Ulli Zelle mit Musiker Dirk Michaelis auf dem "Langen Jammer" Quelle: Ben Linse
Ben Linse
Ulli Zelle mit Musiker Dirk Michaelis auf dem "Langen Jammer" | Bild: Ben Linse

Berlin - Prenzlauer Berg - Ulli Zelle entdeckt das Eldenaer Viertel

Kinder im Inspektorenhaus +++ Kreative in der Pferderemise +++ Mixologe in der Skybar

Es ist ein junges Stadtquartier - angesiedelt auf dem Gelände des einstigen Zentralvieh- und Schlachthofes. Das Gelände  gehört zu den weitläufigsten Wohnquartieren Berlins und liegt quasi im Dreiländereck - zwischen Prenzlauer Berg, Friedrichshain und Lichtenberg.

Der Sänger und Komponist Dirk Michaelis ist in der Gegend aufgewachsen, als das Gelände noch Schlachthof war. Mit seiner Kindergang rannte er schon mal hoch oben über das Schlachthofgelände. Durch die verkleidete Fußgängerbrücke, die mit 505 Metern als längster Fußgängertunnel Berlins gilt, im Volksmund auch "Langer Jammer" genannt. Schon als 12jähriger komponierte er am heimischen Klavier die Melodie des später so erfolgreichen Songs "Als ich fortging".

Nachdem die Schlachthöfe nach der Wende geschlossen wurden, zog zwischenzeitlich Kultur auf das Gelände, z.B. mit Tangonächten oder Opernaufführungen. Die Kinder, die heute im Viertel aufwachsen, leben in einer ganz anderen Welt. Viele Familien aus dem Ausland sind dorthin gezogen, so gibt es eine zweisprachige Kita - die Villa Heimat. Die Schauspielerin Anne-Sophie Briest hat mit ihrer Freundin 2010 die englisch-deutsche Kita im ehemaligen Verwalterhaus der Schlachthöfe gegründet.

Das denkmalgeschützte Gerüst der ehemaligen Rinderauktionshalle Quelle: Ben LinseDas denkmalgeschützte Gerüst der ehemaligen Rinderauktionshalle

Die alten Industriebauten auf dem Gelände sind denkmalgeschützt. Als zentraler Bestandteil des Vieh- und Schlachthofes Berlin entstand 1897 eine riesige Rinderauktionshalle. Wenn man heute unter dem übriggebliebenen Metallskelett steht, erahnt man die Dimension des damaligen Schlachthofes. Das restaurierte Stahlgerüst wurde in den Park integriert.

Die Straßen und Wege haben ungewöhnliche Namen wie "Zum langen Jammer", "Zur Innung", "Zur Waage", "Zur Börse" oder "Zur Rinderauktionshalle". Die meisten Bewohner in den neuen Reihen- und Einfamilienhäusern sind zugezogene Familien mit Kindern und gutem Einkommen, die die Ruhe inmitten der Stadt schätzen. Mit den alteingesessenen Bewohnern rund ums Gelände gibt’s bislang eher weniger Kontakt.

Viele Gewerbe- und Dienstleistungseinrichtungen haben sich in den alten Gemäuern angesiedelt. Darunter die Firma "Suchmeisterei". Seit drei Jahren arbeitet die Online-Marketingfirma in der ehemaligen Pferderemise. Zu ihren Kunden gehört unter anderem das Deutsche Rote Kreuz.

Es gibt sogar ein Theater im Viertel. Als Zimmer-Theater ist es das kleinste in Berlin. Axel Greiner ist alles in einer Person – Intendant, Regisseur, Schauspieler, Bühnenbildner und Koch. Neben Schauspiel für Erwachsene und Kinder steht auch Musik auf dem Programm. Das Mini-Theater ist ein Kieztreff mit intimer Atmosphäre, indem auch Workshops angeboten werden.

Mixologe – das ist Fabian Buhtz in der Skybar im "Andel’s Hotel". Der 34jährige Barmanager mixt im 14. Stock des Hauses an der Landsberger Allee ungewöhnliche Cocktails aus sogenannten gelagerten Spirituosen. Der gebürtige Magdeburger kann eine ansehnliche Mix-Karriere vorweisen. Er war schon im Waldorf Astoria Berlin, im Hotel Intercontinental Düsseldorf, in Australien und auf großen Schiffen unterwegs.

Ulli Zelle lässt sich von Fabian Buhtz in der Skybar einen Special-Drink mixen Quelle: Ben LinseUlli Zelle lässt sich von Fabian Buhtz in der Skybar einen Special-Drink mixen