Der selbsternannte Herr der Schorfheide Hermann Göring. © rbb/Library of Congress
Der selbsternannte Herr der Schorfheide Hermann Göring. | Bild: rbb Presse & Information

Die Schorfheide - Görings Carinhall

Hermann Göring war nicht der erste und nicht der letzte Potentat, der seine Spuren in der Schorfheide hinterließ, aber er war der skrupelloseste und ganz sicher der größenwahnsinnigste von allen. Zum ersten Mal wird die Geschichte Carinhalls mit exzellentem Archivmaterial, spannenden Neudrehs, Erinnerungen von Zeitzeugen und Statements von Experten in dieser Art umfassend filmisch erzählt. 

Schon 1933 ließ Göring sich auf Staatskosten ein aufwendig gestaltetes Jagdhaus errichten. Er nannte den Ort nach seiner ersten verstorbenen Frau Carin, für die er hier extra ein pompöses Grabmal hatte anlegen lassen. Der Mythos Carinhall war geboren.

Adolf Hitler und Hermann Göring in Carinhall. © rbb/Library of Congress
Adolf Hitler und Hermann Göring in Carinhall.

In den darauffolgenden Jahren ließ Göring das Anwesen immer weiter ausbauen. Er perfektionierte den abgeschiedenen und romantischen Ort am Großen Döllnsee zur Bühne für seine Inszenierungen in Großformat. Staatsgäste und Diplomaten gaben sich die Hand in Carinhall: Der schwedische König, der König von Siam, Mussolini… Stolz präsentierte Göring ihnen sein Reich. Von echten Löwen, dem großangelegten Park, wertvollen Kunstschätzen, bis hin zu zwei riesigen Modelleisenbahnanlagen. Als selbsternannter "Herr der Schorfheide", als oberster Forstmeister und zugleich oberster Jagdherr des Deutschen Reiches verstand es Göring wie selten jemand auf der "Klaviatur" von Jagd und Macht zu spielen.

Die "Große Jagdhalle" in Carinhall. © rbb/Library of Congress
Die "Große Jagdhalle" in Carinhall.

Mit Kriegsbeginn verlagerte Göring nun immer öfter seine Lagebesprechungen nach Carinhall. Von hier wurde der Luftkrieg koordiniert und auch die Planung des Völkermords im Osten besprochen. Je länger der Krieg dauerte, desto wichtiger war für Göring die Flucht in seine Scheinwelten. Das Jagen, das Sammeln und Rauben von Kunst, die Wahnvorstellungen eines noch gigantischeren Herrschersitzes, von dem der süchtige Reichsmarschall bis zum Ende träumte.

Für seinen 60. Geburtstag, im Jahr 1953, plante er, hier ein riesiges Museum einzuweihen, um seine Kunstsammlung zur Schau zu stellen. Es waren tausende Werke, die er geschenkt bekommen, gekauft und vor allem aus ganz Europa zusammengeraubt hatte damaliger Schätzwert 600 Millionen Reichsmark, heute nur in zig Milliarden zu beziffern.

Noch beim Nürnberger Prozess schwärmte er immer wieder von den großen Zeiten in der Schorfheide, in Carinhall, und nährte die Geheimniskrämerei um vergrabene Schätze, versuchte vergebens einen Deal damit zu machen, um seinen Kopf aus der Schlinge zu ziehen. So ranken sich bis heute Gerüchte und Legenden um Hermann Görings einstige Residenz, seinem monumentalen Herrscherbau in der Schorfheide, von dem fast nichts mehr geblieben ist.

Film von Daniel & Jürgen Ast

(Erstausstrahlung 27.09.2016/rbb)

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