Quelle: Ben Linse
Ben Linse
Bild: Ben Linse

Berlin - Mitte - Ulli Zelle entdeckt die neue Chausseestraße

Die Geheimnisse im BND +++ Die Zeitreisen in der Galerie 36 +++ Die Wohnung von Bertolt Brecht

Sie ist laut, ungewöhnlich, spannend und voller Bezüge zu verschiedenen Vergangenheiten. Sie war eine der ersten asphaltierten Straßen in Preußen. Seit 1800 trägt sie ihren Namen. Mit dem Mauerbau 1961 wurde sie geteilt. Fortan gehörte eine Hälfte zu Ost-, die andere zu West-Berlin.

Noch lange nach dem Mauerfall führte die Chausseestraße ein Schattendasein. Erst in den letzten zwei Jahren hat sie sich grundlegend verändert.Einerseits ragt nun der gigantische Neubau des BND-Gebäudes empor, andererseits haben sich Cafés, Restaurants, Hotels und Läden angesiedelt. Auch viele neue Wohnhäuser sind entstanden. Inzwischen lohnt es sich wieder, durch diese Straße zu bummeln.

Ingeborg Riesenberg und Joachim Panckow wohnten zu Mauerzeiten dort - sie im Osten, er im Westen. Sie erinnern sich an die Vergangenheit der Chausseestraße – beispielsweise an das Stadion der Weltjugend auf der Ostseite. Und sie staunen über die Veränderungen dort - auch über die neuen Luxuswohnanlagen.

In der Galerie von Anne le Campion wird viel alte Substanz des Geäudes erhalten Quelle: Ben Linse
In der Galerie von Anne le Campion wird viel alte Substanz des Geäudes erhalten Bild: Ben Linse

Eine Zeitreise kann man auch in der Galerie 36 erleben. Das Haus in der Chausseestraße fällt sofort auf: Ein unsanierter Altbau, der bei näherem Hinschauen jedoch perfekt die Spuren der Vergangenheit bewahrt und architektonisch trotzdem auf dem neuesten Stand ist. Ein originales Stück Mauer hängt an der Fassade. Die Galerie bietet einen Rundgang durch das ganze Haus an.

Das "Ballhaus Berlin" gibt es schon seit über hundert Jahren. Es gehört zu den letzten erhaltenen Tanzpalästen in Mitte. In den 20er Jahren war die Chausseestraße eine Vergnügungsmeile und die Berliner konnten gleich in mehreren Etablissements ihr Tanzbein schwingen. Die Tischtelefone gibt es immer noch im Ballhaus.  Vor zwei Jahren ist auf den Hof des Ballhauses eine andere Institution der Berliner Kneipenszene hingezogen: Die Bierstube "Alt-Berlin", die zuvor 121 Jahre in der Nähe des Hackeschen Marktes war. Sie musste dort den hohen Mieten weichen und ist mit ihrem kompletten Interieur in der Chausseestraße angekommen – was die Stammgäste natürlich freut.

Der Schriftsteller Bertolt Brecht und seine Frau, die Schauspielerin Helene Weigel, wohnten seit den 1950er Jahren bis zu ihrem Tod in der Chausseestraße 125. Die Wohnung ist heute eine Gedenkstätte. Bei Führungen kann man dem Leben und Arbeiten der beiden Künstler nachspüren. Im Haus befinden sich ebenfalls das Bertold-Brecht-Archiv und das Literaturforum. Dort gibt es Lesungen, Diskussionen, Musik, Filmvorführungen und Ausstellungen.

Bertolt Brecht und Helene Weigel sind auf dem Dorotheenstädtischen Friedhof in der Chausseestraße gleich neben ihrem einstigen Wohnhaus beerdigt. Auch viele andere Persönlichkeiten fanden dort ihre  letzte Ruhe, wie beispielsweise John Hartfield, Georg Wilhelm Friedrich Hegel, Karl Friedrich Schinkel oder Heiner Müller und Wolfgang Herrndorf. Ein besonderer, stiller Ort mitten im Trubel der Stadtmitte. In der neu gestalteten Kapelle bringt Lichtkunst Helligkeit in den Raum der Verabschiedung. Das Verwalterhaus ist Freitag bis Sonntag ab 12:30 Uhr als kleines Café geöffnet, in dem es hausgemachtem Kuchen gibt.

Ulli Zelle mit seinem Gesprächspartner Martin Heinemann im Innenhof des BND-Gebäudes Quelle: Ben LinseUlli Zelle mit seinem Gesprächspartner Martin Heinemann im Innenhof des BND-Gebäudes

Der Neubau des Bundesnachrichtendienstes prägt ein riesiges Stück der Straße. Das Gelände umfasst immerhin 260 000 m². Das Haus ist der größte Verwaltungsneubau der Bundesrepublik und steht genau dort, wo früher das Stadion der Weltjugend war. Die Mitarbeiter des BND ziehen nun nach und nach von Pullach ganz im Süden Deutschlands nach Berlin. Das HEIMATJOURNAL durfte ganz exklusiv einen Blick hinter die Kulissen werfen, vorbei an den Überwachungskameras.

In einem Hinterhof mit neuen, edlen Wohnanlangen steht zwischen gepflegtem Grün ein Gedenkstein. Lange wurde für seinen Erhalt gestritten. Er verweist auf das Haus, welches einst dort stand und in dem Karl Liebknecht 1916 den Spartakusbund gründete. Für Besucher gibt es am Klingelschild des Hauses einen Extra-Einlass-Knopf: "Denkmal" steht darauf.

Serviceinformationen