Im Museum für Europäische Kulturen Quelle: Thomas Koppehele
Thomas Koppehele
Im Museum für Europäische Kulturen | Bild: Thomas Koppehele

Berlin - Dahlem - Carla Kniestedt unterwegs zwischen Bauernhof und Wissenschaftstempeln

Bauernhof mit U-Bahnanschluss +++ Spitzenforschung in schicken Villen +++ Osterbrunch im Alten Krug

Es ist ein besonderer Kiez. Als Ort beinahe so alt wie Berlin. Immerhin schon 1275 erwähnt. Dahlem gehört zu Berlin Steglitz-Zehlendorf. Die U 3 hält direkt am alten Dorfanger. Die Freie Universität und die Museen sind fußläufig zu erreichen. Alle sind gerne hier: Die Anwohner in den grünen Villengefilden und die Besucher der Domäne Dahlem und der zahlreichen Museen. Die Domäne ist Deutschlands einziger Bauernhof mit U-Bahn-Anschluss. Dahlem ist aber auch Wissenschaftsstandort. Nirgendwo haben so viele Nobelpreisträger gelebt wie hier.

Die Großstadtbiobauern von der Domäne – dem Bauenhof für Agrar- und Ernährungskultur kümmern sich um den Erhalt alter Nutztierrassen, deren Namen urtümlich klingen wie Rotes Höhenvieh oder die Schwarzbunten, Schwarz-Weiße Sattelschweine, Bulgarische Langhaarige Schraubenziegen und Rauhwollige Pommersche Landschafe. Im Freilandmuseum mit Herrenhaus, dem ältesten Wohngebäude Berlins, wird auch mit ökologischem Anspruch Gemüse angebaut.

Fröhliches Landleben auf der Domäne Dahlem Quelle: Dagmar Lembke
Fröhliches Landleben auf der Domäne Dahlem | Bild: Dagmar Lembke

Hinzu kommt ein Spezial-Auftrag: Bildung für Stadtkinder. Das HEIMATJOURNAL ist dabei, wenn Ferienkinder das Landleben erforschen - mit dem Ochsenkarren auf die Weide fahren oder im Hühnerstall Eier suchen und das gerade geboren Lämmchen besuchen.

Dass die Domäne mit ihren weitläufigen Acker- und Weideflächen heute noch existiert, ist übrigens einer überparteilichen Bürgerbewegung zu verdanken, die in den 1970er Jahren eine Bebauung weiter Teile des Areals verhinderte.

Aufgeteilt wurde das Gelände schon einmal. Im März 1901 trat das Gesetz zur Aufteilung des Domänengeländes in Kraft. Das war der Baubeginn für die typischen Villen in Dahlem. 1915 gab es bereits über 380 Neubauten.

Auch für die Wissenschaft wurde Gelände von der Domäne abgezweigt. Ab 1912 entstand darauf der erste deutsche Forschungscampus. Er wird als "Deutsches Oxford" bezeichnet. Bis heute sind in den alten Villen Wissenschaftseinrichtungen untergebracht. Nobelpreisträger gaben sich hier die Klinke in die Hand. Die Kernspaltung, das Elektronenmikroskop aber auch das erste Giftgas sind Erfindungen aus Dahlem. Albert Einstein, Otto Hahn oder Fritz Haber experimentierten dort.

Auch heute sind hier kreative Köpfe aus aller Welt. Der Chemie-Nobelpreisträger Gerhard Ertl forschte auf dem heutigen Max-Planck-Campus. Ab 1. April 2018 bietet die Max-Planck-Gesellschaft immer sonntags Entdeckungstouren im "Deutschen Oxford" an. Das HEIMATJOURNAL hat die Tour zusammen mit Studenten der FU Berlin getestet.

Einst gehörte ein Teil des heutigen Botanischen Gartens zu Dahlem. Dort hat gerade eine Modeblume des 19. Jahrhunderts ihren großen Auftritt. Im Kamelienhaus blühen 27 verschiedene Sorten dieser Büsche. Einige Blüten ähneln denen der Pfingstrose, andere dem Jasmin. Nur der Duft fehlt. Josef Wyrwis sorgt schon seit 20 Jahren für sie.

In Dahlem gibt es viele Museen: Unter anderem das Alliiertenmuseum und das Brücke-Museum. Die Stiftung Preußischer Kulturbesitz hat viele Ableger hier – das Geheime Staatsarchiv und das Museumszentrum Berlin-Dahlem, ein Museumsstandort der Staatlichen Museen zu Berlin. Die Mitarbeiter des Ethnologischen und Asiatischen Museum sitzen auf gepackten Koffern und ziehen im April ins Humboldt-Forum. Das Museum für Europäischen Kulturen bleibt dort. Es sammelt alles was mit dem Alltag der Menschen in Europa, vom 18. Jahrhundert bis in die Gegenwart, zu tun hat. Auch alles Mögliche zum Osterfest.

Das Gebäude der Museen Dahlem (Quelle: imago/ Schöning)

"Ruine der Künste" steht am Eingang zu einem Grundstück auf dem ein altes Haus steht und der Garten verwildert ist. In einer der wohlhabendsten Gegenden Berlins eine Provokation des Kunstprofessors und Künstlers Wolf Kahlen. Außen verfallen Haus und Garten im Lauf der Zeit – innen ist das Haus ausgebaut zu einer hellen Galerie der zeitgenössischen Kunst.

Das ehemalige Haus des Milchpächters der Domäne Dahlem wurde bereits seit dem frühen 19. Jahrhundert als Gasthaus "Alter Krug" genutzt. Familie Marweld hat vor einigen Jahren den "Alten Krug" kurz vor der Zwangsvollstreckung übernommen. Dort gibt es einen leckeren Osterbrunch. Zuvor aber hilft Carla Kniestedt bei der Zubereitung des Lammbratens.

Im Gastraum vom Alten Krug Quelle: Dagmar LembkeIm Gastraum vom Alten Krug

Das ehemalige Haus des Milchpächters der Domäne Dahlem wurde bereits seit dem frühen 19. Jahrhundert als Gasthaus "Alter Krug" genutzt. Familie Marweld hat vor einigen Jahren den "Alten Krug" kurz vor der Zwangsvollstreckung übernommen. Dort gibt es einen leckeren Osterbrunch. Zuvor aber hilft Carla Kniestedt bei der Zubereitung des Lammbratens.

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