Bei Paukenbauer Marco Hardtke Quelle: Ben Linse
Ben Linse
Bei Paukenbauer Marco Hardtke | Bild: Ben Linse

Berlin - Alt-Hohenschönhausen - Carla Kniestedt entdeckt Alt-Hohenschönhausen

Barockschloss im Dorf +++ Kunsthaus im Stasi-Gebäude +++ Café und Bar im Wasserturm

Dieser Ortsteil von Lichtenberg ist eine Überraschung. Denn dort gibt es weit mehr als Plattenbausiedlungen. "Wannsee des Nordens" wird ein Teil von Alt-Hohenschönhausen auch genannt. Denn an zwei Seen findet man Villen und Einfamilienhäuser und im alten Dorfkern sogar ein Barockschloss. Viele kennen das ehemalige Stasi-Gefängnis oder das große und markante Sportforum. Aber auch da gibt es Überraschendes zu entdecken.

Viel ist nicht erhalten geblieben vom alten Dorf.  Zu den denkmalgeschützten Gebäuden gehört das Schloss, das  eigentlich kein Schloss, sondern ein Gutshaus ist. Gebaut wurde es allem Anschein nach im 17. Jahrhundert. Es gehört zu den wenigen Herrenhäusern in Berlin und Brandenburg, die innen barock gestaltet sind. Seit 20 Jahren kümmert sich der Förderverein Schloss Hohenschönhausen um das Gebäude. Bei einer Führung kann man sehen, wie das Haus innen einmal aussah, denn die alte Gestaltung wird Stück für Stück wieder freigelegt.

Das Schloss ist im Laufe der Zeit verbaut worden Quelle: Ben Linse
Das Schloss ist im Laufe der Zeit verbaut worden | Bild: Ben Linse

Die ersten Plattenbauten um das Dorf herum sind 1972 gebaut worden. Bis 1984 entstanden dort rund 8000 Wohnungen. Außerdem gibt es noch typische Siedlungen aus den 1920er und 30er Jahren. Häuser im Art déco- oder im Bauhaus-Stil beispielsweise. Der bekannte Architekt Bruno Taut hat dort seine Spuren hinterlassen. Es gibt Mini-Villen mit kleinen Gärten hinterm Haus  oder die Siedlung für die Arbeiter mit den Flusspferden auf dem Hof, die Flusspferdhof-Siedlung. Sie ist als Gartendenkmal in der Berliner Denkmalliste aufgenommen worden.

Am Oranke – und Obersee findet sich der Landhausstil. Ab 1893 wurden dort Villen errichtet, oft von Fabrikanten. Ihre Häuser zeugen von sehr viel Geld. Der Bauhausstil findet sich dort ebenfalls. Beispielsweise hat sich der Erfinder der Salz- und Pfefferstreuer dort ein solches Haus bauen lassen. Eine andere alte Villa in Alt-Hohenschönhausen wird gerade umfassend saniert. Nach dem zweiten Weltkrieg lagerten darin in einem Geheimarchiv der Staatssicherheit Akten aus der NS-Zeit.

Das "Haus Lemke" ist ein ganz besonderer Bau. Denn es ist das letzte von Mies van der Rohe entworfene Wohnhaus in Deutschland, bevor er 1938 in die USA emigrierte. Es entstand im Bauhaus-Stil Anfang der 1930er. Heute dient das Haus als Ausstellungspavillon für Moderne Kunst und ist Anziehungspunkt für Liebhaber der Architektur Mies van der Rohes.

Um die Jahrtausendwende entstanden am Ufer des Orankesees neue und exklusive Reihen- und Doppelhäuser im "Bellevue-Park". Der alte Wasserturm, der ursprünglich eine Brauerei und die Villenkolonien am Obersee und Orankesee versorgte, wurde nach und nach umgebaut. Im unteren Teil befindet sich heute die "Bar am Wasserturm". Von der Terrasse aus sind der Obersee, die gegenüberliegenden Einfamilienhäuser sowie das Mies-van-der-Rohe-Haus zu sehen.

Teile von Alt-Hohenschönhausen waren zu DDR-Zeiten Sperrgebiet und nur für die Stasi zugänglich. Gegenüber vom Stasi-Gefängnis wurde in einem riesigen Plattenbau  Spionage-Technik entwickelt und gewartet. Nun hat sich eine kreative Mieter-Gemeinschaft in dem Haus zusammen gefunden. Heute arbeiten dort 300 Künstler aus aller Welt: Designer, Fotografen, Architekten und Bildhauer. Das Haus eignet sich für die Künstler besonders, da es hohe Decken, große Fenster und einen Lastenaufzug hat.

Sie sind auf der ganzen Welt gfrag die Pauken von Marco Hardtke Quelle: Ben Linse
Sie sind auf der ganzen Welt gfrag die Pauken von Marco Hardtke | Bild: Ben Linse

Wolfgang Hardtke baut Kesselpauken und ist damit einer von nur vier Kollegen deutschlandweit, die solche  Instrumente herstellen. Sein Berliner Modell besteht aus Aluminiumguss. Die Instrumente liefert er an bekannte Orchester in die ganze Welt, selbst bis nach New York. Drei bis vier Monate braucht er gemeinsam mit seinen Mitarbeitern für eine Pauke, da alle Teile selbst hergestellt werden. Seine Werkstatt befindet sich auf dem ehemaligen Gelände der DDR-Bauakademie.

Das 1954 gegründete Sportforum Hohenschönhausen ist eines der größten Sport- und Trainingszentren Europas. Das Areal ist 50 Hektar groß und umfasst 35 Anlagen für jede nur erdenkliche Sportart. Dort wurde für viele Meistertitel trainiert und es befindet sich auch Deutschlands größter Olympiastützpunkt im Sportforum Berlin. Das Gelände steht inzwischen unter Denkmalschutz. Die Legende der Berliner Eisbären, Sven Felski, und seine junge Eishockey-Kollegin Anne Bartsch zeigen dem HEIMATJOURNAL ihre Trainingsstätten und Menschen, die dort seit Jahrzehnten arbeiten.

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