Ulli Zelle am Maybachufer im Winter (Quelle: Ben Linse)
Ben Linse
Bild: Ben Linse

Berlin - Neukölln - Ulli Zelle entdeckt das Maybachufer

Straßennamen und Straßenbücher +++ Kunstraum und Backkunst +++ Kinogeschichten und Brückengeschichen
 
Der Landwehrkanal ist eine wichtige Wasserstraße der Stadt und an dessen Ufer lebt es sich wunderbar. Deswegen gehört das Maybachufer in Neukölln zu den Top-Wohnadressen der Hauptstadt. Dreimal in der Woche ist die Gegend noch bunter, denn dann ist Markt am Maybachufer. Dienstags und freitags kommen viele zum sogenannten Türkenmarkt, sonntags zum Flohmarkt und gelegentlich am Sonnabend zum bunten Stoffmarkt. Mit den Straßennamen werden Berliner Honoratioren der Gründerzeit gewürdigt.

Der Neuköllner Reinhold Steinle ist gebürtiger Schwabe und doch kennt er sich besser aus als die meisten Berliner. Er weiß, wie die Straßen zu ihren Namen kamen, nachdem sie anfangs nur Nummern hatten. Auf den Straßenschildern nahe dem Maybachufer trifft der Besucher auf Berliner Persönlichkeiten des 19. Jahrhunderts. James Hobrecht war Baustadtrat, Stadtplaner und Ingenieur. Er hat für die Kanalisation in Berlin gesorgt. Johann Friedrich Schinke war der letzte Dorfschulze von Rixdorf, hat Steuern eingetrieben und örtliche Angelegenheiten geregelt. August Bürkner arbeitete als Jurist wie auch Rudolf Pannier. Albert von Maybach war preußischer Handelsminister. Er verstaatlichte die Eisenbahn und war der erste Bahnchef. Ernst August Friedel gilt als leidenschaftlicher Heimatforscher und ist Gründer des Märkischen Museums. 

Früher haben am Maybachufer viele türkische Einwanderer gelebt. Heute ist es wesentlich bunter, multikulti eben. Vor allem Künstler zieht es in die Gegend, wie Moriel Briller aus Israel. Sie beherrscht eine eher ungewöhnliche Kunst, sie faltet Bücher und zwar Seite für Seite - kunstvoll und thematisch. Dabei verarbeitet sie nur Bücher, die sie aussortiert auf der Straße findet. Dabei lässt sie sich vom Titel oder Inhalt des Buches inspirieren. Geht es zum Beispiel um die Liebe, entsteht in geduldiger Handarbeit aus den Buchseiten ein Herz. Auch die französische Literaturwissenschaftlerin Julie Sawallisch liebt Bücher. Mindestens zwei liest sie pro Woche, dazu dann nochmal zehn Werke quer. Das genau schätzen ihre Kunden im Laden "Stadtlichter" in der Bürknerstraße, in dem auch regelmäßig Lesungen stattfinden. Dafür wurde sie mit dem Deutschen Buchhandelspreis ausgezeichnet.

Ein Tag am Maybachufer in Bildern

"Klötze und Schinken" lässt etwas anderes vermuten, ist aber ein Café. Hier kann man beim Käffchen oder bei Schwarzwälder Kirschtorte zuschauen, wie Christof Husemann malt. Im Augenblick entsteht ein Selbstbildnis im tiefen Wald. Gemeinsam mit der Eventkünstlerin Christina Both hat er vor zehn Jahren das Café eröffnet. Seine Name wirft immer wieder Fragen auf. Hier die Aufklärung: Klötze standen für Skulpturen und mit Schinken sind die großflächigen Wandmalereien gemeint.  Auch in der Friedelstraße wird gebacken, aber anglophan, also nach Rezepten aus England, Kanada, Australien oder den USA. Die Idee dazu hatte die Kanadierin Olivia Wood, die etwas Heimweh verspürte und sich in die Rezeptbücher ihrer Mutter vertiefte. Im Schwangerschaftskurs hat sie eine Mitstreiterin gefunden und schließlich das "Katie´s Blue Cat" gegründet. Mittlerweile verkaufen die beiden ihre Cookies, Shortbreads oder Brownies auch online.

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