Nur fünf Minuten vom Hauptbahnhof entfernt - ein Kleingartenidyll in der Lehrter Straße Quelle: Ben Linse
Ben Linse
Nur fünf Minuten vom Hauptbahnhof entfernt - ein Kleingartenidyll in der Lehrter Straße | Bild: Ben Linse

Berlin - Moabit - Carla Kniestedt erkundet die Lehrter Straße

Neues Leben in Kasernengebäuden+++Begehrte Filmkulisse im Gefängnis+++Freiwilliges Jahr in der Stadtmission

Direkt gegenüber vom Hauptbahnhof beginnt die Lehrter Straße. Vom Straßentrubel bekommt sie noch etwas ab, zeigt sich aber vor allem mit einem recht bunten Gesicht: neue Wohnanlagen, alte Gefängnismauern, schöne Altbauhäuser, denkmalgeschützte Kleingärten, urbane Kulturfabrik und riesiges Sportstadion.

Die Stadtmission hat dort ihren Hauptsitz, die Botschaft für Kinder vom SOS Kinderdorf Berlin ist in der Lehrter Straße, aber auch Hotels gibt es. Noch wohnen neue Bewohner mit Alteingesessenen gemeinsam in der Straße. Darum kümmert sich auch eine Initiative.

Die Straße hat ihren Namen vom Lehrter Bahnhof. Einst prächtig in Größe und Architektur wurde er im zweiten Weltkrieg zerstört und seine Reste 1950 gesprengt. Erhalten geblieben war nur der S-Bahnhof, der den Namen behielt bis an dieser Stelle der heutige Hauptbahnhof emporwuchs.

Der Geschichtspark ist eine grüne Oase gleich gegenüber vom Hauptbahnhof Quelle: Ben Linse
Der Geschichtspark ist eine grüne Oase gleich gegenüber vom Hauptbahnhof | Bild: Ben Linse

Zwischen Hauptbahnhof, dem neuem Wohngebiet Heidestraße und einem Hotel versteckt sich – trotz dicker hoher Mauern – beinahe der Eingang zum Geschichtspark. Der zieht sich bis zur Lehrter Straße. Heute ist der Ort eine der grünen und ruhigen Oasen an der Straße. Von 1849 bis 1958 war dort das Zellengefängnis Moabit. Die gesamte Anlage wird mit verschiedenen Installationen nachempfunden.

Die alten Beamtenhäuser sind heute bewohnt und daneben liegt die nächste kleine Oase. Die Kleingartenanlage "Lehrter Straße" befindet sich noch auf dem denkmalgeschützten Gelände. Und so können sich die 45 Pächter bislang relativ sicher fühlen – inmitten des heiß begehrten Pflasters.

Viel Grün wächst auch direkt gegenüber. Auf immerhin 33.000 m² liegt das Gelände und der Hauptsitz der Berliner Stadtmission. Aber auch Einrichtungen für wohnungslose Menschen und andere Bedürftige sind auf dem Gelände. Der meiste Trubel ist am und im Jugendgästehaus. Besucher aus der ganzen Welt kommen dorthin. Elias arbeitet und wohnt während seines freiwilligen sozialen Jahres auf dem Gelände der evangelischen Einrichtung und zeigt es dem HEIMATJOURNAL.

Das leer stehende alte Gefängnis ist ein beliebter Drehort für Film und Fernsehen. Sogar Tom Hanks und Steven Spielberg haben dort gearbeitet. Ganz aktuell ist die Lehrter Straße Nummer 60 in der Fernsehserie "Babylon Berlin" zu sehen. Der imposante Bau war ursprünglich ein Militärgefängnis und diente seit den 1950er Jahren als Frauengefängnis. Bis vor sechs Jahren mussten Kleinkriminelle ihre Strafe dort verbüßen. Der Hauptmann von Köpenick war Insasse in der Lehrter 60 und von dort flüchteten 1976 Inge Viett und drei weitere Terroristinnen von RAF und Bewegung 2. Juni. In Zukunft wird die Senatsverwaltung für Kultur und Europa das Haus für kulturelle und künstlerische Zwecke nutzen.

Der Hausmeister des ehemaligen Frauengefängnisses kennt sich mit dessen Geschichte gut aus Quelle: Ben LinseDer Hausmeister des ehemaligen Frauengefängnisses kennt sich mit dessen Geschichte gut aus

Der große Werkhof ist in der Lehrter Straße 57. Künstler haben dort ihre Ateliers in der alten Fabrik ausgebaut und um weitere Gebäude erweitert. Gemeinsam mit dem renommierten Architekturbüro Sauerbruch Hutten, das selbst dort seine Büros hat, wurde das realisiert. Die Künstler arbeiten in großen Ateliers auch für internationale Auftraggeber, bzw. sind selbst international unterwegs.

Susanne Torka ist seit 1989 Mitglied im "Betroffenenrat Lehrter Straße" und im "Verein für eine billige Prachtstraße – Lehrter Straße e.V." Gemeinsam mit ihren Mitstreiter*innen hat sie ein Auge darauf, dass die Alteingesessenen nicht verdrängt werden. Sie will die gute Nachbarschaft erhalten. Besim Karacaoglu wohnt seit 1973 in der Lehrter Straße und spürt seit einigen Jahren die Veränderungen durch den Hauptbahnhof und die Neubauten. Er hofft aber auf das Nachbarschaftsengagement, zu dem auch er seinen Anteil beiträgt.

Carla Kniestadt trifft in der Anwohnerinitiative Susanne Torka Quelle: Ben LinseCarla Kniestadt trifft in der Anwohnerinitiative Susanne Torka

Ein weiterer besonderer Ort für die Lehrter Straße ist die Moabiter Kulturfabrik. In einem unabhängigen Kino, Konzert- und Theaterräumen, sowie einer Kiezkneipe lebt das ursprüngliche Moabit weiter. Geheizt wird noch mit Holzöfen! Nebenan im Café Moab treffen sich die Leute aus der Lehrter. Mittags ist es immer voll.

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