Szene nachts an der Grenze Oranienburger Chaussee zu Berlin-Frohnau © rbb/Rolf Krengel
Bild: rbb

Schicksale an der Berliner Mauer - Fluchtpunkt Entenschnabel

Der "Entenschnabel" war einer der absurdesten Verläufe der Berliner Mauer. Nördlich der Stadtgrenze, gleich hinter dem Stadtbezirk Pankow, ragte eine Stichstraße in den Westberliner Ortsteil Frohnau, der Grenzverlauf ähnelte auf dem Kartenbild einem Entenkopf mit Schnabel.

Szene: Flucht durch den Becker-Tunnel © rbb/Thomas Claus
Szene: Flucht durch den Becker-Tunnel

Heute finden sich kaum noch sichtbare Zeugnisse des Verlaufs der Mauer. Kein Wunder, wurden doch weite Teile der ehemaligen Grenzbefestigung zu Westberlin zurückgebaut, Flächen privatisiert und zur Bebauung freigegeben. Umso erstaunlicher ist, was im Boden vom "Grenzregime" erhalten blieb: Fundamente von Wachtürmen, Teile der Stacheldrahtverhaue, Signalanlagen, Munition und Reste von Tunnelbauten.

Torsten Dressler, Bruno Becker, Giesela und Guenther Becker (v. li. n. re.) © rbb/Rolf Krengel
Torsten Dressler, Bruno Becker, Giesela und Guenther Becker (v. li. n. re.)

Das Phänomen Fluchttunnel hat es Torsten Dressler besonders angetan. Der 45-jährige Archäologe spürt seit Jahren diesen Hinterlassenschaften nach. In seinem Heimatort Glienicke-Nordbahn, am sogenannten "Entenschnabel", war die Grenzbefestigung nur wenige Meter breit. Diese einmalige Situation nutzten diejenigen aus, die die DDR frühzeitig verlassen wollten.

Über 50 Jahre nach der Flucht. Vier Flüchtlinge aus Tunnel 28: Erika, Bruno, Giesela und Günther Baecker (v. li. n. re.) © rbb/Thomas Claus
Über 50 Jahre nach der Flucht. Vier Flüchtlinge aus Tunnel 28: Erika, Bruno, Giesela und Günther Baecker (v. li. n. re.)

Unter Lebensgefahr und direkt vor den Augen der Grenzsoldaten gelang in spektakulären Tunnelfluchten über 50 Personen die Flucht in den Westen - zum Ärger von Staatssicherheit und SED. Zwischen Herbst 1962 und Frühjahr 1963 gruben sich in dem nur wenige hundert Meter langen Grenzabschnitt zahlreiche Menschen einen Weg nach Westberlin.

Drehteam um Regisseur Thomas Claus (Mitte) © rbb/Thomas Claus,
Drehteam um Regisseur Thomas Claus (Mitte)

Die Dokumentation spürt diesen Schicksalen nach und trifft Zeitzeugen. Private Filmaufnahmen zeigen Tunnelarbeiten zwischen dem Haus der Familie Aagaard und dem gegenüberliegenden Grundstück in Berlin-Hermsdorf. Der Film begibt sich auf die Suche nach dem Verlauf des ehemaligen "Becker-Tunnels" und findet Relikte aus einem sehr frühen Stadium des Mauerbaus. Intensive Recherchen förderten bisher unveröffentlichte Film- und Fotoaufnahmen zutage.

Film von Thomas Claus

Erstausstrahlung 03.11.2015/rbb