Mit der AWO unterwegs 2 (Quelle: Björn Geldermann)
Björn Geldermann
Bild: Björn Geldermann

Brandenburg - Potsdam/Mittelmark - Carla Kniestedt knattert durch Ziesar

Mit der AWO durch die Kleinstadt +++ Mit dem Burgherrn auf der Theaterbühne +++ Mit Zwillingen beim Blasorchester
 
Zi - e - sar, also dreisilbig, wird das kleine Städtchen im Westen Brandenburgs ausgesprochen. Falsche Aussprache wird mit einem Schmunzeln weggelächelt. Dass es Zi-e-sar heißt, hat einen Grund. Das bedeutet im Slawischen: hinter dem See. Der See ist nicht mehr da, aber die Burg dahinter. Eine architektonische Kostbarkeit der Mark. Der liebevoll "Bischofsmütze" genannte Feldsteinturm ist schon von weither zu sehen. Aus 35 Metern Höhe kann man weit ins Land schauen bis zur Autobahn A2.

Wie kommt diese Kleinstadt zu einer solchen Anlage? Ziesar war bis zur Reformation die Residenz der Bischöfe von Brandenburg. An der wichtigen Straße von Magdeburg nach Brandenburg gelegen, entwickelte sich im Schutz der bischöflichen Burg bereits im 12. Jahrhundert eine städtische Siedlung und erlangte in dieser Zeit eine gewisse Bedeutung als Marktort. Nach der Reformation verlor der Ort seine Bedeutung. Die Burg trutze den Zeiten und hatte wechselnde Herren. So wurde sie im 19. Jahrhundert als Gutsgehöft genutzt, nach dem 2. Weltkrieg war sie Internat. Seit 2005 ist die historisch einmalig erhaltene Anlage Museum für Brandenburgische Kirchen- und Kulturgeschichte des Mittelalters. Vor historischer Kulisse gibt es viele Veranstaltungen.

Cliff Bathge aus Ziesar liebt Altmodisches. Der 49-Jährige sammelt alte Motorräder und Autos. In seinem kleinen Oldtimermuseum pflegt er alte AWOs, die komplette Moped-Vogelserie der DDR - von Spatz über Sperber bis Star - aber auch Autos von Trabant bis Polski Fiat. Wer Cliffs Garage besuchen möchte, sollte vorher in der Tourismusinformation anrufen. Auch Günter Wetzel ist ein leidenschaftlicher Sammler - allerdings von Brieffreundschaften. Mit Leuten aus 26 Ländern hatte er in der DDR-Zeit Kontakt. So hat er sich in Zeiten der Mauer die Welt nach Hause geholt. Nach einem Bericht im rbb Fernsehen bekam er dann selbst Post - von seiner alten Jugendliebe.

Schnappschüsse aus Ziesar

Im Stadtbild finden sich Spuren frühen christlichen Wirkens. Die Stadtkirche Heilig Kreuz und Ursprünge eines Zisterzienserinnenklosters sind früheste Bauten aus dem Mittelalter. In der Westwand des Kirchturms befindet sich in einiger Höhe eine unscheinbare Öffnung. Durch sie gelangten die Nonnen in das gegenüber liegende Klostergebäude. Heute wohnen darin Sabine und Karl Heinz Duschl. Ihre Wohnung hat schiefe Wände und unebene Böden – und ist auch deshalb etwas ganz Besonderes. Eine Holzwand stammt gar aus dem 12. Jahrhundert.
Für das HEIMATJOURNAL überraschend war, dass in der 2.000-Einwohner-Stadt vier Restaurants gut nebeneinander existieren können. Jedes hat seine Spezialität und jedes hat seine Gäste. Und Musikstadt ist Ziesar auch, mit Blasorchester, Chören und Musikvereinen. Die Zwillinge Björn und Claas spielen Saxophon und Trompete und kommen sogar extra aus dem benachbarten Sachsen-Anhalt, um in Ziesar zur Schule zu gehen.

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