Heimatjournal, Vor dem Tor zum Park
rbb
Bild: rbb

Berlin-Pankow - Carla Kniestedt entdeckt den Bürgerpark

Geheimnisvolle Musik am Park+++Vom Privatgarten zum Bürgerpark +++Ein Wollschwein vor dem Park
 
Der Bürgerpark in Alt-Pankow zeigt sich von seiner schönsten Seite auch im tiefen Herbst. Zu allen Jahreszeiten wird hier gespielt, Sport getrieben und flaniert und das trotz Fluglärm. Der Park ist nämlich Einflugschneise für den Flughafen Tegel. Optisch ist er eine Augenweide mit der kleinen Panke und den hübschen Gebäuden vom Torbogen bis zum Verwalterhaus. Fast wäre der Park bebaut worden.

Herrmann von Killisch-Horn hat den Park einst als Privatgarten angelegt. Als Herausgeber der ersten Berliner Börsenzeitung war er zu Geld gekommen und hatte sich das Areal gekauft. Er ließ ein Herrenhaus errichten, eine Orangerie und einen Tempel mit Statue – davon ist nichts mehr erhalten. Urenkelin Astrid von Killisch-Horn hat ein Buch veröffentlich, in dem sie viele Episoden zur Entstehung und auch zum möglichen Aus erzählt. Ihr Vorfahre wollte nämlich nicht, dass seine Kinder den Park erben. Denn die hatten einen Bebauungsplan in der Schublade. Ein pfiffiger Pankower Bürgermeister hat dem Ganzen einen Riegel vorgeschoben und den Park 1907 gekauft und zum Bürgerpark gemacht. Heute unterstützt eine Bürgerinitiative das Grünflächenamt beim Erhalt der Grünanlagen. Zurzeit findet gerade Herbstputz statt. Ihre Motivation: machen statt motzen.

Star-Pianist Iddo Bar Shai hat das 150 Jahre alte ehemalige Torwächterhaus ausgebaut und die Ruine zu einem Hingucker am großen Tor gemacht. Vier Jahre hat der israelische Künstler gebraucht, der vor allem für seine Chopin-Interpretationen in der ganzen Welt bekannt ist, um das Anwesen herauszuputzen. Wenn man am Haus vorbeigeht in den Park hinein, hört man manchmal schöne Klaviermusik. Ein Konzertort ist es nicht. Schon 1955 eröffnete eine Attraktion im Bürgerpark, eine kleine Parkbücherei und einzige Freiluftbibliothek in Berlin-Ost. Heute halten ehrenamtliche Helferinnen das Häuschen noch am Wochenende in der Saison am Leben.

Schnappschüsse aus der Tanzschule

In der Tanzschule am Bürgerpark wird dagegen täglich getanzt. Dafür sorgt Ina Donle, Besitzerin in dritter Generation. Ob Turniertanz, Discofox oder Mutter-Kind-Tanz – hier lernt man die passenden Schritte.

Hinter dem Bürgerpark gibt es den Kinderbauernhof Pinke Panke. Er ist viel mehr als nur ein öffentlicher Spielplatz oder Streichelzoo. In dieser Oase können Kinder etwas lernen, sich ausprobieren oder einfach geborgen fühlen. Aufgebaut hat ihn Annett Rose, alle sagen nur Rosi zu ihr. Drei Mal schon wollten die Ämter wegen Geldmangels den Bauernhof dicht machen. Immer hat sie erfolgreich gekämpft. In unmittelbarer Nachbarschaft arbeitet der Imker vom Bürgerpark Max Grüber. Er ist am Rande des Bürgerparks aufgewachsen und hatte die Idee mit der Bienenzucht auf dem ehemaligen Grenzstreifen. Gleich gegenüber in der Gaststätte „Mirabelle“ wird der Honig verkauft.  

Serviceinformationen