Mitten iin Berlin - üppige Weinreben Quelle: Ben Linse
Ben Linse
Mitten iin Berlin - üppige Weinreben | Bild: Ben Linse

Berlin-Kreuzberg - Ulli Zelle aus der Kreuzbergstraße

Schinkel-Gussformen im Sockel +++ Wohnungen in der Kirche +++ Kreuzberger Riesling im Glas

Die Kreuzbergstraße verdankt ihren Namen dem Kreuzberg. Dieser 66 Meter hohe Berg mit eigenem Wasserfall ist die höchste natürliche innerstädtische Erhebung. Früher hieß er Tempelhofer Berg. Seinen Namen bekam er, als auf ihm ein Nationaldenkmal auf dem Grundriss eines Eisernen Kreuzes errichtet wurde. Anlass war der Sieg über Napoleon und entworfen hat es Schinkel. Im Berg verborgen liegt ein Berliner Schatz, den das HEIMATJOURNAL ausnahmsweise sehen durfte. Die Kreuzbergstraße ist zwar breit, aber relativ wenig befahren und man kann gut in Cafés und Restaurants sitzen. Es gibt Höfe mit Gewerbebetrieben und ganz besondere Läden.

Gerade im Sommer ist die Atmosphäre in der Straße schön. Es gibt eine große Auswahl, um sich zu platzieren. Im Hinterhof der alteingesessenen Osteria No.1 fühlt man sich wie in Italien, in der Villa Tomasa hört man einen Hahn krähen und sitzt dabei auf dem Pumpensystem, das den Wasserfall im Viktoriapark speist. Im Ponte Rosa kann man dem rhythmischen Rattern der S-Bahn lauschen und den Sonnenuntergang über Berlin kann man im Park im Golgatha genießen. Karin Ziegler schätzt die Kreuzberger Kreativität. Deshalb hat sie hier in einem der gewerblichen Hinterhöfe – im Viktoriahof - ihr riesiges Nähatelier. Die Mode ist unter dem erfolgreichen Label "Blutsgeschwister" bekannt. Produziert wird sie unter dem Siegel "Fair Wear Foundation". Demnächst zieht das mittelständische Unternehmen in einen anderen Gewerbehof der Straße um – in den ehemaligen Milchkurhof. Wohnen möchten viele in der Kreuzbergstraße. Gerade wird eine ehemalige Kirche aus den 60er Jahren zu Wohnungen umgebaut.

Das Nationaldenkmal ist nur die Spitze einer geplanten Kirche, deren Errichtung dann König Friedrich Wilhelm III. zu teuer wurde. In den unterirdischen Gewölben des Denkmals lagern die Gipsvorlagen der Quadriga vom Brandenburger Tor sowie weitere Originale von Karl Friedrich Schinkel. Hier kann man auf Entdeckungstour gehen. Eine Bergtour in die x-Berg-Hütte von Philipp Hebecker ist auch möglich. Der gelernte Koch hat die ehemalige Bedürfnisanstalt im Viktoriapark umgebaut und bewirtet nun auf dem Gipfel seine Gäste. Geöffnet ist bei gutem Wetter - wann das Wetter gut ist, das bestimmt er.

Kreuzberger Ansichten

Als der Kreuzberg noch Tempelhofer Berg war, hieß die Kreuzbergstraße Weinmeisterstraße, denn dort wurde Wein angebaut. Nach dem 2. Weltkrieg dauerte es bis 1968, bis an die Weintradition wieder angeknüpft werden konnte. Wiesbaden hatte seiner Partnerstadt Kreuzberg fünf Rebstöcke geschenkt. In den folgenden Jahren gab es weitere Rebstock-Geschenke von Spendern. Heute wachsen die Trauben an über 300 Stöcken. Dank einer unermüdlichen Gruppe von Ehrenamtlichen wird der Weinberg sorgsam gepflegt und bringt in guten Jahren bis zu 300 Flaschen Wein. Gekeltert wird der Wein dann im Rheingau. Er firmiert unter dem Namen Kreuz-Neroberger.

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