Musik ist sein Element (Quelle: Ben Linse)
Ben Linse
Bild: Ben Linse

Berlin - Lichtenberg - Ulli Zelle erkundet die Herzbergstraße

Vietnam im Center +++ Kunst in der Fabrik +++ Jugend im Tunnel
 
Die Herzbergstraße ist eine eher ungewöhnliche Straße. Knapp drei Kilometer lang hat sie zwei Gesichter: Ein Teil von ihr wird von verschiedenen Plattenbau-Typen aus den 1970er und 80er Jahren gesäumt. Der andere Teil ist Gewerbegebiet mit zum Teil historischen Gebäuden. In einigen leerstehenden Häusern hat sich die Kunstszene Berlins niedergelassen. Seit fast 25 Jahren ist dort auch der größte Asiamarkt der Stadt.

„Dann kommst du nach Herzberge!" Der Spruch war alles andere als nett gemeint. „Herzberge“ stand für das psychiatrische Krankenhaus, früher Irrenanstalt genannt, das es dort seit dem 19. Jahrhundert gab. Bis heute befindet sich in den historischen Gemäuern ein Krankenhaus, allerdings ein hochmodernes. Das Krankenhaus hat sich auf die Behandlung von Alterskrankheiten spezialisiert. Ganz museal wird es schließlich im alten Kesselhaus. Hier stehen die alten Borsig-Heizkessel aus der ehemaligen Reichskanzlei. Eine Etage darüber ist eine Ausstellungshalle. Zurzeit erzählen Mitarbeiter mit ganz persönlichen Exponaten die Krankenhausgeschichte.

Die Herzbergstraße ist eine Industriemeile mit Straßenbahnverkehr. Etwa 850 Unternehmen mit über 8000 Beschäftigten gibt es noch heute im Gewerbegebiet. Auch Touristen kommen dorthin, denn das Trabi-Safari-Center lockt zu individuellen Trabifahrten. Im Schatten der Herzbergstraße - oder besser gesagt auf der Sonnenseite - weiden „Rauhwollige Pommersche Landschafe" im Landschaftspark Herzberge. Nach 2004 ist der Park auf ehemaligen Industriebrachen angelegt worden. Schäfer Matthias Breutel freut sich über seine fleißigen ökologischen Rasenmäher. 100 Hektar müssen die schwarzen Schafe abgrasen. Der Park ist ein Geheimtipp, wie Klinikchefarzt Hans-Peter Thomas erzählt. Seine Patienten finden dort Ruhe.

In der Herzbergstraße 100 steht ein typischer Verwaltungsbau der DDR-Wirtschaft. Musiker, die aus dem alten Funkhaus in der Nalepastraße vertrieben worden sind, haben dort neue Probenräume gefunden. Bezahlbar und ohne genervte Nachbarn, wie Schlagzeugerin Cläre Caspar betont. Unweit - in der alten Margarinefabrik Herzbergstraße 55 - haben sich Maler, Streetart-Künstler, Grafiker, Beton-Designer und andere Künstler niedergelassen. "Räume der Kunst" - heißt ihr Projekt. Mittlerweile ist es eines der größten Atelierhäuser Berlins mit einer wunderschönen Kantine. Und es gibt sogar noch freie Ateliers zu mieten. In der Plattenbau-Gegend der Herzbergstraße gibt es den Jugendclub "Tube", der die Räume eines alten Fußgängertunnels nutzt. Dort können sich die Jugendlichen austoben, Musik machen, tanzen, kochen - und bei Streetworkern finden sie stets offene Ohren.

Unterwegs in der Herzbergstraße

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