Heimatjournal vom 29.04.2017 in der Turmstraße (Quelle: rbb)
Alexander Huf
Moderatorin auf der Dachterasse/ Sendungsbild | Bild: Alexander Huf

Berlin - Moabit - Carla Kniestedt erkundet die Turmstraße

Markthalle mit Groschenromanen +++ Künstlerin mit Berliner Luft +++ Hinterhof mit kleinem Garten
 
Bunt, laut, aber zunehmend gefragt ist die Turmstraße in Moabit. Sie entwickelt sich rasant, überall wird gebaut. Der Umbau der Schultheiss-Brauerei ist eines der größten Projekte in der Straße, die auch ihre grünen Seiten hat. Zum Beispiel mit dem Kleinen Tiergarten und dem Park an der U-Bahnstation Turmstraße. Den Namen hat sie, weil man früher in westlicher Richtung den Turm der Spandauer Nicolaikirche, in östlicher Richtung den Turm der Berliner Sophienkirche in Mitte sehen konnte. In der Turmstraße steht das Kriminalgericht, das größte Gericht Europas. Auch den spätbarocken Bau schmücken zwei Türme.

Vom Dachgarten aus können Albert Essink und Thomas Stuchlik einige Türme der Stadt sehen. Sie wohnen schon seit knapp 40 Jahren dort und haben ihrer Meinung nach die schönste Terrasse der Straße. Sie lieben das multikulturelle Treiben im Kiez, freuen sich aber auch über Veränderungen. Die Arminius-Markthalle ist saniert worden. Sie gehört zu den wenigen noch erhaltenen historischen Markthallen Berlins und bietet ein sehr lebendiges Miteinander von unterschiedlichen Welten. Alteingesessene fühlen sich dort ebenso wohl wie Neuankömmlinge. Wie die Moabiter Künstlerin Inga Dambeck. In ihrem "Schlupfladen" verkauft sie lustige Dinge, die niemand braucht: bunten Klimbim, Karten - und auch echte Kunst. Verkaufsschlager ist Moabiter Luft, garantiert selbst abgefüllt.

2015 hat die ganze Welt auf die Turmstraße geblickt: Damals war das LAGESO, die zentrale Leistungsstelle für Asylbewerber, ständig in den Schlagzeilen. Heute ist diese Stelle nach Wilmersdorf umgezogen und auf dem ursprünglichen Krankenhausgelände arbeiten wieder unbeobachtet Beamte, Senatsmitarbeiter und Menschen aus verschiedenen Gesundheitsbereichen. Vor der Haustür haben sie eine der besten Kantinen der Stadt: "ratzfatzsatt". Mit Scampi-Spießen, indischem Reisbiryani und traditionellem Matjesfilet wirkt sie fast wie ein Gourmetrestaurant. Die Kantine beschäftigt auch Menschen mit Handicaps. 

In der Nachbarschaft gibt es einen kleinen, aber sehr erfolgreichen Tante-Emma-Laden, der ausschließlich polnische Produkte vertreibt. In Berlin leben etwa 150.000 gebürtige Polen oder Berliner mit polnischen Wurzeln. Mit diesem Laden haben sie ein Stück alte Heimat vor der Haustür. Vor allem die Fleischwaren sind gefragt, gerne auch mal ein Schwätzchen in der Muttersprache. Kevin Traeger wohnt in der Turmstraße in einem Seitenflügel mit einem ruhigen Hinterhof. Der war allerdings lange Zeit vermüllt, bis der Musiker zu Spaten, Hacke und Grubber griff und sich einen kleinen grünen Platz geschaffen hat, wo Blumen und Kräuter prächtig gedeihen.

Impressionen vom Drehtag