Quelle: Ben Linse
Ben Linse
Bild: Ben Linse

Berlin - Charlottenburg - Ulli Zelle rollert durch die Krumme Straße

Laufen mit Gewinn +++ Stricken mit Kaschmir +++ Baden mit allen Sinnen

Die Straße krümmt sich in Berlin – Charlottenburg. Ein Kiez mit der Trinitatiskirche, einem Wochenmarkt auf dem Karl-August-Platz und einer bunten Kneipen-Szene. Die Straße bekam ihren Namen 1824 tatsächlich wegen ihrer gebogenen Straßenführung. Bekannt geworden ist sie auch durch ein politisches Ereignis. Vor 51 Jahren wurde der Student Benno Ohnesorg dort erschossen. Ein Ereignis, das die Proteste gegen den Besuch von Schah Reza Pahlawi in Berlin bis heute unvergesslich gemacht hat.

Die Krumme Straße ist  typisch für  Charlottenburg -  mit vielen  kleinen Geschäfte, die es zum Teil schon seit Jahrzehnten gibt und Menschen, die aus allen Teilen der Welt kommen und hier in bester Nachbarschaft leben.

Im ArtPaper&Office  verkauft  Hassan Djavanian  seit vielen Jahren nicht nur  Künstlerbedarf, sondern stellt auch seine eigenen Bilder aus. Der studierte  Informatiker hat sich nicht nur der Kunst verschrieben, sondern auch dem Sport.  Bereits  an  36  Marathon- Läufen nahm er teil, ob  in Boston, New York oder Paris. In Berlin war er ganze 25-mal dabei.

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In der Krummen Straße rennt noch ein anderer Mann gerne durch die Gegend. Michael Horstmann lebt seit fast 30 Jahren dort. Er ist ein SightRunner aus Leidenschaft. 2008 hat er sein Geschäftsmodell entwickelt. Seitdem bietet er Touristen und Geschäftsreisenden mit großem Erfolg Sightseeing-Touren im Laufschritt an. Fürs HEIMATJOURNAL läuft er eine ganz persönliche Tour durch den Kiez.

Die Kaschmir-Manufaktur von Astrid Reinhardt gibt es erst seit einem halben Jahr in der Krummen Straße. Herrlich flauschige Dinge,  wie Mützen, Schals und  Accessoires aus reinen Garnen werden dort gefertigt, das heißt  aus Kaschmir-, Merino- und Alpakawolle  sowie Seide und Leinen. Eine weitere Leidenschaft von Astrid Reinhardt sind besondere  Lederwaren  und italienisches Olivenöl:

Das Spiel auf einem  ganz besonderen Instrument kann man bei Vida Azadi erlernen. Der Job des Vaters brachte die Familie Azadi von Moskau über Kabul und Teheran Ende der 1970er Jahre nach Berlin. Die Mutter russische Mathematikerin, der Vater ein Übersetzer aus dem Iran. Und Vida Azadi wiederum ist Harfenlehrerin geworden. Bereits mit sechs Jahren bestand sie die Aufnahme-Prüfung an Moskaus renommierter Gnessin Musikschule. Nach ihrem Studium arbeitete sie unter Weltstars wie Vladimir Ashkenazy und Kent Nagano, spielte mit den Berliner Philharmonikern & der Staatskapelle. In ihren Unterricht in die Krumme Straße kommen Schüler aus der ganzen Stadt.

Wäre Ulli Zelle nicht mit dem eigenen Motorroller unterwegs – in der Krummen Straße könnte er sich schnell einen ausleihen. Bei "Scooter to go" gibt es alle Klassen. Uwe Liebert vermietet die Zweiräder.

Gegenüber von "Scooter to go"  befindet sich  eine Erinnerungs-Stele auf dem Gehweg. In dem Hof dahinter wurde am 2. Juni 1967 der Student Benno Ohnesorg von dem Polizisten und Stasi-Spitzel Karl-Heinz Kurras erschossen. Ulli Zelle ist den  Vorgängen von damals noch einmal nachgegangen.

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Baden im Jugendstilambiente ist im Stadtbad Charlottenburg möglich. Es lädt bis heute zum Schwimmen ein. Ulli Zelle erkundet mit Autorin Uta-Maria Bräuer eines der ältesten Stadtbäder. In ihrem Buch "Bäderbau in Berlin, Architektonische Wasserwelten von 1800 bis heute" beschreibt sie auch das eindrucksvolle Stadtbad in Charlottenburg. Entdeckungen einer vergangenen  Bäderkultur! Hinter dem Bäderbau um die Jahrhundertwende stand die Idee, dass Baden im warmen Wasser wieder ein sinnliches Erlebnis werden sollte, fernab sportlicher Betätigung. Ganz im Gegensatz zu den heute  rein funktional gestalteten Schwimmbädern.

Gegenüber vom Karl-August-Platz ist das Café " Olive ". Dort ist Carlo Plener vor Anker gegangen. Vorher war er auf Kreuzfahrtschiffen in aller Welt unterwegs. Von Bermuda bis Cap Verden. Jetzt fühlt er sich in der Krummen Straße wohl.