gesunden Obstbaumschnitt auch Mut. Man muss auch mal sagen: Dieser Ast kommt jetzt weg. Zu viel Vorsicht schadet dem Gewächs. Die Äste wachsen nicht richtig nach und bleiben schwach, wenn sie nicht ausreichend zurückgestutzt wurden. Wer zu viel abschneidet, schadet dem Baum hingegen nicht. Als Faustregel gilt: Ein Drittel des Triebes muss abgeschnitten werden. Die Äste von Obstbäumen können sogar um die Hälfte zurückgeschnitten werden.

Obstbaumschnitt Jörg Schneider (Quelle: rbb)

Der richtige Schnitt

Im Idealfall, so eine alte Regel, lässt sich am Ende des Schnittes ein Hut durch die Krone werfen, ohne dass er hängenbleibt.

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