Freude beim Charlsten in der Tanzschule MAXIXE Quelle: Alexander Huf
Alexander Huf
Freude beim Charlsten in der Tanzschule MAXIXE | Bild: Alexander Huf

Berlin - Kreuzberg - Carla Kniestedt schaut sich in der Fidicinstraße um

Charleston und Trommeln in der Brauerei +++ Künstler und Theater im Hinterhof +++ Feierabend und Genuss im Kleinen Weinstock

Die Fidicinstraße geht vom Mehringdamm ab und gehört zu den schönsten Straßen des Chamisso-Kiezes in Kreuzberg. Sie kommt auf den ersten Blick gut bürgerlich daher. Doch es lohnt sich der zweite Blick auf die Hinterhöfe, wo alte Industriearchitektur überlebt hat. Da die Fidicinstraße zur Entstehungszeit um 1800 vor den Toren der Stadt lag, hatten sich dort viele Fabriken angesiedelt. Drum herum entstanden dann später die Wohnhäuser

Benannt ist die Straße nach dem Berliner Historiker Ernst Carl Fidicin. Er war für Berlin und Brandenburg ein wichtiger Forscher und außerdem Leiter des Berliner Stadtarchivs. Ihm würde die Straße heute sicher gefallen. Auf der Bank vor dem Büro von Michael Schmuck erfährt man vieles über die Straße und deren Bewohner. Und wer mag, bekommt auch einen Kaffee.

Erzählt geren etwas über ie Straße - Michael Schmuck Quelle: Alexander Huf
Erzählt geren etwas über ie Straße - Michael Schmuck | Bild: Alexander Huf

In einem Hinterhaus mit grünem Hof wohnt Helge Großklaus. Er hat schon einige Berufe ausprobiert, wie Barkeeper, Verkäufer, Altenpfleger, Maskenbildner, Filmemacher, Grafiker oder Lokführer. Sein Herz aber schlägt für die Lyrik. Er selbst bezeichnet sich als staatlich geprüften Universaldilettanten. Als "König Helge" trägt er seine Zeilen regelmäßig einem Publikum im benachbarten Club vor. Mit dem Illustrator Marc Müller hat er gerade gemeinsam das Buch "Gier und Habsucht" herausgebracht.

Auf einem anderen Hinterhof war einst eine legendäre Bockbierbrauerei. Heute geht es in dem alten Brauereigebäude vor allem um Rhythmus. Beispielsweise in der Tanzschule MAXIXE, benannt nach einem speziellen brasilianischen Samba der 20er Jahre. Standard- und Lateintänze können dort genauso gelernt werden wie Lindy Hop, Swing, Disco Fox, Hochzeits- oder Partytänze. Carla Kniestedt nimmt eine Tanzstunde im Charleston.

Der bekannte Musiker Peter Fox hat die Marching Drums - Schule BÄM! gegründet Quelle: rbb
Der bekannte Musiker Peter Fox hat die Marching Drums - Schule BÄM! gegründet | Bild: rbb

Laut und rhythmisch geht’s in Trommelschule "Groove" zu. Trommeln macht den Kopf frei – sagen die Teilnehmer. Egal ob auf Stahlfässer oder eher kleine Trommeln geschlagen wird, egal ob afrikanische oder lateinamerikanische Rhythmen. Prominenter Untermieter im Verein: Die Marching Drum Schule "BÄM", mit deren Virtuosen Musiker Peter Fox in Amerika zusammengearbeitet hat. Nun hat er die Akademie für Marching Drums nach Berlin geholt. Die Gruppen stellen ihr Können auch immer wieder öffentlich vor. Da in der Brauerei Wohnungen entstehen sollen, muss "Groove" im Februar nach Neukölln umziehen.

In den Hinterhöfen finden sich diverse Ateliers. Beispielsweise in den alten Industriehöfen F40. Sie heißen auch Kurt-Mühlenhaupt-Höfe und erinnern an den Malerpoeten, der dort in Westberliner Zeiten sein Atelier hatte, bevor er nach dem Mauerfall ins Brandenburger Land zog. Seine typische Erfindung – die Dudu-Zwerge – stehen noch immer in den Höfen.

Die Höfe waren eine Künstlerkolonie der ersten Stunde in Kreuzberg. Wer einmal dort seine Pinsel ausgebreitet hat, geht nicht mehr freiwillig. Der Bildhauer Rainer Kurka ist schon lange dort. Damals kam er frisch von der Uni und das Atelier war ein Glücksgriff. Puppenspieler Daniel Wagner hatte nach langem Warten erst kürzlich das Glück, sich im "F 40" einmieten zu können. Vor Ort ist bereits seit einiger Zeit das Theater Thikwa. Im Ensemble arbeiten behinderte und nichtbehinderte Schauspieler*innen zusammen. Außerdem gibt es dort eine Kindermalstube im Atelier der Malerin Annette Gössel.

Ein großer Dudu - Zwerg von Kurt Mühlenhaupt im gleichnamigen Künstlerhof Quelle: Alexander Huf
Ein großer Dudu - Zwerg von Kurt Mühlenhaupt im gleichnamigen Künstlerhof | Bild: Alexander Huf

Das alles verdanken sie der Vermieterin der Höfe, der Witwe des Malers Kurt Mühlenhaupt. Sie achtet darauf, dass sie ein Ort für die Kunst bleiben. Nach dem Mauerfall war sie mit ihrem Mann nach Brandenburg gezogen, der dort 2006 verstorben ist. Inzwischen plant sie ihre Rückkehr nach Berlin - in das kleine Kreuzberger Künstler-Biotop.

Genüsslich geht es im "Kleinen Weinstock" zu. Wein spielt in dieser Gegend seit dem 15. Jahrhundert eine große Rolle, denn es gab dort einen großen Weinberg - und damit auch immer schon viele Weingeschäfte. Heute mit modernem Anstrich, denn es gibt Wein in Pfandflaschen. Gekeltertes aus Italien, Spanien oder Frankreich wird im Weinladen angeboten. Gute Tropfen, die viele Anwohner anlocken und das Geschäft so auch zum Treffpunkt für Weingenießer in der Nachbarschaft macht.

Carla Kniestedt im "Kleinen Weinstock" Quele: rbb
Carla Kniestedt im "Kleinen Weinstock" | Bild: rbb

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